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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung

1850. 140.

Der Letzte der Uberti

Nach Calonne erzählt von August Marckhoff.

sFortsetzung.)

IX.

Ein Rückblick.

Alfred ergriff Signor Uberti'S Hand und sie bewegt in der seinigen drückend, sagte er:

Ich begreife Ihre Leiden, ich verstehe sie um so viel mehr, da ich selbst in demselben Maße liebe, wie Sie ge- liebt haben, leivenschaftlich und mit gänzlicher Hingebung. Doch bin ich glücklicher als Sie, denn Diejenige, welche ich liebe, ist meiner Liebe werth und ihre Zärtlichkeit für mich hat keine Gränzen.

,,Gott gebe, Alfred, daß Sie sich nicht täuschen".

Sie hat mir so viele Beweise ihrer Liebe gegeben"!

DaS war auch der Fall bei Teresina und doch ... ach! verzeihen Sie meine Zweifel! sie kommen aus einer so tief verletzten Seele! Daß Sie geliebt werden, Dessen bin ich gewiß, denn Sie sind dessen vollkommen werth, auch ist eS nicht möglich, daß eS noch eine zweite Teresina auf der Welt gibt".

Der Gedanke, daß Frau von Rivera mich täuschen könnte, daß sie eines TageS aufhören könnte, mich zu lieben, ist so peinlich für mich, daß ich nicht einmal da­bei verweilen mag; wenn mich dieses Unglück träfe, so würde eS mich tövten".

Frau von Rivera sagen Sie" ?

Habe ich Ihnen noch nie diesen Namen genannt"?

Nein, Niemals".

Ich wollte das Geheimniß! bis zu dem Tage be­wahren, wo sie mir ihre Hand geben würde; doch Ihnen, mein Freund, kann ich sie wohl nennen. Kennen Sie dieselbe vielleicht" ?

Nein, den Namen aber habe ich schon irgendwo gehört".

Das ist leicht zu erklären. Sie ist aus Florenz".

Aus Florenz"! versetzte Uberti, wobei er sich ver, geblich auf etwas zu besinnen suchte.Hören Sie, mein Freund, fuhr er nach kurzem Schweigen fort, Sie wollen mich durchaus dieser Dame vorstellen, doch muß ich Ihnen vorher sagen, daß ich nichts Gutes von dieser Vorstellung ahne; ich glaube, ich werde in ihr eine von den Damen wiederfinden, die ich zu jener Zeit in den Salons von Neapel oder Mailand angetroffen habe, und die einen Herrn aus Florenz geheiralhet haben wird, auf den ich mich nicht gleich besinne. Sie sehen nun wohl das Peinliche ein, was ein solches Wiederfinden für mich haben würde".

DaS sehe ich sehr wohl ein, und mache Ihnen daher einen Vorschlag: bevor Sie zu ihr gehen, kommen Sie zu mir. Ich besitze ein Portrait von ihr, das ihr voll­kommen ähnlich ist; erkennen Sie nun darin eine Per­son, deren Begegnung Ihnen unangenehm seyn würde, so bestehe ich nicht länger darauf; wenn dagegen daS Gesicht Ihnen unbekannt ist, so will ich Sie unter er­borgtem Namen vorstellen".

Diese Bedingungen nehme ich an".

Alfred von Naucel forderte die Rechnung für das Frühstück, bezahlt und stieg mit Uberto in den Wagen, um nach seiner Wohnung in der Straße Marboeuf zu fahren.

Unterdeß wollen wir den Leser in einigen Worten belehren, woher die Freundschaft Juliens mit Signor Matteo rührte.

* *

*

Vor der Februar-Revolution war Herr von Vaucel Adjutant des Herzogs von Nemours. Er hatte den Prinzen im Kollege Henri IX. kennen gelernt, und ob­gleich er zu einer Familie gehörte, deren Treue gegen die Prinzipien der Legitimität nicht verdächtig war, glaubte er doch nicht nach dem Jahre 1830 rein Person-