Der Wanderer.
Beiblatt zur
Zeitung.
1850. — â 123.
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Arthur Pendennis.
(Schluß.)
Der junge Mensch fühlte den Stich und wurde über und über roth. „Die Fälle sind sich nicht gleich, Smirke", sagte er, „und die Anspielung hätte mau sich ersparen können. Ein Mann mag seinen Rang vergessen und irgend ein beliebiges Weib zu demselben erheben; aber erlauben Sie mir zu sagen, die Stellungen, die wir Beide einehmen, sind ganz und gar verschieden".
„Wie meinen Sie das, mein lieber Arthur", unterbrach ihn der Hülfprediger traurig, indem er sich zusammenduckte, da er fühlte, daß jetzt sein Urtheil erfolgen sollte.
„Meinen?" sagte Arthur. „Ich meine das, was ich sagte. Mein Hauslehrer, verstehen Sie wohl, ich sage mein Hauslehrer, hat nicht das Recht, einer Dame von der Stellung, die meine Mutter in der Welt einnimmt, einen Heirathsantrag zu machen. Es ist dies eine Verletzung des in Sie gesetzten Vertrauens. Ich sage, eS ist eine Freiheit, die Sie sich herausnehmen, Smirke — wahrhaftig eine Freiheit. Eine Unverschämtheit sogar."
„O Arthur!" begann der Hülfsprediger mit gefalteten Händen und erschrockenem Gesicht; aber Arthur stampfte abermals mit dem Fuße und zog die Klingel. „Wir wollen keinen Wein mehr bringen lassen, wennS Ihnen gefällig ist, lassen Sie unS ein wenig Kaffee trin> ken", sagte er mit majestätischer Miene, und als der Bediente auf den Ruf der Klingel cintrat, hieß ihn Arthur diese Erfrischung servircn.
John sagte, er habe soeben ins Gesellschaftszimmer Kaffee gebracht, wo sein Onkel nach Muöje Arthurs Gesellschaft verlange, und der alte Mann warf einen verwunderten Blick auf die drei geleerten Claretflaschen.
Smirke sagte, er glaube, daß er — daß er besser thun werde, nicht in's Gesellschaftszimmer zu gehen, worauf Arthur vornehm erwiederte: „Ganz wie's Ihnen beliebt", und Mr. Smirke's Pferd vorzuführen befahl. Der arme Mensch meinte, er kenne den Weg zum Stalle und wollte seinen Pony schon selbst finden: dann ging er in die Halle hinaus, zog seinen Ueberrock an und setzte traurig seinen Hut auf.
Pen folgte ihm unbedeckt. .Der Hülfsprediger zog den Hut und verbeugte sich, um Abschied zu nehmen und schritt weiter nach der Thür, welche nach dem Hofe führte, wo be^ Stall war. Smirke kannte den Weg nach dem Stalle, wie er gesagt, gut genug. Er knöpfte und knüpfte an dem Sattelgurt herum, welchen Pen endlich für ihn fcstschnallte, den Zügel anlegte und den Pony in den Hof führte; der Knabe fühlte sich gerührt durch den Kummer, welcher sich auf seines Lehrers Gesicht aus- prâgte, als er aufstieg. Pen hielt ihm die Hand hin, und Smirke drückte sie ihm schweigend.
„Hören Sie mal, Smirke", sagte er mit bewegter Stimme, „vergeben Sie mir, wenn ich in irgend einer Art hart zu Ihnen gesprochen habe — denn Sie sind immer sehr, sehr gut mit mir gewesen. Aber es geht nicht, aller Junge, es geht durchaus nicht. Seyen Sie ein Mann. Und nun, Gott mit Ihnen"!
Smirke nickte stillschweigend mit dem Haupte und ritt auS dem Gitterthor des Gutes. Pen blickte ihm ein paar Minuten nach, bis er unten in der Straße verschwand und den Hufschlag des Ponys allmählig nicht mehr zu hören war. Helene ging immer noch auf dem Rasenstücke hin und her und wartete, bis der Knabe zurückkam ; sie strich ihm das Haar von der Stirn und küßte es zärtlich. Sie fürchtete, daß er zu viel Wein getrunken habe. Warum war nur Mr. Smirke weggegangen, ohne den Thee mitgetrunken zu haben?