Der Wanderer.
Belletristisches Beiblatt zur
^ii Allgem. Zeitung.
1850. — ^F 256.
Das Paradies und die Peri
von Thomas Moore.
Deutsch von G. @. Dieffenbach.
(Fortsetzung.)
Ihre erste Hoffnung, — sie war dahin! Zum Mondgebirg von Afrika, *)
Zum fernen Süden in trübem Sinn
Die Peri flog und tauchte da
Ihr leicht Gefieder in die Welle
Des Strom's Aegyptens, dessen Quelle
Verborgen vor den Menschen allen
Entspringt in der Wälder schattigen Hallen,
Von Genien der Fluth umgeben,
Die dort, wenn Abenddüfte fächeln,
Um ihren Strom den Reigen weben
Und Heil dem jungen Riesen lächeln.
Aegyptens Grotten und Königsgrüfte
Und seine Palmenhaine umkreist
Hinschwebend durch die reichen Düfte
- Dann seufzend der verbannte Geist;
M Nun schwebt er weiter auf lichtem Strahle,
Lauscht in Rosetta's warmem Thale
Der Tauben Girren, enteilet dann,
Sieht wie auf blauen stillen Wogen
In Moris See der Pelikan
Sich wiegt vom Mondenlicht umzogen.
Das Land war so schön, der Anblick so traut
Wie niemals ein menschliches Aug es geschaut,
Wer hätte jemals wohl gedacht,
Wenn er geseh'n der Sternennacht,
Das duftende Thal und golden schwer
Die Früchte im Silberlichte umher, —
Wenn er gesehen reich belaubt
Die Dattelpalme, die ihr Haupt
Im Balsamdufte müde neigt, Wie, wenn der Schlaf herniedersteigt,
*) Die Mondgebirge (Montes Lunte im Alterthum) an dessen Fuß man die Quellen des Nils vermuthet.
Die Jungfrau zu dem seidnen Pfühle
Ihr Haupt senkt in des Tages Schwüle, —*)
Die Lilie, die mit zartem Beben
In kühle Fluth sich taucht bei Nacht,
Um schöner dann sich zu erheben, Wenn ihre geliebte Sonne erwacht; — Wenn er gesehen die Tempelhallen, Wie Reste noch von glänzendem Traum, Die Thürme in den Staub gefallen,
Und diesen einsam schönen Raum, Drinn' einzig Kibitzschrei'n erschallt, Drinn', wenn der Schatten vorüber wallt, Und helle strahlt der Mond hernieder So gerne die Sultana wohnt, Die oft mit purpurnem Gesieder Auf einsam stehenden Säulen thront, Starr, regungslos im Farbenschein, Gleich einem Götzenbild von Stein; —*)
Wer hätte, sah er dies, gedacht, Daß unter diese stille Pracht Der Dämon der Pest mit glühenden Schwingen Den Todeshauch konnte bringen. So sengend heiß, so voller Gift, Daß hinsinkt, wen sein Fittig trifft, Verwelkt und bleich, wie Blütenprangen, Darüber der Samum hingegange».
Es sank die Sonne strahlend nieder Ob manchem Antlitz frisch, voll Gluth, Das kalt schon im Arme des Todes ruh't, Und nimmer fühlt die Sonne wieder,
*) „Der herrliche Dattel - Baum , dessen Haupt sich müde neigt, gleich dem eines schönen Weibes, das der Schlaf überwindet." (Dafard el Hadad.)
**) Sultana. Dieser schöne Vogel mit einem Gefieder von dem schönsten, strahlenden Blau, mit purpurnen Füßen und Schnabel, die natürliche und lebendige Zierde der Tempel und Paläste bei den Griechen «nd Römer», erhielt wegen seiner stattlichen Haltung sowohl, als auch .wegen seines brillanten Farbeu- glanzes den Namen „Sultana".