Der Wanderer.
Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem.
1850. — ^F 137.
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△ Der Letzte der Uberti.
Nach Calonne erzählt von August Marckhoff.
(Fortsetzung.)
VIL
Ein Duell am MeereSufer.
Herr von Courval erhielt seine Waffen zurück und begab sich mit unS auf unser Schiff hinüber.
Teresina blieb auf der andern Felucke zurück.
Als sie von dem Vertrauten Manelti's erfuhr, waS geschehen, brach sie in Wehklagen aus und verlangte mich zu sehen.
Ich weigerte mich hartnäckig, wieviel es mich auch kostete, das Verlangen zu besiegen, das ich selbst danach hatte.
Am folgenden Tage zeigten sich gegen Osten die Gipfel des Kaukasus. Ich stand mit Castello auf dem Verdeck. Plötzlich sahen wir »Herrn von Courval und Manetti auf uns zukommen. Der Marquis, der frei umhergehen konnte, hatte sein Gemach nicht verlassen, seitdem er unser Gefangener war.
„Noch einige Stunden", sagte Manetti, „und wir sind am Ziele. Sehen Sie dort unten den weißen Punkt, der mitten auS den grünen Massen hervorschimmert? Dort ist meine Wohnung. Rechts daran am MeereSufer liegt Bela. Sie können bereits den Felsen unterscheiden, der diesen kleinen Hafen umschließt und den verdächtigen Barken vor den russischen und türkischen Kugeln Schutz verleiht. Zur Rechten, Herr von Courval, bemerken Sie auf der Spitze eines Felsenkegels einen kaum wahrnehmbaren weißen Punkt; betrachten Sie ihn wohl, denn er ist Ihr Werk; Sie haben ihn dort gesetzt. Er bezeichnet die letzte Ruhestätte Beatricen's."
Unterdeß waren wir an die Küste gelangt. Am folgenden Morgen, bevor die Sonne die Gipfel des Kaukasus überschritten, waren wir, Herr v. Courval, Castello,
Manetti und ich auf dieser Felsenspitze, die Manetti uns am vorigen Tage gezeigt hatte.
Ein einfacher weißer Stein ragte dort aus der Erde hervor, auf dem der Name Beatrice stand.
Herr v. Courval kniete andächtig nieder und .betete.
Wir folgten seinem Beispiele.
ES war ein ergreifender Anblick, diese vier Männer, die im Begriff waren, sich zu todten , beten zu sehen. Gott wollte ohne Zweifel nicht, daß die Sonne Zeuge davon seyn sollte, denn ein dichter Nebel breitete sich langsam über das Gebirg.
Wir erhoben uns schweigend wieder. Man nahm ein Paar Pistolen; eS war die Waffe, welche das LooS bezeichnet hatte.
Herr v. Courval lud selbst die Pistolen, dann ließ er Castello wählen, den das Loos ihm zum Gegner gegeben.
Das Vorgebirg bildete eine Art viereckiger Terrasse von ungefähr 30 Schritten Breite und ganz abschüssig nach der Seite'deS Meeres hin, dessen Wogen zweihundert ; Fuß tief unten rauschten.
Nach der getroffenen Vereinbarung sollten die Käm, • pfer sich ssniend hart am Rande des Felsens schlagen, um die geringste Wunde möglichst tödtlich zu machen. In der That mußte auch der Verwundete, wenn er von dem Geschoß getroffen und zurückgeworfen wurde, an der Seite des Felsens herabstürzen und in dem Meere verschwinden.
Die beiden Kämpfer knieten nieder. Castello, wel, cher den ersten Schuß hatte, erhob seine Waffe und schoß ; doch die Kugel streifte nur die Wange des Herrn v. Courval. Nun schoß dieser; Castello wankte einen Augenblick auf seinen Knien und fiel dann mit dem Gesichte nach vorn auf den Felsen hin. Er dankte dieser Bewegung seine Rettung, denn obgleich die Kugel seine