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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.

1850. ^ 269.

----inilWM---

Die Galeere des Herzogs von Vivonne.

Novelle auS dem Französischen von Fr. Bouffier.

(Fortsetzung.) ;

Mein lieber Vater", rief der junge Mann und streckte seine Hände gegen den Schreiber.

Sowie eS denn dem Manne zukommt, Vorsorge in! allen seinen Geschäften zu treffen, so habe auch ich den; Fall vorgesehen, daß ich eher sterben könne, als Du der j Freiheit zurückgegeben bist. Zu diesem Zwecke habe ich i dieser Tage 15,000 Franken, meine ganze Ersparniß von 40 Jahren, bei Herrn Chabot, königlichem Notair zu « Paris, niedergelegt.

Ich hatte diese Summe zu Deinem künftigen Etablisse­ment in Paris bestimmt .... Aber der Himmel hat es an­ders gewollt; sie wird Dir nun dienen, auszuwanvern, Dich, den Sohn eines tapferen französischen Offiziers, zum Spanier zu machen. Doch, baS thut nichts. Wenn ich denn meine Seele in Gottes Hände gegeben habe, wann Du nach Paris zurückkehren wirst, so gehe zu Herrn Chabot, Platz Maubert; eS ist ein rechtschaffener Mann, er ist mein alter Universitätsfreund, und er wird Dir den Betrag überliefern.

Mein lieber Pflegevater, ich werde Sie wieder sehen bei Leben und Gesundheit"! rief Philipp aus, tief ergriffen von dieser väterlichen Fürsorge des Schreibers.

Ich hoffe eS auch, mein Kind", entgegnete Guillard, »und ich gedenke sogar noch mit den Nachkommen des Ferdinand Cortez und Montezuma Bekanntschaft zu ma­chen; doch in Geschäften, siehst Du, darf man Nichts dem Zufalle überlassen und muß ihm wegnehmen, was man kann".

Nun wohl denn, mein edler Vater, so ist es denn abgemacht; in 5 Jahren komme ich wieder nach Paris, wir ordnen unsere Geschäfte und schiffen uns nach Ame-

rika ein. O, wie wird eS nur so süß sein, mein Leben

Ihnen ganz zu weihen, und zu beweisen, raß mein Herz den Gefühlen kindlicher Liebe und Dankbarkeit, die ich Ihnen schuldig bin, treu geblieben ist. O, glauben Sie, theurer Pflegevater, ich werde nicht ohne vergolten zu haben sterben".

Der alte Schreiber antwortete nicht, aber er nahm die Hand seines Pfleglings und drückte sie fest.

Aber", erwiderte Philipp, wir sind Alle sterblich, und diese allgemeine Wahrheit" ....

Hat nicht nöthig bewiesen zu werden" , vollendete der Schreiber.

Ich'kann auf der Galeere sterben, wie Sie in Paris".

Das ist nicht zu bestreiten".

In diesem Falle denn, wo es mir nicht gestattet wäre, mein liebes Vaterland, meine geliebte Wiege, Pa» ris wieder zu sehen", fuhr der junge Mann fort, ein ju* sammengelegteS und sorgfältig verstecktes Papier dem Schreiber übergebend,ist hier ein Schreiben, welches ich Sie angelegentlichst aufzubewahren bitte, und wovon Sie nach meinem Tode Kenntniß nehmen werden. Bis dahin, mein geliebter Pflegevater, vertraue ich cs Ihrer Diskretion und Ihrer Ehre an".

ES ist ein halbes Jahrhundert, daß ich vertrauliche Mittheilungen erhalte", erwiderte der Schreiber, und mein Gedächtniß, sowie die Ecke, welche ich im Saale der verlorenen Schritte einnehme, sind raS Grab der Geheimnisse".

Ich weiß eS, mein Vater. Dieses Paquet enthält, außer meinem letzten Willen, einen an eine.gewisse P-r- son gerichteten Brief, deren Namen Sie lesen werden. Sie werden ihn eigenhändig an seine Adresse besor­gen" ... .