Der Wanderer.
Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.
1850. — 120.
Arthur Pendennis.
(Fortsetzung.)
Pen jagte noch denselben Tag wie rasend nach Chatteries, versuchte es aber umsonst, Miß Fotheringay zu sehen. Er ließ für sie einen Brief zurück mit einer Adresse an ihren Vater. Der Einschluß wurde ihm jedoch durch Mr. Costigan zurückgesandt, welcher ihn ersuchte, alle Korrespondenz endigen zu lassen; und nachdem der junge Mensch noch einen oder ein paar weitere Versuche gemacht hatte, wünschte der ärgerlich gewordene Kapitän, daß ihre Bekanntschaft ganz abgebrochen werden möchte. Er wies Pen geradezu die Thür, und als Arthur und Foker eines Tages auf dem Spaziergange um's Schloß hin und her wandelten und dort Miß Emilien an ihres Vaters Arme begegneten, ging sie an ihnen ohne ein Zeichen vorüber, daß sie ihn noch kenne. Foker aber fühlte, wie der arme Pen an seinem Arme zusam- menzuckte.
Sein Onkel wünschte, daß er reisen sollte, um eine Weile aus der Gegend wegzukommen. Ebenso drang seine Mutter in ihn; denn er wurde ernstlich krank und litt entsetzlich. Aber er weigerte sich und sagte offen heraus, er ginge nicht. In diesem Punkte gehorchte er durchaus nicht, und seine Mutter war zu zärtlich und sein Onkel zu klug, um ihn zu zwingen. Jeden Tag, wo Miß Fotheringay spielte, ritt er ims Theater nach Chatteries hinüber und sah sie. Eines Abends waren so wenig Leute im Hause, daß der Direktor das Geld zurückgab. Pen kam nach Hause, ging um acht Uhr in's Bett und hatte Fieber. Wenn das so fortgeht, so fährt seine Mutter hinüber und holt das Mädchen, dachte der Major in Verzweiflung. Was Pen betrifft, so meinte er, er müsse sterben. (Wir sind nicht geneigt, seine Empfin, düngen zu beschreiben, oder ein Tagebuch seiner trauer
vollen Gedanken, verzweifelten Seufzer und leidenschaftlichen Ausbrüche mitzutheilen. Sind andere junge Herren außer Pen nicht auch liebeskrank gewesen? Ja wohl, allerdings; aber nur wenige sterben von dieser Krankheit!)
Auch Arthur Pendennis stirbt nicht daran. Die nachfolgende Szene, mit welcher Thekaray die erste bedeutende Episode in dem Leben seines Helden schließt, läßt entnehmen, daß Arthur Pendennis von seiner unglücklichen Leidenschaft bald geheilt wurde.
Die Liebe macht uns blind, wir bewahren jedoch einen richtigen Blick, wenn es gilt, über ein Verhältniß zu urtheilen, das mit dem unseren die größte Aehnlichkeit hat. Nichts wirkt besser als ein solches Spiegelbild, das uns das Schicksal vorhält, nichts ist von nachhaltigerer Wirkung, als wenn wir gezwungen werden, über Andere, und dadurch zugleich über uns selbst den Stab zu brechen.
Der Pfarrgehülse war seinen täglichen Berufsge, schäften zu Fairoaks nachgegangen und befand sich, unter dem Vorwande, mit seinem Schüler Stunde zu halten, oben in dessen Arbeitszimmer.
Mrs. Pendennis machte sich selbst Vorwürfe wegen ihres abstoßend vornehmen Benehmens gegen Mr. Smirke, den sie in der letzten Zeit vermieden hatte, anstatt sich ihm dankbar zu beweisen für seine fortdauernde Anhänglichkeit an Arthur.
„Dankbarkeit gegen diese Art Leute", sagte der Major, „ist etwas recht Schönes, aber Vertraulichkeit ist gegen sie völlig unangebracht. Diejer Herr gibt seine Stunden hier und bekommt dafür sein Geld, wie jeder andere Schulmeister. Sie sind zu demüthig, meine gute Seele. Es muß ein Rangunterschied und derartige Dinge