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Der Wanderer.

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Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.

1850. â S37

Q Der Tambour von Wagram.

(Fortsetzung.)

Es handelt sich nur um einen Streit, der in dem Wachtzimmer des kleinen Postens am Fabrikgebäude statlge- funden. Der Tambour Romeuf, für den ich bitte. . ."

Romeuf! sagen Sie" ?

Ja, Sir; der Tambour Romeuf ist es, für den ich die Ehre habe, daS Erbarmen Ew. Majestät anzu­flehen"!

Parbleu! vor noch nicht vierzehn Tagen habe ich dies Original zum ersten Male gesehen, er ist ein Rai- sonneur und ein Ehrgeiziger dazu. DaS entlockt Ihnen ein Lächeln, Herr General".

Vergebung, Sire; Romeuf ist ehrgeizig, ja; doch ist er es auf seine Manier, und dann hat er eine solche Antipathie gegen Alles, was nicht mit Leib und Seele der Person Ew. Majestät gehört, eS ist Alles, wenn er zugibt, daß ein Russe oder ein Preuße zur menschlichen Gattung gehört".

Ei! Ei!" machte Napoleon, dessen Stirne sich etwas aufgeheilert hatte, dieser Narr muß zuweilen eigenthüm- liche Ideen haben. Und Sie sagen . . ."

Daß der Sergeant zuerst Unrecht gehabt, das ist positiv; er hat ohne jeden Anlaß . . ."

Der Namen dieses Sergeanten"?

Bonneville, Sire, von der 2. Kompagnie des ersten Bataillons meiner Jäger, ein Neuer".

Ja, ich weiß, nicht dekorirt. Ich habe ihn neulich zur Ordnung gewiesen, gerade als ich vor dem Fabrik- Posten vorbeiging". Genug, General, schreiben Sie dem Kommandant in meinem Namen, die Exekution aufzu­schieben. Ihr Tambour soll bis auf Weiteres in Haft bleiben, später werden wir sehen. Ich will etwas für einen Mann thun, dem ich die Erhaltung eines Offiziers

von Ihrem Verdienste verdanke, mein lieber General; ich wäre auch nicht böse, ihn später wieder zu sehen, wenn die Gelegenheit sich darböte; ich habe meine Gründe dazu. Wo ist er?"

In der Abtei, Sire".

Bringen Sie ihn morgen zu mir. Ich will dem Herrn begreiflich machen. .."

Romeuf, Sire"?

Ja, Romeuf. Hier General, nehmen Sie diese Ordre, damit die Sachen ihren regelmäßigen Verlauf haben".

Napoleon schrieb einige Worte auf ein Papier, gab es dem General, und entließ ihn dann mit ganz beson- derm Wohlwollen.

VI.

Jeder hat seine Manier, dieSache anzusehen.

Am folgenden Morgen begab sich der General Miche­lin, der sich beeilt hatte, die auf Sistirung des Urtheils lautende Ordre noch den Abend vorher an ihre Bestim­mung gelangen zu lassen, nach der Abtei zu dem Direktor des Gefängnisses, der ihn alsbald zu dem Gemache Ro- meuf'S führte.

Beim Anblicke seines Obersten in großer Uniform, beim Erblicken dessen, der ihn hatte verurtheilen müssen, vergrößerten sich die Augen des Tambours ans erschreckende Weise; ein krampfhaftes Zucken bewegte seine Züge, doch rührte er sich nicht; er schien an seinen Platz gefesselt.

Als er am Abende vorher die Stunde herankommeu sah, die zu seiner Abführung in die Ebene von GrenelleS bestimmt war, war er etwas heftig auf und ab gegangen; da jedoch die Zeit verfloß, ohne daß Etwas Weiteres er­folgte, so hatte sich allmählich seine Aufregung gelegt, und er war eingeschlafen, doch nicht, ohne mehrmals zu träumen, er werde erschossen. Als er am Morgen erwachte,