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Der Wanderer.

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Belletristisches Beiblatt zur Naffauischen Allgem. Zeitung.

1850. â 1S7.

Der Letzte der Uberti

Nach Calonne erzählt von August Marckhoff.

(Fortsetzung.)

Als ich am Abende von Teresina nach Hause zu­rückkehrte, ward ich auf der Straße von meinem besten Freunde angehalten".

Endlich! rief er, mir auf die Schulter schlagend, finde ich dich. Ich habe Dich heute überall gesucht, über­all, ausgenommen «in einem Hause, von wo Du ohne Zweifel kommst. WaS hat man mir diesen Morgen ge­sagt, Du heirathest die Gracellini" ?

Man hat wahr gesprochen, antwortete ich".

Ich muß eS von Dir selbst hören, um es zu glauben".

Warum denn" ?

Weil es unwahrscheinlich ist".

Unwahrscheinlich! Du nennst es unwahrscheinlich, eine Frau zu heirathen, die man liebt, ein junges Mäd­chen, schöner als die Jungfrauen Raphaels.

Mag seyn, doch ist cs wahrscheinlich ist eS be­greiflich , daß der Graf Uberto di Uberti sich mit einer Theaterprinzessin verheirathet" ?

Ohne Zweifel , wenn diese Theaterprinzeffin, wie Du sie nennst, hundertmal mehr Anmuth , mehr Geist, und vorzüglich mehr Tugend besitzt, als irgend eine große Dame im Königreich beider Sizilien".

Mehr Anmuth und selbst mehr Geist, daS ist mög­lich, aber mehr Tugend ... Du hast ja eine sehr schlechte Meinung von unsern Frauen zu Neapel und Palermo" ?

Was willst Du damit sagen, mein Freund" ?

Ich will damit sagen, daß die Signora gerade so viel Tugend besitzt, als nöthig ist, um sich einen Ge­liebten im Verborgenen zu gestatten".

Einen Geliebten, rief ich mit einer vor Schmerz und Wuth erstickten Stimme".

Ja, einen Geliebten, und wenn Du vielleicht um­kehren willst, so wirst Du jetzt eine zärtliche Unter­haltung stören".

Ich faßte ven jungen Manne am Arme und ihn mit eiserner Hand festhaltend sagte ich zu ihm:

Graf von Manetti, wenn die Worte, die aus Dei­nem Munde kommen, wahr sind, so hast Du daS Glück Deines Freundes gemordet; wenn sic eS nicht sind, so bist Du ein ehrloser Verläumder, und ich werde mich an Dir zu rächen wissen".

Nach diesen Worten verließ ich ungestüm meinen Freund und lief, mehr als ich ging, zu der Wohnung des Gracellini".

Als ich unter ihren Balkon trat, sah ich einen schwachen Schein sich in ihrem Zimmer bewegen. Ich that die drei wohlbekannten Schläge. Die Zofe öffnete. Sie wich drei Schritte zurück, als sie mich erkannte, und ihre Ueberraschung benutzend stürzte ich in daS Zimmer".

Teresina war allein; sie saß an ihrem Schreibtische und schrieb. Ein tiefer Seufzer erleichterte mein gepreß, teS Herz, zwei Freudenthrânen rollten über mein» Wangen".

Wie! Sind Sie es! rief sie, auf mich zueilend. Aber, guter Gott! was haben Sie kenn, mein Freund! wie bleich unv angegriffen sehen Sie aus! Ist Ihnen ein Unglück begegnet" ?

Nein, erwiderte ich mit fast unverständlicher Stimme, im Gegentheil, ein Glück ist mir begegnet".

Ein Glück! koch warum sind Sie denn mit so ver­störter Miene und so erhitzt zurückgekehrt" ?

Weil..., stammelte ich, Sie werden mir ver­zeihen, nicht wahr? weil die Eifersucht sich einen Augen­blick meiner Seele bemächtigt hatte; man sagte mir..."

Ich begreife, was man Ihnen sagte, unterbrach sie