Ritte ihre romantischen Reize. Im Mondschein sieht die weite Sumpfebene weit besser aus als im Hellen Sonnenlicht. Dazu daS Anrufen der Feldposten und Patrouillen, und die eigenthümliche Stimmung, in welche einen die Aussicht auf einen nahe bevorstehenden Kampf versetzt. Aber alle Romantik hat ein Ende bei schlechtem Wetter, wenn es so dunkel ist, daß man kaum den Kopf des Pferdes erkennt, der Regen heruntergießt, der Wind dazu heult, und die Pferde in Gefahr kommen stecken zu bleiben. Bisweilen aber gibt eö eine kleine Würze, indem sich wirklich ein Vorpostengefecht entspinnt, und in solchem Fall vergißt man alsbald Müdigkeit, schlechtes Wetter und grundlose Wege. So ein nächtliches Vorpostengefecht hat großen Reiz und belebt wunderbar. Schon die Erwartung der Dinge, die da kommen sollen, die Spannung, ob und wo und in welcher Zahl man den Feind antreffen werde, ist äußerst aufregend. Endlich ist es geglückt, mit einer feindlichen Patrouille zusammenzustoßen, die Schüsse knallen, die Pferde schnauben, die Säbel der Dragoner klirren, „hurrah, hurrah" ruft es von beiden Seiten, und wenn auch bei solchen kleinen nächtlichen Gefechten selten viel herauskommt, so machen sie doch dem Soldaten auf Vorposten großes Vergnügen und dienen dazu, ihn die Langeweile und Mühseligkeit seines Berufes auf Tage vergessen zu machen. Daher finden sich zu solchen nächtlichen Patrouillen immer Freiwillige in Menge, und viele möchten dieselben beständig mitmachen. Zwei bis drei Meilen weit sind schon solche Patrouillen vorwärts gegangen und im Glanze der ausgehenden Sonne haben wir selbst in der Ferne die Thürme von Schleswig erkannt. Wann werden wir wieder dort einrücken? — Daö nächstemal hoffentlich aus Schleswig, oder lieber noch aus Flensburg*
Lüdecking's französisches Lesebuch
Von Dr. H. Lüdecking, Oberlehrer am
nasium zu Wiesbaden, ist im Laufe dieses Herbstes ein
Werk erschienen, auf welches wir für unsere Pflicht hal« ten, das größere Publikum aufmerksam zu machen. Es ist dieß ein französisches Lesebuch für untere und mittlere Klassen. Wer einigermaßen die Weise kennt, in welcher derartige Werke in der Regel ausgewählt und geordnet sind, weiß, wie oft in solchen Büchern die Ju« gend mit albernen affektirten Lesestücken, mit Tiraden oder mit seichter Moralpredigt geplagt, wie ihr dadurch der französische Unterricht nicht selten zu einer wahren Pein gemacht wird. Diese oft gerügten Mängel sind vom Ver
fasset durchaus vermieden. Wenn auch das Werk ml Leichtem beginnt, und in organischem Fortgang bat f Schwierigere anreiht, so enthält es doch nichts, waj nicht auch daS reifere Alter anspräche. Die breitgclretm f Heerstraße, die Jugend mit Lafonntaine'schen Fabeln zi l beschweren, deren Sprache für sie oft unverständlich, derei t Moral oft unmoralisch ist, wurde glücklich vermieben , Seiten und fast nur in prosaischem Gewand tritt d« £ Fabel auf: kleine und größere Erzählungen, interessante historische Bilder, Parabeln, Briefe, Gedichte folgen |if in freundlichem Wechsel. DaS vielseitige Interesse, cheS wir beim Lesen empfinden, die stete gemeinsam» Freude an der Schönheit von Form und Inhalt, die M fehlende gemüthliche Anregung ist es, welche auch Er wachsenen daS Buch werth und erfreulich macht: und ml allem zeigt sich in der Auswahl der Gedichte ein feinst und glücklicher Tert, welcher daS bis dahin übliche meist | verwerfend, der Jugend die edelsten Blüthen französischer Lyrik darbietet. V. Hugo, Lamartine, Beranger sind viel I fach und in ihren schönsten Poesieen vertreten: ebenso | kann die Wahl der Lesestücke aus 1001 Nacht, aus Lamm b tine's orientalischer Reise, der Abschnitte auS den Nibe- k hingen, der Briefe und historischen Darstellungen um als glücklich bezeichnet werden. Möchten diese Zeilen | dazu beitragen, manchen Lehrer mit einem werthvollen [ Buche bekannt zu machen und dem Letzteren die Ver« | breitung gewinnen zu helfen, deren eS würdig ist. B.
Der Akademie der Wissenschaften in Paris liegt nach den englischen „Globe" ein außerordentlicher Plan vor, der nichts
geringeres als die Verbindung zwischen Frankreich und Englaiii ; vermittelst einer aerostatischen Hängebrücke bezweckt ! Herr Ferdinand Lemaitre schlägt die Errichtung einer solch!» : Brücke zwischen Dover und Calais (Entfernung »on sieben Stun- i den vor. Zu diesem Zwecke will er in einer Entfernung vo«
„ ; hundert Dards von der Küste und immer wieder hundert Dardè
. Leiter bis zum jenseitigen Ufer, vier schwerbeladene Prahmen
versenken, an welche er eine doppelte eiserne Kette von besonderer Konstruktion befestigen will. Ein ungeheurer Apparat von Luftballons , von elliptischer Form, würde das äußere Ende dieser Ketten in der Luft schwebend erhalten und andere am Ufer befestigte Ketten mit jenen in Verbindung gesetzt werden. Die in der Luft schwebenden Ketten sollen dann die Basis der Feenbrücke j werden, auf welcher der Erfinder eine atmosphärische Eisenbahn ' anzulegen gedenkt. Die Kosten berechnet er für jede Sektion von , hundert Dards zu etwa 300,000 Francs, welches 8 4 Millionen i Francs für die ganze Entfernung machen würde. Herr Lemaitre ! soll diesen luftigen Plan alles Ernstes weitläufig entwickelt haben.
Verantwortlicher Redakteur: Dr. A. Boczek.
Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.