mit feinem Flannell gefüttert, und dann mit Gemscnle- leder, weiches die Wärme eingeschlossen hält und die Verdunstung hindert. Die Oberkleidung besteht ganz aus Pelzen, auf dem Kopfe trägt jeder eine helmartige Pelzkappe, an welcher eine aus Wollengarn gestrickte, inwendig mit Seide gefütterte Maske hängt; sie schützt daS ganze Gesicht, nur die Augen sind frei, und über der Nase sind Seide und Wolle von doppelter Dicke. Daß Pelz- andschuhe nicht fehlen, versteht sich von selbst.
An Vorrächen und Lebensmittel herrscht Ueberfluß, die „Resolute" wird bis in eine hohe Breite überdieß von einem Transportschiffe begleitet. Neu sind die eingemachten Kartoffeln; sie sehen aus wie grobes Pulver oder Mehl; gießt man heißes Wasser darauf, so erhält man binnen wenigen Minuten einen wohlschmeckenden Kartoffelbrei. , Zum Dienste haben sich wenigstens viermal so viel Matrosen gemeldet, als man annehmen konnte; man ist in der Auswahl so sorgfältig zu Werke gegangen, daß man nur die kräftigsten und gesundesten zum Dienste ließ; sonst ganz tüchtige Leute, 'wenn sie auch nur eine alte Narbe und Schramme an sich hatten, wurden abgewiesen, weil das nordische Klima auf alte Schäden sehr uachtheilig wirkt. Bekanntlich hat jedes zur Aufsuchung Franklins aussegelnde Boot auch Luftballons an Bord, und auch eine Reise-Bibliothek fehlt nicht, damit die Leute während des langen Polar- winlerS neben der leiblichen Speise auch geistigen Genuß haben.
Einige preußische Flüchtlinge, nämlich die HH. KrI Marr und Friedrich Engels, ehemaliche Redakteure derNeucRheini- schen Zeitung, und August Willich, „Oberst in der wischen Jusurreklionsarmee", haben im Spektator ein Schrein veröffentlicht, worin sie darüber Beschwerde führen, daß Pizßische Spione, angeblich Mitglieder des Treubundes und Stzlinge der preußischen Gesandtschaft, schon 14 Tage vor dem Seloge'- schen Attentat sich an sie gemacht und sie zur Theilnahe an einer Verschwörung, deren Zweck die Ermordung des Hugs von Preußen gewesen, zu bewegen gesucht hätten. Sie sau in ihrem Schreiben unter Andern: ziemlich selbstgefällig : „Wc wir bewundern, ist nicht die von der preußischen Geiandtschasuus geschenkte Aufmerksamkeit, wir sind stolz darauf, sie verbiet zu haben, sondern das herzliche Einverständniß, welches, soweiwir betroffen sind, "zwischen preußischen Spionen und englischeiAn- gkbern zu herrschen scheint". Der Spektator begleitetes Schreiben der drei Herren mit folgenden Worten: „Diesellrt Leute lassen sich in solchen Dingen leicht Irrthümer zu Scheren kommen, Irrthümer, welche aus zwei Quellen herrühren, thut aus Eitelkeit, die sie verleitet, sich für bedeutender zu halten.ls sie sind, sodann ein anderes Gefühl, worauf der tiefste Kerer der menschlichen Natur in den Worten anspielt:
Mistraun verläßt des Schuldigen Seele nie, In jedem Busch argwohnt der' Dieb den Häscher.
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Das in London zum Zwecke der allgemeinen Gewerbcaw stellung zu errichtende Gebäude soll eine Länge von 2300 FH und eine Breite von mehr als 400 Fuß haben, Es wird eins Flächenraum von ungefähr 900,000 Quadratfuß, d. h. mehr al 20 Acres bedecken. Das Dach, wo es am niedrigsten ist, wir 24 Fuß hoch seyn; der Mittelraum des Gebäudes wird ein Höhe von 50 Fuß erreichen.
Miszellen.
Leipzig, 25. Juni. Endlich ist denn die langerwartete „Genoveva", Oper in vier Akten nach Tieck und Hebbel von Robert Schumann, aus unserer Bühne zum ersten male gegeben worden und hat einen vollständigen, glänzenden Erfolg gehabt. Es ist vielleicht noch niemals ein so'ausgewähltes Publikum im Leipziger Theater versammelt gewesen wie heute; wer nur irgend ein Kenner und Freund der Musik war, hatte sich eingesunden , während der große Hause draußen geblieben war in der Hoffnung, das Werk bald in einer wohlfeilen Aktienvorstellung wiederholt zu sehen. Viele Gäste waren von nah und fern gekommen und man erblickte eine ziemliche Anzahl Koryphäen der Tonkunst unter denselben. Die „Genoveva" ist ein großartiges Werk; Schumann ist mit derselben aus die ehrenvollste Weise in die Reihe unserer größten dramatischen Komponisten getreten und hat die vielseitige Begabung seines Genius aufs neue dargethan. Er dirigirte selbst. Schon nach der uns aus den Gewandhauskonzerten bekannten Ouvertüre ward der Meister mit Beifall überschüttet, der von Akt zu Akt sich wiederholte und steigerte bis zum Schluffe, nach welchem zuerst Schumann, dann j die Hauptdarsteller hervorgerufen und enthusiastisch begrüßt wurden.
K u n st n o t i z.
* Wiesbaden, 29. -Juni. Wie wir hören, ist cs den Bemühungen der hiesigen Theaterdireklion gelungen, den Admiral Tom Ponce (den bekannten Lieblingszwerg der Königin Viktoria) in Begleitung einer französischen Gesellschaft für zwei Vorstellungen auf der hiesigen Bühne zu gewinnen. Wir behalten uns vor, über diesen merkwürdigen Miniatur - Schauspieler, für welchen mehrere Stücke von französischen Autoren eigens geschrieben wurden, Näheres mitzutheilen.
Verantwortlicher Redakteur: W H. Riehl.
Theater zu Wiesbaden.
Sonntag, den 30. Juni. Der Berschwender, Original- Zaubermärchen in 3 Aufzügen von Ferdinand Raimund. Musik von Conradin Kreuzer.
Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbad en.