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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.

1850. 252.

0 Der Tambour von Wagram.

(Fortsetzung )

XII.

Zwanzig Jahre später.

Es war im Monat April 1836. Der General-Ein­nehmer von Bonneville war kaum von Paris zu seiner Familie zu . . . zurückgekehrt, als er durch die Post ein sorgfältig in Wachsleinwand gewickeltes Kästchen empfing, dessen Aufschrift lautete:

An den Herrn Grafen von Bonneville, ehemalige Unteroffizier der kaiserlichen Garde, ehemaligen Lieutenan- Colonel der königlichen Garde, Offizier der Ehrenlegion, Kommandeur des ChristuS-OrdenS ic., gegenwärtig Ge­neral-Einnehmer des Departements von . . . zu . . .

Das Ungewöhnliche dieser Aufschrift überraschte den alten Soldaten. Die Absender dieses Kästchens, sagte er mit Humor, konnten eS mir ja auch wohl vor einigen Tagen in mein Hotel schicken, als ich noch in Paris war". Mit der gewöhnlichen Gutmüthigkeit seines Charakters sagte er indeß hinzu: Vielleicht kannten sie auch meine Wohnung nicht. Vor Allem wollen wir sehen, waS das Kästchen enthält.

Er ließ es in sein Kabinet bringen, welches er ver­schloß. Ein gewisses Vorgefühl bedeutete ihm, daß er durch das Oeffnen desselben eine feierliche Handlung be- 9^e Mit zitternder Hand löste er die Umhüllung KâstchenS, öffnete daS Schloß, und fand zu seinem staunen folgende mit einem Trauerflore bedeckten

genstände .

Ein Kreuz der Ehrenlegion mit dem Bildnisse

deS Er- Ge­

Na-

PoleonS, an dem ein Stück abgebrochen war, das ohne l Zweifel in irgend einem Treffen von einer Kugel oder > einem Säbelhiebe verursacht worden.

Ein goldener Ring, sehr abgenutzt, in dem man in­wendig einige Worte und ein Datum lesen konnte.

Ein kleines Portefeulle von schwarzem Leder, welches einen Taufschein und Dienstzeugniffe enthielt.

Dieser Taufschein und diese Dienstzeugniffe gehörten dem Tambour Romeuf.

Zuletzt ein Säbel nach Art derer, wie die alten In­fanterie-Soldaten der alten kaiserlichen Garbe sie trugen. Die Klinge desselben, welche in ihrer ganzen Länge ganz schartig war, bewies hinlänglich den Gebrauch, den der Eigenthümer davon gemacht hatte.

Außer diesen verschiedenen Gegenständen fand sich ein Brief vor, den Herr von Bonneville mit unsägli­cher Neugier zu öffnen eilte. Er lautete folgendermaßen:

Herr Graf!

Indem ich die Ehre habe, Ihnen diese Gegenstände, die einzigen Reichthümer eines unserer Kameraden, zukom­men zu lassen, erfülle ich den letzten Willen des Tambour- Majors Romeuf, von der ... Legion der Pariser Na­tionalgarde. Dieser brave Soldat, auf seinem Todes- bette ebenso ruhig wie auf dem Schlachtfelde, benachrich­tigte mich vor ungefähr acht Tagen, und einige Augen­blicke vor seinem Tode, daß er mir etwas Wichtiges an­zuvertrauen habe. Ich begab mich zu ihm.

Mein Major", sagte er zu mir mit erloschener Stimme, indem er auf diese Gegenstände zeigte,ich habe hier Sachen, welche ich nach meinem Tode nicht gern in daS Gewölbe eines Trödlers möchte wandern lassen. Wenn ich das Auge geschlossen, so thun Sie mir den Gefallen und senden meinem alten Sergeanten in der kaiserlichen Garde, Bonneville, dieses Kreuz, wel­ches ich bei Austerlitz, Jena, Evlau, Friedland, Wagram, an der Moökowa, bei Saint-Dizier und bei Waterloo trug. Senden Sie dem Sergeanten Bonneville ebenfalls die in diesem Portefeuille enthaltenen Papiere und vor