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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung

1850. JVi 859.

Das Paradies und die Peri

von Thomas Moore.

Deutsch von G. C. Dieffenbach.

(Fortsetzung.)

DaS Licht des Abends ruhet schon

Sanft über Syriens Riesenthalen;

Und in der Sonne Feuer-Strahlen

Steht der geweihte Libanon,

Deß Haupt von Winterpracht umglänzt

Sich thürmt, von ew'gem Schnee umkränzt,

Indeß des Sommers rosige Gluth

Zu seinen Füßen im Thale ruht.

Wer aus den Lüften doch könnte schauen

Ueber all' diese reichen entzückenden Gauen! Wie schön müßte sein dies Duften und Blühen, Das unten strahlet, dies Lebensglühen!

Hier schöne Gärten, dort Ströme, umrankt

Von Laub, drin die gold'ne Melone schwankt, Noch goldner von der Sonne beschienen;

Da muntre Lazerten in den Ruinen*)

Gesunkener Tempel, beweglich und schnelle

Als wären sie alle lebendig von Licht,

Und Schaaren von Tauben, dort glänzend Helle

Auf Felsen sitzend, es ruhen nicht

Die Schwingen, drauf buntes Schillern sprüht

Vom Purpurglan;e des Westens umglüht, Als wären leuchtend sie umzogen

Vom thränenlosen Regenbogen, Der hoch über Peristans duftendem Land Am wolkenlosen Himmel sich spannt.

Und aus dem reichen Lande hervor

Dringt wunderbar vermischtes Klingen, Ein süßes Lied aus des Hirten Rohr Und Summen der Bienen, die sich schwingen

»Die Zahl der Lazerten (Eidechsen), welche ich eines Tages in dem großen Hofe des Sonnentempels zu Balbek sah, belief sich auf mehrere Tausende; der Boden, die Mauern, die Steine der verfallenen Gebäude waren mit denselben bedeckt." (Bruce.)

Durch Palästinas duftende Thale, Des Jordans Rauschen, im Abendstrahle Um feine lieblichen Ufer wallen Die schönsten Haine voll Nachtigallen.

Doch nichts kann der Peri Freude bringen Ihre Seele ist düster, matt ihre Schwingen; Freudlos sieht sie die Sonne sich neigen Ueber jenem Tempel, einst ihr eigen, *) Davon noch einsame Säulen ragen, Ihre Schatten werfend über das Feld, Wie Sonnenzeiger, in grauen Tagen Von der Zauberin Zeit dort aufgestellt, Davon zu zählen im leichten Strahl Der Sonne ihrer Jahre Zahl.

Dort mag vielleicht verschlossen sein Dort unter diesen Sonnenhallen, Ein Ainnlet von Edelstein, Geglüht in zauberischer Feuer Wallen, Ein Täfelchen, drauf eingedrückt, Der Name Salomon's ruhmgeschmückt, Das ihren erleuchteten Augen möcht' künden, Mo unter dem Moud', in des Meeres Fluth, Wo in der Erde verborgensten Gründen Die Gabe, der mächtige Zauber ruht, Der einen sündigen Geist zurück Kann führen zu Edens ewigem Glück.

Erfreut durch dieses schöne Hoffen Steigt nieder sie zu jenen Hallen; Noch lacht des Himmels Auge offen Und in dem reichen Westen wallen Des Abends goldene Lauben und sprühen Noch voll in wunderbarem Glühen; Al« über Balbekâ Thal hinschwingend Sie schaut ein Kind, o süßes Bild! Dort unter wilden Rosen singotid, Wie sie so rosig und so mild! jaget emsig nach Libellen, Die dort, wo duft'ge Lauben schwell«»,

*) Der Sonnentempel zu Balbek.