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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.

1850. J£ 13s.

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Der Letzte der Uberti.

Nach Calonne erzählt von August Marckhoff.

(Fortsetzung.)

Der Ton meiner Stimme schien auf den Mann im Mantel denselben Eindruck zu machen, als die Seinige auf mich.

Er trat einen Schritt vor, und mein Gesicht betracht tend, auf das die Sterne ihren schwachen Glanz warfen, rief er:

Graf Uberto"!

Giovanni di Castello"!

Sie hier . . . heute ... zu dieser Stunde! . . . Ich begreife . . .

Ihre Reise... diese Barke... diese Waffen! ... Ich habe begriffen.

Graf, lassen Sie uns unsere Rachegefühle ver­einigen" !

Giovanni, auf Leben nnd Tod"!

Ich reichte dem jungen Manne die Hand, und in dem Schweigen der Nacht thaten wir einen fürchterlichen Schwur.

Der Matrose that einen Pfiff mit einem silbernen Pfeifchen, ein langes Bot mit vier Ruderknechten näherte sich dem Ufer, wir stiegen hinein, und glitten bald mit der Geschwindigkeit einer Möwe über die Wellen deS Bosporus dahin.

Givoanni di Castello war der Name deS jungen Römers, den der Marquis von Courval zu Neapel lächerlich gemacht, nachdem er ihm feine Geliebte genommen.

V.

Eine Erscheinung.

Obgleich daS schwarze Meer ein ruhiges Gewässer ist, fuhr Matteo fort, und die Stürme selten seinen Grund aufwühlen, ist eS doch unverstchtig gehandelt, sich

in einem so leichten Fahrzeuge, wie es die Barken Kon­stantinopels sind, weit von der Küste zu entfernen. Ich hatte bald Gelegenheit, wahrzunehmen, daß die von Giovanni vorbereitete Expedition klug angelegt war.

Kaum hatten wir zwei Meilen gegen Osten gemacht, als wir ein Licht, und bald darauf ein dreieckiges Segel auf den Wogen bemerkten, welche der Mond mit seinen Strahlen zu versilbern begann.

Ein Signal ward zwischen der Barke und der Fe- lucke gewechselt; diese zog ihr Segel ein und wartete.

Einige Minuten später waren wir, Giovanni, sein Bedienter, der schweigsame Mahomedaner und ich an Bord. Die Barke kehrte nach dem Hafen von Konstan­tinopel zurück, während wir unsere drei lateinischen Segel gegen den Wind kehrten, die Wellen deS Kanals von Konstantinopel durchjchnitten, und das Vorgebirge The- rapia passirten, wo ich wenige Stunden vorher neue Rachepläne gefaßt.

Bald fühlten wir den Wind stärker blasen, wir kamen in die Gewässer des schwarzen Meeres.

Giovanni erzählte mir unterdeß, daß er, nachdem er Herrn von Courval zu Athen getroffen, sich an seine Fersen geheftet habe, mit dem Entschlusse, diesem Manne wie sein Schatten zu folgen bis zu dem Tage, wo er ihn zu einem gleichen Kampfe zwingen, oder, wenn er sich weigerte, ihm wie einem Hunde das Gehirn zer­schmettern könnte.

Stets hatte er aus einer oder der andern Ursache seinen Gegner von Athen bis Konstantinopel verfehlt. Noch diesmal, im Augenblicke, wo er seinem Ziele nahe war, hatte sein Führer ihn in der Umgegend der Stadt irre^geführt, und er war an den Hafen gekommen, als Herr von Courval ihn soeben verlassen.

Doch entschlossen, seine Unternehmung zu Ende zu führen, hatte er auf seine Kosten eine zur Abfahrt bereit