Der Wanderer.
Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung
1850. — Ns 145.
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△ Der Letzte der Uberti.
Nach Ealonnt erzählt von August Marckhoff.
(Fortsetzung.)
XII.
Berathung in der Loge.
Nach seinem Diner begab sich Matteo nach seiner Wohnung, alS eine schwarz gekleidete und tief verschleierte Frau ihre Hand auf seinen Arm legte und ihm zuflüsterte :
„Ich bin eS; ich erwarte Sie".
„Ich glaubte nicht, Madame, daß Sie so bald kommen würden. UebrigenS ist es mir sehr lieb, daß ich Sie treffe, um Ihnen den Weg zeigen zu können, da Sie ihn vielleicht nicht in diesen dunkeln Gängen gefunden hätten".
Matteo ließ den Thürklopfer ertönen und Beide traten ein. Völlige Dunkelheit herrschte im Hause. Die verschleierte Dame benutzte sie, um sich bis zur Treppe zu schleichen, ohne von der Schließerin gesehen zu wer- den, denn die Loge war voll Leute, und der weibliche Nath, dem wir beim Anfang dieser Erzählung beigewohnt, schien wieder Sitzung zu halten.
Malteo öffnete vorsichtig die Thüre der Loge; die Weiber schwiegen und betrachteten ihn mit mehr Aufmerksamkeit, als gewöhnlich: die Schließerin reichte ihm sein Licht mit einer Geberde voll Verachtung und mit vielsagendem Lächeln, aber Matteo achtete nicht darauf. Er nahm sein Licht, und allen Gevatterinnen höflich gute Nacht wünschend eilte er zur Signora, die bereits zwei Treppen hinaufgestiegen war.
Wir wollen einen Augenblick unsere beiden Personen verlassen, um uns zu der bei der Schließerin befindlichen Gesellschaft zu begeben.
„Nun, sagte Frau Chopinet, was hat denn der Hausbesitzer gesagt"?
„Wir sollen ihn gleich benachrichtigen, sobald unser Mann zurückgekehrt", erwiederte die Schließerin.
„Und dann"?
„Dann will er mit einem Polizeikommiffär kommen".
In diesem Augenblicke ertönte der Thürklopfer.
Die Schließerin hielt ihre Lampe an das Fenster ihrer Thüre und sah einen großen Mann eintreten, den sie alsbald erkannte.
„Schön", sagte sie, „da ist ja der Eigenthümer, ich brauche ihn nun nicht zu rufen".
Dann öffnete sie die Thüre ihrer Loge, und sich an den Neuangekommenen wendend sagte sie:
„Guten Abend, Herr Quitanceau, ich wollte gerade meinen Shawl umnehmen, um Sie zu rufen".
„Der Miether im fünften Stock ist also zurückgekehrt" ? fragte der große Mann.
„Ja, vor einer Viertelstunde".
„Er ahnt doch nichts, nicht wahr? und diese Damen. .."
„Oh! Herr Quitanceau, Sie wissen doch, daß wir die Verschwiegenheit selber sind".
„Gut denn; sehen Sie darauf, daß Niemand hinausgeht, ich will den Kommissär holen, der mich erwartet".
„Wissen Sie wohl, daß Herr Quitanceau für sein Alter ein noch sehr schöner Mann ist", sagte die Jüngste der vier Damen, nachdem der Kommissär fort war.
„Sie beschäftigen sich stets nur mit dem männlichen Geschlechte; kann man denn bei so kritischen Umständen an solche Erbärmlichkeiten denken"?
„Ja freilich! wenn man in Ihrem Alter iß".
„Meine Kleine", unterbrach Frau Chopinet mit ausdrucksvoller Geberde, „ich rathe Dir, Deinen Schnabel zu halten, wenn Du nicht willst, daß Dir etwas pafsire".