„Reden wir nicht mehr davon", unterbrach Napoleon. „Jetzt hoffe ich, machst Du Dir etwas mehr aus den Preußen und Russen? . . . waS meinst Du von diesen Letzteren besonders" ?
„Mein Kaiser, ich denke, wie ich stets gedacht! die Preußen, obgleich sie zu uns gehören, haben nie Großes ausgerichtet, und die Russen richten gar nichts auS".
„Es ist wohl wahr, wir haben etwas laufen müssen, um sie zu erreichen ; doch endlich, an der Moskowa, haben sie sich gezeigt" !
„Möglich, mein Kaiser, doch hätten sie besser daran gethan, sich zu verstecken".
„Sire", sagte in bittendem Tone einer der Großoffiziere des Kaisers, der voll Besorgniß den Rauch dicker werden sah, „Ew. Majestät sollte sich eilen . . ."
„Schon gut, mein Herr", unterbrach Napoleon; und sich nochmals zu Romeuf wendend: „Jetzt gehe fort, ich will es".
„Pardon, mein Kaiser, Sie haben das Recht, mich füsiliren zu lassen, Sie haben das Recht, mich zu begnadigen, doch haben Sie nicht das Recht, mich von meinem Posten zu schicken. Dieses Recht hat blos der Korporal Verdure, auf diesen will ich warten".
„Nun, so bleibe"! sagte Napoleon, durch Feuer- brände und überall um ihn stürzende Dächer voranschreitend.
91(6 er auf eine Stelle gelangte, wo nur noch Asche sich fand, sagte er zu dem Fürsten von Wagram, eine Anspielung auf Romeuf machend :
„Die braven Leute! was kann denn ein Land zu fürchten haben, das solche hochherzige Söhne hat"?
Der Korporal Verdure kam endlich und löste Romeuf ab.
„Es ist Zeit, nicht wahr" ? sagte dieser zu ihm.
„In der That, Korporal", erwiederte ihm lächelnd der Tambour, dessen Gesicht geschwärzt und dessen Bart versengt war, „ich fing an, nichts als Feuer zu sehen".
Und Romeuf's Ablösung geschah mit eben so vieler Ruhe, als wenn er in der großen Vorhalle der Tuilerien Wache gestanden hätte.
Die Unglücksfälle, welche die französische Armee von dieser Zeit an trafen, vergrößerten nur den Haß Romeuf's gegen die Russen und Preußen. Man kennt den Rückzug der französischen Truppen durch ein verheertes Land, durch brennende Städte. Bald schleppten sie sich nur noch mit Mühe in diesem unermeßlichen Grabe von Eis voran. Die Verzweiflung führte Unordnung herbei! Kaiser, Generale und Soldaten erduldeten gleiches Elend. Keine Lebensmittel mehr, kein Obdach, keine Ruhe, bis zu dem Augenblicke, wo die Berezina sich wie ein eisiges Leichentuch über einem großen Theile der bisher noch
am Leben Gebliebenen schloß. Doch war die Kraft Frankreichs nicht ganz gebrochen, noch einmal richtete es sich auf.
Niemals wird die Geschichte schönere Waffenthaten zu berichten haben, als der Feldzug des Jahres 1813 darbot. Im Jahre 1814 vertheidigte man den Boden Fuß vor Fuß, doch die feindliche Uebermacht war zu groß. In der Schlacht von Saint -Dizier, die letzte, welche Napoleon den Alliirten lieferte, erreichte die Erbitterung Romeuf's gegen die Preußen den höchsten Gipfel. Der Kaiser, welcher sich den Erfolg des Tages sichern wollte, sprengte vor ein Bataillon der alten Garde und rief:
„Vorwärts, Kinder! Erinnert Euch, daß wir niemals mit den Preußen handgemein geworden, ohne sie zu schlagen"!
„Das ist auch meine Manier, die Sache anzusehen"! erwiederte eine Stimme, welche in den Reihen das Geräusch des Schießens übertönte.
Es war Romeuf's.Stimme. Der Er-Tambour war freudestrahlend, sich noch einmal denen gegenüber zu befinden, die er verabscheute; seine Freude jedoch dauerte nicht lange! Fast in demselben Augenblicke zerschmetterte ihm eine preußische Kugel den Arm. Da er sein Gewehr nicht mehr führen konnte, so war er genöthigt, sich nach dem Lazareth zu begeben. Romeuf gehörte zu ton Wenigen, die man nach Paris zurückführen konnte. Dan! seiner guten Konstitution war er auf vollem Wege zur Genesung, als er einige Tage später, Anfangs April, aus seinem Lager, das er im Hospital des Oiseaur inn! hatte, einen Trommelschlag vernahm, der ihm außergewöhnlich schien.
„Ich kenne dieses Trommeln", sagte er bei sich, vo« seinem Lager aufstehend. „Obgleich es zu unserm Repeo toir gehörte, hat cs doch nie etwas getaugt."
Der alte Soldat spielte auf das preußische Korps des Generals Aork an, welches in dem Feldzuge von 1812 mit den Franzosen gegen die Russen zog.
Und in der That war eS ein preußisches Regiment, welches durch die Barriere Vaugirard seinen Einzug in Paris hielt. Außer sich wartete Nomens, bis die Spitze der Kolonne vor dem Thore des Hospitals anlangte. Dann sprang er auf, eilte an's Fenster und alle Stasi seiner Lunge zusammennehmend schrie er mit donnernder Stimme:
„Es lebe der Kaiser! Die Preußen sind zu flat nichts nütze : das ist des Siegers von Wagram Manier, die Sache anzusehen".
Wie man sieht, hatte der Direktor von Charenton ihn richtig beurtheilt. Der arme Romeuf war nicht völlig geheilt. (Forts, folgt)
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