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Der Wanderer.

Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.

1850. S17

Frau von Brabantane.

Lovelle von Alfred d e Menciaux.

(Fortsetzung.)

Bei diesen Worten erhob Frau von Brabantane die äugen, die schon wieder thrânenloS waren, und ohne Verachtung, ohne Zorn sah sie Heinrich fest in's Gesicht, wie wenn sie bis in'S Innerste seiner Gedanken hatte dringen wollen. WaS in ihrer Seele vorging, ist leicht st sagen. Ein schrecklicher Zweifel regte sie auf. War du Herzog wirklich der Schlechtigkeit fähig, deren ihn der Traf anklagte? Sein Ankläger schien seiner Sache gewiß I» sein, aber Heinrich scheute ja nicht, ihr vor die Augen st steten.

»Ich danke mein Herr", sagte sie mit einer Art Er, ^nnllichkeit und Freude.Ich war davon überzeugt; der Traf Montbryon ist ein niederer Verleumder; nicht wahr, Hrinrich, Sie lieben mich? Ihre Liebe war kein grausa, °W Spiel, keine rohe Komödie" ?

»Ob ich Sie liebe"! sagte Lairville mit tiefer Bewe, Sung,ob ich Sie liebe! Oh mein Gott!

»Gut, sehr gut. Schweigen Sie jetzt, ich habe Sie eschen , ich bin von Ihrer Unschuld überzeugt. Aber bin thöricht, Sie werden mich nicht verstehen, Sie 'önnen sich nicht denken, waS mich anwandelt. Sie lie, dm mich, Heinrich, nicht wahr? Sie kommen, es mir st versichern, Sie geben mir Muth gegen eine Welt, die M verstoßen wird; ich bin stark, Sie lieben mich"!

Jedes dieser Worte traf in daS Herz deS jungen Mannes wie ein Dolchstich. Seine Lage war entsetzlich.

einem Worte mußte er die letzte Hoffnung zerreißen, st der sich Frau von Brabantane auszurichten schien, stnte sie noch an seine Liebe glauben, wenn sie hörte, 15 er in einem Anfall von Eitelkeit daS Geheimniß und le Ehre einer Frau sPreiS gegeben hatte? Konnte die

augenblickliche Verirrung feine- Bewußtseins eine Ent, schuldigung sein? Einen Augenblick wollte er seinen un# freiwilligen Antheil an den Ränken deS Grafen läugnen; aber die Offenheit seines Charakters hielt ihn da, von zurück; eine erlistete Verzeihung widerstand seinem Herzen.

Hören Sie, Heinrich", fuhr Frau von Brabantane fort,ich will Ihnen Alles sagen. DaS soll die Strafe für meine thörichte Leichtgläubigkeit sein. Zwischen unser Glück drängt sich etwas Schicksalvolles. Morgen bin ich vielleicht eine Frau, auf die man mit Fingern zeigt, viel­leicht eine Verachtete! Durch Ihre Liebe stark, hätte ich Alles ertragen, aber der Mann, der mich unglücklich macht auS Rache für seine beleidigte Eitelkeit, dieser Mann weiß die empfindliche Stelle zu treffen. Er wagte eS, mir zu sagen, Sie hatten ihm meinen Brief gegeben; Ihre Liebe sei nur ein zwischen Ihnen und Ihren Freun, den beabsichtigtes Spiel; Sie waren, ohne es zu wissen, nur ein Werkzeug seiner Rache gewesen, mit dem er nach Belieben geschaltet habe. Können Sie sich vorstellen, Heinrich, daß ich dieser Abscheulichkeit einen Augenblick Glauben schenkte? Aber Sie find hier, ich sehe Sie, und glaube Nichts mehr davon"!

Marie"!

Nein, nein, rechtfertigen Sie sich nicht, ist nicht nöthig, mein Freund. Ich wiederhole Ihnen, daß ich Nichts mehr davon glaube. Der Graf hat diesen Brief entwendet, es ist klar, und alles Uebrige ist ein Gewebe der abscheulichsten Lügen".

Es trat ein Augenblick deS Stillschweigens ein.

Und wenn der Graf die Wahrheit gesagt hätte" ? antwortete der Herzog mit schwacher Stimme und ver­barg sein Gesicht in beiden Händen.

Gerechter Himmel"! schrie die junge Frau,Sie liebten mich also nicht"?