Der Wanderer.
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Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.
1850. — 3£ SS9.
O Der Tambour von Wagram. .
Historische Novelle nach Saint-Hilaire. |
I.
Der kleine Fabrikposten.
Zur Zeit des Direktoriums standen auf dem Wege, welcher von Saint-Cloud nach Sevres führt, fast in dem Winkel der Straße, die nach dem Dorfe Bellevue sich hWeht, zwei große Gebäude. DaS erste ging auf einen viereckigen Hof, nach der Höhe von Bellevue hin. Das zweite war gegen die Chaussee von SevreS und gegen eins der Thore deS Parks von Saint-Cloud gekehrt, der damals einem jungfräulichen Walde glich. Dieses letztere, welches nur zwei Stockwerke hatte, diente vor 50 Jahren den Gebrüdern Seguin als Magazin, um dort das Kupfer zu lagern, welches sie auf der Seine-Insel verarbei, ten ließen, und dann an die Lieferanten der Republik zur Ausrüstung der 14 Armeen verkauften, welche diese auf Kosten des Auslandes unterhielt.
Als Bonaparte Konsul ward und Saint-Cloud zur Sommer-Residenz wählte, richtete man den Blick auf diese zwei Gebäude, um einen Wachtposten für Kavallerie und Infanterie daraus zu machen. Der Ankauf war bald geschehen, man stellte die Gebäude möglichst wieder her, und vom Jahre 1802 an bezog ein Piket Guiben oder Grenadiere zu Pferde daS größere derselben, während ein Posten Grenadiere oder Jäger zu Fuß daS andere besetzte. Da dieser Ort sich einen Flintenschuß von der Fabrik von Sevres befand, so erhielt er den Namen „der Heine Fabrikposten", der bis zum Jahre 1815 blieb , jener unseligen Zeit, wo BlücherS Preußen dort se viel Unheil anrichteten, daß die Zivilliste Ludwigs XVIII. nicht für gut fand, den Schaden wieder herzustellen. Das Gebäude blieb verlassen und leer, wie man eS noch Heute sieht.
Zur Zeit des Konsulates und des Kaiserreiches war dieser Wachtposten weit davon entfernt, jenen holländischen Wachtposten zu gleichen, welche Wouvermans und Van der Meulen so herrlich auf ihrer Leinwand darge- stcllt haben. Vier beschmutzte Mauern, welche mit Devi- sen und Figuren, die man mit Kohlen darauf gezeichnet, bedeckt waren, ein alteS Waffcugestell, ein wackliger Tisch, zwei weiße hölzerne Bänke und ein alter Kirchenstuhl für den Chef deS Postens, bildeten daS Meublement dieses eingerüucherten Aufenthaltes, der eher für eine Diebesbande als für brave Soldaten paßte.
Am Ende deS Hofes, der auf dieser Seite nur durch eine Bretterwand von den Gärten der Fabrik getrennt war, befand sich noch ein Springbrunnen, und einige Schritte, davon ein Arrestlokal unter dem Namen Vio, lon, welches dazu bestimmt war, einen betrunkenen oder wiederspenstigen Reiter oder Infanteristen aufzunehmen, was indeß in den Regimentern der Garde so selten vorkam, daß seit der Einführung dieses Postens daS Vio- lon noch von Niemand bewohnt worden; man wollte sogar behaupten, der Schlüssel zu demselben sei niemals vorhanden gewesen.
Das Kavallerie-Piket, daß sich in dem Hauptgebäude befand, bestand aus dreißig Mann unter dem Befehle eines Offiziers. Die Pferde waren stets gefaltet und gezäumt; sie kamen nur aus den ausdrücklichen Befehl deS dienstthuenden Adjutanten heraus, und dann nur zum Eskortendienst, man stellte nicht einmal eine Schildwache an die Thüre des Stalles. Was daS Jnsanterie- Piket anlangte, so ward es jeden Tag von dem Dienst- Bataillon zu Saint-Cloud gestellt, und bestand aus zwölf Mann mit einem Sergeanten und einem Korporal, denen man einen Tambour beigab.
An einem heißen Julitage 1806 hatte der Sergeant Bonneville, von der zweiten Kompagnie 1. Bataillons