Der Wanderer.
Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung
1850. — ^F 257.
Das Paradies und die Peri
von Thomas Moore.
Deutsch von G. C. Dieffenbach.
(Fortsetzung.)
Ein Jüngling 'war's, der aller Orten
Jed' Herz in Liebe sich vereint; Als wär' ihm Liebe nie geworden, Stirbt er jetzt einsam, unbeweint!
Niemand ist da, der ihn bewacht, Niemand, zu löschen diese Gluth, Die Krankheit ihm in der Brust entfacht, Mit einem Tropfen aus der Fluth, Die kühl vor seine» Augen ruht!
Und keine Stimme, in früheren Tagen
Geliebt, ist da, um seufzend bang Den letzten Abschiedsgruß zu sagen, Der, — wenn entschwunden jeder Klang, — Wie ferne Melodie erklingt; —
Dieß Lebewohl, das von dem Strand Der rauhen Welt, wenn Alles schwand' Den Geist erfreuend, herüberdringt, Eh' seine Barke fortgezogen Durch unbekannte tiefe Wogen.
Verlaff'ner Jüngling! — in sterbende Brust
Gießt ihm nur e i n Gedanke noch Lust, — Daß Sie, die er seit Jahren kannte Und liebend bald sein eigen nannte, Von diesem gist'gen Hauche rein Verweilt, umglänzt von Gesundheits-Schein, In ihres Vaters fürstlichen Hallen, Wo süße Wohlgerüche wallen
AuS goldnen Becken von manchem Brand Des duftenden Holzes aus Indiens Land, Wo rieselnd springen frische Quellen, Wo reiche Blütenlauben lächeln, Wo kühle Lüfte sie umschwellen, Rein wie die Stirne, die sie fächeln.
Doch sieh'! — wer naht dem gist'gen Tode,
Den diese Laube hält umfangen, Wie der Gesundheit süßer Bote Mit Rosenblühen auf den Wangen?
Sie ist's! — im Mondenschein erschaut
Er bald die eigne liebe Braut, Sie, der eS süßer dünkt zu sterben, Mit ihm den bitt'ren Tod zu theilen, Als, sei's auch eine Welt zu erben, Im Leben ohne ihu zu weilen.
Jetzt hält sie liebend ihn umfangen,
Preßt seine todtenbleichen Wangen
Fest an die ihren mit Liebesmacht, — Taucht ihrer Locken wallende Pracht In des schwellenden See's erfrischende Fluth, Zu netzen seiner Stirne Gluth!
O! nimmer dacht in entschwunduer Zeit Er solche Stunde zu erleben, Wo vor der Liebe Seligkeit
In kaltem Schauer er würde beben, In diesen Armen, die heilig ihm, Wie die Wiege den kindlichen Cherubim, Die hold in Edens Auen schweben.
Bald gibt er sich hin, — bald schreckt er wild
Zurück vor der Geliebten Bild, Als wenn die Lippen, die sie bot, Entgegen ihm hauchten Gift und Tod;
Der süße Mund , jetzt ohne Bangen, Der niemals ohne holde Scham, Und nur auf zärtliches Verlangen, Vordem dem feinen nahe kam.
„O! laß mich selig athmen hier Nur deinen Hauch bei dir, — bei dir! Mag er aus wonnevollen Schwingen Mir Heilung, — mag er Tod mir bringen, — Süß, mein Geliebter, ist er mir!
Da, trinke meiner Thränen Flnth, Geliebter trinke, da sic fließen!