Einzelbild herunterladen
 

und bluirothe Vögelchen, etliche kleine Arten von Papa, gayen flogen auf unser Schiff, gleichsam als wollten sie es bewillkommen und den Frieden bringen.

Wir hatten von hier noch etliche Tage, ohne Land zu sehen, zu fahren; der gute Gott schickte uns, als wir an den Inselchen vorbei waren, einen guten starken Wind.

Am Sonntag, den I. April, segelten wir an Kap Howe v-rbei, ohne eS zu sehen.

Am 3. April waren wir von Sidney noch 100 eng­lische Meilen entfernt.

Mittwoch am 4. April, Morgens 6 Uhr, nach ei­ner sehr guten Fahrt gewahrten wir links eine lange Reihe von Bergen. Die Wärme war 16 Grad. Es sollte heute die letzte Station seyn. Da krabbelte alles auf das Verdeck, was nur Beine hatte. Land! Land! Alles schrie Land! Sidney! Sidney! Sidney komm heraus! Um 7 Uhr sahen wir in einer Entfernung von drei Stunden den Leuchtthurm am Port Jakson, so heißt der Eingang nach Sidney, denn die Stadt liegt 3 Mei­len zurück und die See schlängelt sich so breit als der Rheinfluß bald links, bald rechts, zwischen Bergen von 60 Fuß Höhe, wie durch ein Thal in die Stadt.

Den 4. April, am Mittwoch vor Gründonnerstag, nachdem wir 109 Tage von London abgesegelt waren, raffelte der mit seiner 500 Fuß langen armSdicken Kette, 50 Zentner schwere Anker in den 50 Fuß tiefen Hafen von Sidney, der herlichen Hauptstadt von dem jungen Welttheil Australien, mit 40,000 Einwohnern. Sogleich nach unserer Ankunft wurden frisches Fleisch, Brod, alle Arten frisch gewachsene Lebensmittel hinübergeschifft,, als sehr schöne frisch ausgemachte bläuliche Kartoffeln, großes Zuckerhut- und anderes Kraut, gelbe und weiße Rüben, so schön als auf dem Gemüsemarkt in Mannheim, dann sehr schöne und gute Trauben (denn war Trauben­lesezeit), Pfirsiche, Aepfel, Birnen, Feigen und Zitronen, welches Alles hier wächst. Da war Freude und die Sehnsucht nach dem Lande ward immer stärker, so daß man meinte, man müsse hinfliegen. Das Schiff lag nur 23 Minuten von der Stadt, aber wir durften nicht eher hinüber, bis die Regierung kam und Untersuchung hielt, ob die Passagiere sich gegeneinander und gegen ihre Vorgesetzten, und ob der Kapitän und seine Unter­gebenen sich gegen uns gut betragen hätten, welches erst am Charsamstag geschah. Da wurde jeder Familienvater ein­zeln mit seiner Familie vorgerufen, dann vom Vater an­fangend bis zum kleinsten Kind, das nur sprechen konnte, gefragt, wie er heiße, was er arbeiten könne, ob lesen oder schreiben, ob er eine Klage gegen Jemand auf dem

Schiff habe? Wohl dem, der keine Schuld auf sich hatte. Zwei Männer hatten einander geschlagen und geschimpft, weßhalb sie die Herren nicht in Dienst nah­men, und es ging dem Einen sehr übel, einen solchen zu bekommen. Der andere hatte Brüder, wovon der eine ihn aufnahm. Dieser nahm ihn mit auf sein Gut, 40 Meilen von Sidney, 100 Morgen, mit Wohnhaus, 12 Pferden und 40 Stück Rindvieh, welches er zu 3000 fl. gekauft hatte. (Forts, folgt.)

M i s.; e l l e n.

Ein amerikanisches Blatt berichtet folgenden spaßhaften Vorfall aus einem der westlichen Staaten der Union: (Der Redakteur in seinem Bureau, mit Schreiben beschäftigt. Ein sechsfußlanger Kerl mit einem Zeitungsblatt in der Hand tritt ein). Der Fremde (auf einen Artikel weisend): Hört mal, habt Ihr das hier geschrieben? Redakteur: Ja wohl. Der Fremde (zieht den Rock aus): Gut, so soll ich Euch die Peitsche geben; wollt Ihr nicht lieber den Rock ausziehen? Redakteur: Was Ihr nicht sagt! Aber ich möchte lieber nicht die Peitsche haben. Der Fremde: Kann Euch nicht helfen; 's ist mir aufgetragen worden. So zieht lieber den Rock aus, damit er nicht Schaden leidet. Der Redakteur (zieht ein sechsläufiges Pistol hervor): Ich danke, lieber Mann; ich will lieber den Rock anbehalten. Der Fremde: Was, Ihr wollt dock mit dem Dinge da nicht schießen? Redak­teur : Blos wenn Ihr mich dazu zwingt. Fremder: das ist aber nicht nobel, guter Freund. Legt das Ding weg, und laßt uns die Sache auf eine anständige Manier abmachen. Redakteur: Thut mir leid, daß ich Euch nicht gefällig sein kann; aber es geht unmöglich. Der Fremde lzieht seinen Rock an und geht): Wenn Ihr freilich so ein Kerl seyd , so mag ich nichts mit Euch zu thun haben. Ihr seyd der Beachtung eines anständigen Bür­gers unwerth. (Geht zur Thüre hinaus). Die Anekdote ist jetzt zeitgemäß und deshalb wollten wir sie unsern Lesern nicht vorenthalten.

* *

Sheridan ging zu einem Haarkünstler, um sich eine Perücke zu bestellen. Der Friseur, eine gute ehrliche Haut, lud den be­rühmten Redner zum Frühstück ein, setzte ihm prächtiges Porter­bier vor und behandelte Sheridan mit so außerordentlicher Zu­vorkommenheit, daß er von solch freundlicher Aufnahme gerührt wurde. Als er aufstand und im Begriffe war wegzugehen, faßte er den Friseur bei beiden Händen, sah ihm freundlich ins Ge­sicht und sagte:Ihr sollt sehen, daß ich erkenntlich für Euere Güte bin. Macht mir die gewünschte Perücke nicht". Erstaunt entgegnete der also Angeredete:Aber Herr Sheridan, womit habe ich Dies verdient?"Seht, mein Freund", erwiederte Sheridan:Ihr seyd ein guter Kèrl und ich will deshalb von Euch keine Perücke gemacht haben, da ich dieselbe doch niemals zu bezahlen beabsichtige. Ich will euch aber nicht betrügen, sondern werde einen Euerer Kollegen anschmieren".

In Abwesenheit des Redakteurs für die Redaktion verantwortlich: A. Boczek.

Druck und Verlag der & Schellenberg'schen Hof,Buchhandlung in Wiesbaden.