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Der Wanderer.
Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen AUgem. Zeitung.
185V, — Jf 251
O Der Tambour von Wagram. wechseln. „Ich bin sehr erfreut, daß man mich falsch be
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(Fortsetzung )
Eines Morgens, als der arme Romeuf aus Mangel an Beschäftigung oder aus Gewohnheit in dem Tuilerien- Hofe die königliche Garde defiliren sah, glaubte er in der Uniform eines Bataillons-Chefs seinen alten Sergeanten Bonneville zu erkennen, und nach einer aufmerksamen Betrachtung konnte er nicht mehr zweifeln, daß dieser es sey. Ganz in Nachdenken hierüber vertieft begab er sich unwillkürlich nach dem Fahnenposten, wo er sich plötzlich dem Kommandanten gegenüber befand, der wirklich kein Anderer als Bonneville war. Dieser erkannte ihn sogleich wieder, und ihm die Hand reichend sagte er:
„Ei! da ist ja Romeuf, unser alter Sieger von Wagram"!
„Ich selbst, Kommandant", erwiederte der Tambour, nach alter Gewohnheit seine Hand an die Kopfbedeckung legend. „Ich sehe mit Vergnügen", erwiederte er etwas boshaft, „daß Sie ein wenig avancirt sind".
„Bei der Rückkehr Bonaparte'S von der Insel Elba war ich Kommandant königlicher Freiwilliger. Es war natürlich, daß ich mit meinem Grade in die königliche Garde eintral".
„Sieh! Sieh! Sieh"! . . . machte Romeuf in drei verschiedenen Tonarten.
„Ich wünsche nur eins", entgegnete Bonneville, „und ich habe Grund zur Vermuthung , daß der König es mir bewilligen wird; — es ist das Kreuz des heiligen Ludwig".
»An Ihrer Stelle, mein Kommandant, würde ich das kleine Brimborium des kleinen Korporals vorziehen; das ist noch besser".
„Ich glaubte Sie gestorben im Hospital des Oiseaur", lagte Bonneville, um den Gegenstand des Gesprächs zu
richtet hat. Was machen Sie jetzt"?
„Gar nichts, mein Kommandant, ich bin disponibel, seitdem man uns Alle in Gnaden entlassen hat; doch scheint es mir etwas hart, daß ich, nachdem ich fünfzehn Jahre hindurch die Trommel geschlagen habe, nun daS i Pstaster treten soll".
„Sie haben Unrecht daran gethan , Ihre Trommel« $ stöcke an den Nagel zu hängen, mein lieber Romeuf", i sagte Bonneville mit Würde zu ihm.
„Nicht ich, sondern die Verhältnisse sind Schuld daran".
„Haben Sie denn keinen Verwandten, keinen Freund, der in Hoffnung auf bessere Lage Sie etwas unterstützen kann"?
„Niemand, mein Kommandant. Es gibt jetzt keine ; Freundschaft mehr. Was die Verwandten betrifft , ach! i so wissen Sie wohl, daß ich meine Mutter und meinen i Vater nie gekannt habe".
„Meiner Treu! ich wußte das nicht; das ist daS ‘ Erste, was ich davon höre".
„Man wird Ihnen wahrscheinlich im Bataillon nichts * davon gesagt haben".
„Aber Ihre Mutter und Ihr Vater, wer diese nun ; auch waren, mußten doch Verwandte haben. Hörten Sie : niemals davon reden" ?
„Niemals! — Meine Mutter war nur eine einfache ^Marketenderin bei den Dragonern, welche nichts als dis Schönheit des Teufels, wie man sagt, besaß. Und dann, k zu Revourdin, wo ich geboren wurde, während die ES- ; kadron deS Regiments Königliche-Dragoner dorthin de- tachirt war. ..
„Zu Revourdin"! unterbrach Bonneville gleichgültig.
„Ja, mein Kommandant, zu Revourdin, Departement der Rhone. Herrlicher Ort; um eS im Vorbeigehen zu