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D-r Wandrer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.

1850. 108.

Arthur Pendennis.

sFortsetzung.)

In der That, Pen'S Verdacht' war nicht unbegrün, det, und sein Vormund hatte seinen Boten ausgeschickt, um alle nur möglichen Nachrichten zu sammeln über den jungen Mann und seine interessante junge Freundin. Der verschwiegene und kluge Mr. Morgan, ein vertrauter Kammerdiener, wie sie in London gebraucht und geschätzt sind, und auf dessen Treue man bauen konnte, war mehr als einmal in ChatterieS gewesen und hatte allerhand Erkundigungen über die Vergangenheit und das gegen, wârtige Leben und Treiben des Kapitäns und seiner Tochter eingezogen. Er forschte mit Feinheit und Geschick die verschiedenen Kellner, Hausknechte und alle die Leute am Schenktische deS George auS und erfuhr von ihnen, was sie etwa in Betreff deS würdigen Kapitäns wußten. Wie es schien, hielt manj dort eben nicht sehr viel von ihm. Die Kellner bekamen niemals zu sehen, ob er Gold oder Silber oder Kupfergeld in der Tasche hatte, und waren gewarnt, ihm nie einen Tropfen Liqueur zu ver­abfolgen, für den nicht irgend Jemand anderes gut ge- sagt. Er scvwadronirte kläglich im Kaffeezimmer herum, konsumirte einen Zahnstocher, überlas die Zeitung, und wenn ihn irgend ein Bekannter zu Tische einlud, blieb er da.

Von den Offiziersdienern in der Kaserne ersuhr Mr. Morgan, daß der Kapitän sich dort so häufig und unan­ständig betrunken, daß Oberst Swallowtail ihm den all­gemeinen Speisesaal des Regiments verboten halte. Dann setzte sich der unermüdliche Morgan mit mehreren von den niedern Schauspielern in die Schenke und pumpte ihnen ' bei Zigarren und Punsch Nachrichten aus, und Alle ; stimmten überein, daß Costigan arm, lumpig und dem z Schuldenmachen sowie dem Trunke ergeben sey. Aber I

den Ruf von Miß Fotheringay trübte nicht ein Hauch; ihres Vaters Muth, erzählte man, hatte sich bei mehr denn einer Gelegenheit gegen Personen geäußert, welche Miene gemacht hatten, seine Tochter frei zu behandeln. Sie kam nie ohne ihren Vater in's Theater; selbst da, ; wo er schwer betrunken war, hielt dieser Gentleman Wacht ' über sie; endlich fügte Mr. Morgan auS eigner Erfah­rung hinzu, daß er sie spielen gesehen und von ihrem i Auftreten sehr viel Genuß gehabt habe, auch hielte er sie für eine sehr schöne Frauensperson.

Mrs. Creed, die Schließerin der Kirchenstühle, be­stätigte diese Nachrichten dem Doktor Portman, welcher sie eines Tages nach dem Nachmittagsgottesdienste per­sönlich vernahm und sie mit den Schrecken der Kirche be­drohte. MrS. Creed hatte über ihren MiethSmann nichts Ungünstiges mitzutheilen. Sie sah Niemand, als ein oder zwei Damen vom Theater. Der Kapitän betrank sich dann und wann und bezahlte seine Miethe nicht im­mer regelmäßig, aber er that eS doch, wenn er Geld hatte, oder vielmehr Miß Fotheringay that eS. Seit der junge Herr von Clavering hergekommen und Fechtstunden genommen, seyen noch zwei oder drei auS den Kasernen erschienen: Sir Derby Oaks und sein junger Freund, Mr. Foker, welche oft zusammen wären, und welcher Letztere immer in seinem Tandem von Baymouthrüber- fahren thäte." Aber bei Gelegenheit der Fechtstunden wäre Miß Fotheringay sehr selten zugegen und käme gewöhnlich herunter in MrS. Crecd's Stube.

Der Doktor und der Major beriethen sich oft mit­einander, waS zu thun sey, und seufzten im Geiste, alö sie diese Nachrichten erhielten. Major Pendennis gab seine Mißstimmung darüber offen zu erkennen, und ich glaube, selbst der Gottesmann war ärgerlich darüber, daß sich kein Schmutzfleck auf Miß Fotheringay'S Ruf brin­gen ließ.