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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur

Zeitung.

1850. M 1S8

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Der Letzte der laberst.

Nach Calonn e erzählt von August Marckhoff.

sFortsetzung.) in.

Eine Entführung.

Ich war seit sechs Monaten der Gemahl der schönen Teresina, fuhr der Signor Matteo fort.

Wir hatten unsere Wohnung in einer jener entzücken­den Villa's genommen, die sich an dem Rande des Comer- See's hinziehen; im Anblicke einer bewundernöwerthen Natur, bei einer angebeteten Frau schlürfte ich in langen Zügen den gebrechlichen Becher deS Glückes.

Seit einigen Tagen indeß nahm ich mit Unruhe eine merkliche Veränderung in den Zügen Teresina's wahr. Sie schien unruhig, nachdenkend. Ich wußte so­gar, daß sie zuweilen ganze Nächte schlaflos verbrachte. Ich wollte sie fragen, um die Ursache ihrer schlaflosen Nächte und ihrer geheimen Schmerzen zu erfahren; ich wollte Alles in Bewegung setzen; alle Mittel zu ihrer Heilung anwenden; doch auf alle meine Fragen antwor­tete sie auf so einfache Art, daß ich diese reine Seele zu betrüben glaubte, wenn ich weiter in sie dränge.

Da indeß das Uebel immer mehr überhand nahm, so beschloß ich, selbst zu suchen, was die Ursache davon seyn könnte und glaubte es auch bald gefunden zu haben.

Ohne Zweifel, sagte ich bei mir, hat ihr die Auf­opferung ihrer Triumphe und ihres Ruhmes zu viel ge­kostet; sie vermißt die Bravo'S der berauschten Menge, die Blumenkränze, welche zu ihren Füßen niederfielen, und vielleicht heute träumt sie von neuen Triumphen, von neuen Kränzen.

Dieser Gedanke ängstigte mich furchtbar.

Eines Tages schien mir Teresina noch trauriger als gewöhnlich, ich versuchte Alles, sie ihrer Niedergeschla­genheit zu entreißen, und Heiterkeit und Frieden in ihr betrübtes Gemüth zurückzurufen. Vergebliche Mühe, sie antwortete nicht auf meine Fragen, blieb gefühllos gegen meine Liebesworte.

Teresina", sagte ich endlich zu ihr,Sie haben ein Geheimniß vor mir."

Nein, mein Freund", antwortete sie tonloS.

Sie haben ein Geheimniß von mir, doch ich kenne dies Geheimniß".

Sie erbleichte, und einen fragenden Blick auf mich heftend sagte sie in unruhigem Tone:

Sie täuschen sich".

Sie thun Unrecht, Theresina, daß Sie mir nicht Ihr Herz erschließen, daS heißt an dem meinen zweifeln. Sie halten mich nicht für fähig, Alles für Sie zu opfern. Ich habe Ihre Wünsche errathen".

Ein Lächeln, welches ich für daS der Hoffnung nahm, zog ihre bleichen Lippen zusammen.

Teresina", fuhr ich fort,eS ist unnöthig, länger noch in Räthseln zu sprechen; die Erinnerung an Ihre Triumphe beunruhigt Sie; Sie wollen noch die frühere Verehrung genießen, Sie wollen noch Bravo's und Kränze sammeln".

Die Röthe kehrte bei diesen Worten wieder auf ihr farbloses Antlitz zurück; ihr Blick erhielt sogleich die Ruhe und Heiterkeit wieder, die er einen Augenblick ver, loren hatte.

Ich fuhr fort.

Wenn Sie wollen, so können Sie auch jetzt wieder, wie ehemals, diese Kränze, diesen Beifall ärndten".

Sie sind also meiner überdrüssig, Matteo, weil Sie mich von sich entfernen wollen?"