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Der Wanderer.

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Belletristisches Beiblatt zur Naffauischen Allgem. Zeitung.

1850. ^F 255.

Das Paradies und die Peri

von Thomas Moore.

Deutsch von G. E. Dieffenbach.

(Fortsetzung.)

Wohin soll die Peri sich schwingen, Die Himmelsgabe zu erringen? Vor mir sind, ruft sie, allzusammen Die Schätze jeder Urne klar, Drinn' tausend Prachtrubinen flammen Dort unter den Säulen von Chilminar. *) Ich weiß im tiefen Meer von Duft Der Wohlgerüche zaubrisch Land, Wo mild umspielt des Südens Luft Arabiens sonnig-schönen Strand; **) Ich weiß, wo Genien verschlossen Den Becher Jamschids, reichbekränzt Mit Edelsteinen, glanzumflossen, Drinn' Lebensbalsam Helle glänzt! t) Doch Gaben, wie diese., will Even nicht!

Wo war ein Edelstein jemals schon, Der strahlte in solchem Zanberlicht, Wie Stufen von Allahs Wunderthron? Und die Tropfen des Lebens, sie schwinden ganz Vor der Ewigkeit grundloser Tiefe voll Glanz"!

Sie spricht's und um die Schwingen bebt

Von süßem Balsamhauch durchwebt

Mild Indiens Luft, deff' Wogen wallen

*) »Die 40 Pfeiler, so nennen die Persier die Ruinen von Persepolis. Sie glauben dieser Palast und die Gebäude zu Balbek wären von Genien erbaut, um in deren unterirdischen Hallen unermeßliche Schätze zu bewahren, die noch dort sind".

**) Diodorus erwähnt die Insel Panch aia, südlich von dem glücklichen Arabien, wo ein Tempel Jupiters war. Diese Insel, oder vielmehr Inselgruppe ist verschwunden, versunken in den Abgrund durch das Feuer in ihren Gründen. Diese In­seln sind hier gemeint.

t) Der Becher Jamschieds soll gefunden worden sein, als man den Grund von Persepolis grub.

Ueber Ambralager und reiche Korallen, *) Deff' Berge, durchglüh't von der Sonne Strahl, Diamanten gebären ohne Zahl, Dess' Bäche voll Anmuth niederschwellen, Gleich reichen Bräuten, voll Gold die Wellen; In deff' Sandelhainen und Blumengewinden Selbst die Peri ihr Paradies könnte finden.

Doch roth nun seine Ströme wallen Von Menschenblut und Leichenduft Steigt dampfend aus den Blüthcnhallen, Verpestend seine reine Luft, Und, mit des Bruders Blut besprengt, Der Mensch sein wild Verbrechen mengt Mit jedem Hauche, welcher leicht Unschuld'gen Blumen süß entweicht.

Du Land der Sonne, wer hat so wild Doch deine schattigen Säulenhallen, Die Höhlen, manches Götterbild Und die Pagoden angefallen, Droht Untergang deinen tausend Thronen?

Der Fürst von Gazna ist's, er na^t **)

In wildem Grimm und Indiens Kronen

Zertrümmert er auf seinem Pfad ;

Und seine blut'gen Hunde prangen In Perlenzier und Demantspangen, Vom blendenden Nacken in wildem Sinn

*) Nichts gleicht dem Indischen Meere, dessen Grund bedeckt ist mit Perlen und Anibra, dessen Berge reich angefüllt sind mit Gold und kostbaren Steinen, dessen Fluren Thiere nähren, die glänzendes Elfenbein spenden; unter dessen Pflanzen Ebenholz prangt und Rothholz, Gewürznelken, Sandelholz und alle an­dern Arten von aromatischen Gewächsen; wo Papageien und Pfauen Vögel des Waldes sind und das MoschuSreh und die Zibethkatze auf dem Lande gesehen werden". (Reisen zweier Muhamedaner.)

**) Muhamed von Gazna oder Ghizni, der Indien zu Anfang be» 11. Jahrhunderts eroberte.