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Der Wanderer.
Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung
1850. — M 225.
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Madame Laure.
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(Fortsetzung.)
Bei dem Anblicke der Königin und der Frcige, die ße sogleich that, erblaßte der junge Mann und fühlte, daß et zitterte.
Mit schwacher, Bestürzung verrathender Stimme (sammelte er: „Ew. Majestät, Madame Laure ist eine Dame in Paris, welche die Ehre hat, der Königin von Frankreich, sowohl in Beziehung auf ihre Schönheit als ihr würdevolles Betragen, zu gleichen."
Christinens Auge, das vorher blitzend und fest auf ihn gerichtet gewesen, wurde jetzt trübe und unentschieden. »Mein Herr Graf v. Harcourt," sagte sie, indem sie sich in die Lippen biß, „dieß ist eine französische Artigkeit, Wofür sich die Königin von Schweden Ihnen erkenntlich »weisen wird." Nach diesen Worten und nachdem sie noch die niedliche Gefährtin des jungen Mannes unmerkbar mit den^Augen gemessen hatte, ging die Königin majestätischen Schrittes zu ihrem Gefolge zurück, das feit* wârts sie erwartete.
„Die Königin hat mit dem Franzosen gesprochen," fegte Einer dem Andern; „das Glück dieses jungen Mannes ist gemacht, und unsere Elisabeth hat einen Liebling gefunden."
Ich bin verloren! dachte im nämlichen Augenblick Harcourt, mischte sich unter den dichtesten Haufen, nahm bon seiner Gefährtin Abschied und verließ den Ball.
Unterdessen hatte Christine sich von ihrem Gefolge befreit, und den französischen Gesandten bei Seite ge# jagen.
„Exzellenz," redete sie ihn mit leiser Stimme an, „ich wünsche, daß Sie mir unter dem Siegel des Geheimnisses k>ne Gefälligkeit erweisen möchten."
„Haben Ew. Majestät die Gnade zu befehlen," er# i wiederle ehrfurchtsvoll der alte Diplomat; „alle meine * Kräfte stehen zu Ihren Diensten."
I Lachend unterbrach ihn die Königin: „Ach, hier han« I delt eS sich um nichts, waS eigentlich Ihres Einflusses bedürfte, es ist nur eine ganz geringfügige Kleinigkeit: eine einfache Auskunft, die nur Sie allein mir zu geben vermögen. Wer ist die Dame in Paris, die unter dem Namen „Madame Laure" bekannt ist?"
Der Gesandte war höchlich überrascht, mit weitgeöffneten Augen blickte er an die Decke. „Madame Laure?" erwiederte er, „Madame Lanre —?"
„Nun ja, Madame Laure!" fiel die Königin ungeduldig ein. „Kennen Ew. Erzellenz diese Dame nicht?"
„Ew. Majestät, ich hörte heute zum erstenmal in meinem Leben diesen Namen l" erwiederte entschuldigend der Gesandte mit einer tiefen Verbeugung.
Die Königin von Schweden stampfte mit dem Fuße, schlug heftig ihren Fächer auf und zu, und nachdem sie eine beleidigende Anspielung über die Ohren deS Unwissenden zwischen den Zähnen gemurmelt hatte, sagte sie mit dem Lächeln einer Herrscherin: „Wahrlich, mein Herr Gesandter, die Gefälligkeit, die ich von Ihnen begehrte, scheint Ihnen ungleich mehr Mühe zu verursachen, als ich ahnte. Sie werden noch heute Nacht einen außerordentlichen Kurier nach Paris senden müssen, der unS unverzüglich die genauesten Nachrichten über die Madame Laure verschafft."
„Ew. Majestät Befehl soll pünktlich befolgt werden!" antwortete der Staatsmann, den die Königin nicht verließ, ohne ihm nochmals daS tiefste Schweigen zur Pflicht gemacht zu haben.
Während der GesandtschaftS-Kurier seiner wichtigen Sendung sich unterzieht, wollen wir eiligst den Zusammenhang dieser Sache erörtern.