Der Wanderer.
Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.
1850. — JV» 114
Arthur Pendennis.
sFortsetzung.)
„Auf mein Wort, Sie haben einen sehr schönen Kellermeister", antwortete Pendennis galant, „und ich wundere mich nicht, daß die jungen Bürschchen für sie schwärmen. Ais wir in ihrem Alter standen, Kapitän Costigan, wußten wir auch, wo schöne Frauen wohnten".
„Auf Oehr' und Sie haben Recht, so zu sprechen — und glücklich ist der Mann, der sie bekommt. Fragen Sie meinen Freund Bob Bows da, ob der Geust von Miß Fotheringay nicht sogar tröstlicher ist, als ihre äußere Erscheinung, und ob sie nicht ein Hochgebüldetes Talent besitzt, einen scharfen Verstand und ein liebenswürdiges Gemüth" .
„O, natürlich I" rief Bows mit größter Trockenheit. „Hier kommt Hebe, noch ganz geröthet von der Kellerluft. Meinen Sie nicht, daß eS Zeit ist, in die Probe zu gehen, Miß Hebe? Sie werden Strafe zahlen müssen, wenn Sie später kommen" — und er warf der jungen Dame einen Blick zu, welcher ihr zu verstehen gab, sie werde besser thun, das Zimmer zu verlassen, daß die beiden alten Herren sich gegeneinander aussprechen könnten.
Auf diesen Wink nahm Miß Hede ihren Hut und Shawl, wobei sie ungewöhnlich hübsch, gutgelaunt und freundlich aussah, und Bows las seine geschriebenen Rollen zusammen und humpelte quer über die Stube nach seinem Hute und Rohrstocke.
„Müssen Sie denn fort ?" sagte der Major. „Können Sie uns Ihre Gegenwart nicht noch ein paar Minuten schenken, Miß Fotheringay? Ehe Sie uns verlassen, erlauben Sie einem allen Burschen wie mir, Ihnen die
Hand zu drücken, und glauben Sie mir, daß ich stolz darauf bin, die Ehre gehabt zu haben, Ihre Bekanntschaft zu machen, und aufrichtig wünsche, mich unter Ihre Freunde zählen zu dürfen."
Miß Fotheringay machte nach dem Schlüsse dieser galanten Rede einen tiefen Knir, und der Major folgte ihr, als sie sich nach der Thür zurückzog, wo er ihr mit dem herzlichsten und väterlichsten Drucke die Hand gab. Bows war erstaunt über diese Verschwendung von Herzlichkeit. „Die Verwandten des jungen Menschen können sie ihm doch nicht zur Frau wünschen", dachte er bei sich — und so schieben sie.
„Nun zur Sache", dachte Major Pendennis, und was Mr. Costigan betrifft, so machte dieser sich augenblicklich die Abwesenheit seiner Tochter zu Nutze und trank den Rest des Weines aus, und goß sich ein Glas von dem Madeira aus der „Weintraube" mit hastiger zitternder Hand ein. Der Major kam nach dem Tische zurück, hob sein Glas empor und trank es mit einem jovialen Schmatzen auS. Wäre eS das ausgesuchteste Faß Lord Steynes und nicht GasthofSwein gewesen, er hätte sicherlich nicht erquickter davon aussehen können.
„'n köstliches Madeirachen, Kapitän Costigan!" sagte er. „Bon wo beziehen Sie es? Ich trinke die Gesundheit jenes liebenswürdigen Wesens in einem vollen Glase. Auf Ehre, Kapitän, ich wundere mich jetzt nicht mehr, daß die jungen Leute ganz toll um sie herum sind! Nimmer in meinem Leben sah ich solche schöne Augen, noch eine so königliche Haltung. Ich bin sicher, sie ist so geistreich, als sie schön, und ich hege keinen Zweifel, sie ist so gut, als sie verständig ist."
„Ein gutes Mädchen, Herr Major — ein sehr gutes Mädchen", sagte der geschmeichelte Vater. „Und ich stimme in einen Toast auf sie von ganzem Hörzen ein. Soll ich in die — in den Keller nach eine zweite Flasche