Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

Der Wanderer.

----« »

Beiblatt zur

gem. Zeitung

1850. Ns 147

2X Der Letzte der Uberti.

Nach Calonne erzählt von August Marckhoff.

(Schluß.)

Teresina schien einen Augenblick nachzudenken, dann erwiederte sie mit sanfterm Tone:

Sie leben wohl unglücklich hier"?

Ich besitze mehr, als zu meinem Unterhalte nöthig ist".

Wenn man Ihnen indeß ein hübsches Gut in der Provinz anböte"?

Madame", unterbrach Matteo trocken,ich habe Ihnen bereits bemerkt, daß ich Alfred Alles enthüllen werde; ich füge nur noch hinzu, daß, wenn Sie bis mor- gen Abend Paris nicht verlassen haben, ich zu Herrn von Vaucel gehe, und ihm sage:Die Frau, welche Sie lieben und heirathen wollen, ist die Meinige; diese Sig­nora Rivera ist die Signora Uberto, die Primadonna von Neapel, die treulose Gattin von Mailand, die Ge­liebte des £eyn von Courval, die Courtisane von Bela; wollen Sie ihr nun noch einen neuen Titel geben und sie Frau v. Vaucel nennen"?

Teresina hatte sich erhoben, bleich vor Wuth und Zorn, ihr Auge funkelte, ihre Lippen zitterten, ihre krampfhaft bebende Hand griff in den Busen ihres Kleides.

Genug! Genug"! rief sie mit fieberhaftem Tone; Du Feigling! Deine Nichtswürdigkeiten sind vergebens und Deine Drohungen werden kraftlos bleiben. Ich werde Dir nicht die Zeit lassen, Deine Pläne auSzuführen"!

Ich weiß, Teresina, wessen eine Frau wie Sie fähig ist, glauben Sie mir das; ich lese in Ihren in­nersten Gedanken wie in einem offenem Buche, doch werde ich meine Maßregeln zu ergreifen wissen. Sobald Sie meine Schwelle überschritten haben, werde ich aus wichtigen Papieren und einem erklärenden Briefe ein

Packet mit der Adresse deS Herrn von Vaucel machen; dies Packet vertraue ich sicheren Händen an mit dem Auftrage, alSbald an seine Bestimmung gelangen zu lassen, wenn mir etwas zustoßen sollte . . . waS ich möglichst zu verhindern suchen werde".

;,Sie werden daö nicht thun, Matteo", sagte Tere- fina ängstlich.

Sie wissen, ich halte mein Wort; damit Ihnen übrigens kein Zweifel mehr bleibe, so seyen Sie selbst Zeuge der Ausführung meines Vorhabens".

Bei diesen Worten nahm Maiteo von seiner Uhrkette einen kleinen Schlüssel, womit er einen kleinen eisernen Koffer öffnete, aus dem er mehrere Papiere nahm.

DaS sind alle Schriften, welche unsere Heirath, die Ihnen gemachten Schenkungen, so wie die Identität der Teresina Gracellini mit der Signora Contessa Uberto konstatiren werden. Dazu füge ich die schriftliche Erzäh, lung einer langen Geschichte, die Herr von Vaucel be­reits aus meinem Munde gehört hat, sowie einen Brief, den ich jetzt schreiben werde".

Matteo setzte sich an einen kleinen Schreibtisch, um pünktlich auSzuführen, was er verheißen.

Teresina, welche immer noch aufrecht da stand, bleich mit verzerrten Zügen, glich einer Furie, die ihre Rache zu Nichte werden sieht. Doch plötzlich erhob sie ihr Haupt; ihr Auge blitzte, sie stürzte sich auf Matteo, und ihn kräftig an der Schulter erfassend, warf sie ihn rück­wärts nieder und rief:

Du hast es gewollt, Matteo"! . . .

Matteo sieht den Stahl eines Dolchs blicken, aber der Stoß ist schneller als der Gedanke. Er stößt einen Schrei aus und fällt röchelnd zu Boden. Die feine Klinge halte sein Herz getroffen.

Teresina stößt ihr Opfer mit dem Fuße bei Seite, und die aus dem Tische zerstreuten Papiere ergreifend