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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur

Allgem. Zeitung.

1850. .M 238.

O Der Tambour von Wagram.

(Fortsetzung.)

Bei dieser unerwarteten Frage wußte der arme Ro- meuf nicht, waS er antworten sollte.

Der Kaiser zupfte ihn stärker am Ohr, als wenn er eine Antwort verlange.

Nun! ja, mein Kaiser", erwiederte Romeuf endlich mit einem tiefen Seufzer,das ist so meine Manier die Sache anzusehen".

Napoleon, der sich glücklicher Weise in einer guten Geistesstimmung befand, sagte lächelnd:

Indeß haben wir Beide, Du und ich, mehr als einmal die Preußen und die Ruffen geschlagen, und wir wissen, was eS kostet".

Diese Worte, in scherzhaftem Tone ausgesprochen, beruhigten den Tambour gänzlich, der ohne weitere Furcht antwortete:

Nicht viel, mein Kaiser, da diese Leute nicht sind wie wir".

Wenn wir aber nur schlechte Soldaten geschlagen haben, wo ist dann der Ruhm?"

Der Ruhm.. .? das ist etwas Anderes mein Kai­ser, bei denen bleibt immer etwas übrig, doch ist das für Sie allein".

Dann will ich die Russen für gute und tapfere Soldaten erklären."

Wenn es Ihre Manier ist, die Sache so anzusehen, so habe ich nichts dagegen; doch . .."

Was, nochmals" ? unterbrach Napoleon.

... ist es nicht die meinige".

Parbleu"! rief Napoleon, sich zu Michelin wen-> bend,das ist ein recht eigensinniger Narr I Es ist wohl j seit zehn Jahren das erste Mal, daß ein Soldat in mei­

ner Gegenwart eine andere Meinung als ich zu haben wagt. Na, Deine Insubordination gegen Deinen Vor­gesetzten ist vergessen, doch nur unter der Bedingung, daß, wenn Du Dich jemals den Russen oder Preußen gegenüber befindest, Du dieselbe Meinung hafi wie heute und Dich nicht mehr schrecken läßt".

Mein Kaiser, ich habe niemals meine Meinungin dieser Hinsicht geändert. Wann wollen Sie, daß man mich erschieße"?

Dich erschießen"! sagte Napoleon erstaunt;wo­zu denn"?

Er wandte sich an den General mit den Worten:

Er hat mich nicht verstanden".

Ja freilich", entgegnete Romeuf mit demselben Flegma,das würde Niemandem nützen, nicht einmal den Preußen; ich will mich lieber für Sie, mein Kaiser, todten lassen, das kann für Sie nützlicher und für mich schmeichelhafter sein".

Ich glaube es", sagte Napoleon lächelnd;doch vergiß nicht, daß ich im Wiederholungsfälle unerbittlich sein werde; dann lasse ich Dir ein paar Loth Blei in den Schädel jagen, um ihn leichter zu machen . . ."

Mein Kaiser, Sie haben stets das Recht dazu, wenn es so Ihre Manier ist, die Sache anzusehen".

Ja, das ist meine Manier, die Sache anzusehen", entgegnete Nopoleon.Jetzt kehre zu Deiner Kompagnie zurück, und lasse mich weiter nichts mehr von Dir hö­ren . . . als Gutes", setzte er hinzu.

Romeuf verließ St. Cloud und kehrte in einem Lau­fen nach der Militärschule zurück.

Kaum erfuhr Bonneville diè Ankunft Romeuf's in der Militärschule, als er den Tambour 'm seiner Stube aufsuchte und dort in Gegenwart von mehreren seiner Kameraden zu ihm sagte: