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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur

1850. ^ 260.

Das Paradies und die Peri

von Thomas Moore.

Deutsch von G. C. Dieffenbach.

(Fortsetzung.)

Der Peri Auge hat bald erkannt

Manch' grause That dort eingebrannt,

Manch düstre Kunde aus alter Zeit

Von entehrter Jungfrau, gebrochnem Eid, Entweihtem Tempel, der Schwelle, dranf klebt Der Gäste Blut, auf jenem Gestchte Stand dieß geschrieben, schwarz, wie beim Gerichte Der verdammende Tropfen, welcher bebt Aus der Feder des schreibenden Engels nieder, Bevor ihn gelöscht die Gnade wieder.

Und dieser Mann der Sünde, in Ruh', Als ob des Abends duft'ge Wogen Besänft'gend seinen Geist umzogen, Schaut lang dem rosigen Kinde zu, Bewachend dieses frohe Spiel;

Doch wenn sein schweifend Ange fiel Auf dieses Knaben lieblich Gesicht, Da traf sein finstrer Glanz zusammen Mit diesem Blicke rein und licht, Wie lodernder Fackeln dampfende Flammen, Die eine Nacht hindurch gesprüh't, Zu einem schnöden , sünd'gen Mahle Zusammentreffen, schon halb verglühst, Mit des jungen Morgens herrlichem Strahle.

Doch horch! Der Abendruf zum Beten, Bebt durch die stille Dâmmerluft, Da sanft der Lichtball taucht in Duft, Von Syriens tausend Minareten, Vom Blumenbett, das ihn umfangen, Springt schnell der Knabe auf und kniet Hin auf des Rasens duftig Prangen, Nach Süden hin sein Antlitz steht.

So liegt in Andacht hingegoßen, Er da vom Strahlenglanz umflossen, Den ew'gen Namen Gottes hauchen Die «ngelreinen Lippen milv,

Zum Himmel hebt er Hând' und Augen,

Wie eines verirrten Engels Bild,

Der aus des Paradieses Anen

Gewiesen nach diesen Blütengauen,

Und nach der ewigen Heimath traut Nun still, in tiefem Sehnen schaut.

O welch ein Anblick! Himmelsglut,

Und hier der Knabe sromm und gut,

Das könnte einen Seufzer pressen Selbst aus des stolzen Eblis Brust, *)

Um Freuden, die er lang vergessen, Um die entschwund'ne Himmelslust.

Und was fühlt jener, der dort rastet,

Der sünd'ge Mann, mit Schuld belastet,

Da über manches Jahr voll Blut

Und Sünde die Erinn'rung zieht,

Und durch des Lebens düstre Fluth Hinschweifend nirgends Ruhe steht? Da sie von ihrem düst'ren Pfade Ihm nimmer bringt den Zweig der Gnade?

Einst war die Zeit, fie floh geschwind, Spricht er mit demuthsvollem Laut, Da ich wie du, du selig Kind, So jung und rein emporgeschaut, Da im Gebet' ich konnte ruh'n

Voll Andachtsgluth, doch nun, doch nun"

Er senkt das Haupt voll Wehmuth nieder, Und jede Hoffnung schön und gut Und manch Gefühl, das lang geruht Seit Kindestagen kehret wieder, In diesem Augenblick vereint, Mit Macht, und steh! er weint, er weint!

O sel'ge Thräne tiefer Reue In deren segensreicher Fluth, Die sühnend glänzt, die erste neue, Die einz'ge, einzige Wonne ruht, Die auch des Sünders Herz durchbebt, Der lang in Schuld und Stolz gelebt! (Fortsetzung folgt.)

*) EbliS der böse Geist, ein gefallner Engel.