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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.

1850. M 107.

Arthur PendenniS.

tFortsetzung.)

Er wiederholte das seinem Onkel und seinen Freun, den zu Hause, und ebenso mußte es Miß Fotheringay und der liebenswürdigen Familie zu Chatteries mitge- theilt werden, mit denen er immer noch einen Theil seiner Zeit zu verbringen fortfuhr. Miß Emilie gerieth in Angst, als sie von der Ankunft des Vormundes Pen's hörte, und begriff recht wohl, daß der Major mit feind­lichen Absichten gegen sie erschienen war.Ich glaube, Sie denken darauf, mich zu verlassen, da Ihr vornehmer Verwandter auS der Stadt gekommen ist. Er wird Sie wegführen, und Sie werden Ihre arme Emilie vergessen, Mr. Arthur."

Sie vergessen! In ihrer Gegenwart, in der von Miß Rouncy, der Columbinc und vertrautesten Freundin Emil- chens in der ganzen Gesellschaft, in der Gegenwart deS Kapitäns selbst schwur Pen, daß er nie an ein anderes weibliches Wesen denken könnte, als an seine geliebte Miß Fotheringay, und der Kapitän, indem er nach seinen Nappieren hinaussah, die als Trophäen an der Wand des Zimmers hingen, wo er und Pen zu fechten pflegten, sagte grimmig, er wollte keunem Menschen rathen, mit den Neigungen von sein gelübtes Kind leichtsinnig zu spielen, und würde niemals glauben, sein ritterlicher jun­ger Arthur, den er als seinen Sohn behandelt, und sei­nen Sohn genannt hab', würde sich einer solchen Auffüh­rung, die gegen jede Idee von Oehre und Menschlichkeit verstieße, schuldig machen."

Er stand nach dieser Rede auf und umarmte Pen. Er weinte und wischte sich das eine Auge mit der einen seiner großen Hände, während er Pen mit der andern umfaßte. Arthur schauderte bei dieser Umarmung und

dachte an seinen Onkel zu Hause. Sein zukünftiger Schwiegervater sah ungewöhnlich schmutzig und schäbig aus, der Duft von Whiskey und Wasser war heute so­gar noch deutlicher zu riechen als sonst. Wie sollte er diesen Mann und seine Mutter zusammenbringcn? Er zitterte, wenn er daran dachte, daß er mit aller Bestimmt­heit an Costigan geschrieben (wobei er ihm einen Sove­reign eingeschlossen hatte, welches Darlehen der würdige Gentleman dringend bedurfte und ihm gesagt hatte, daß er hoffe, sich eines Tages als sein ihn liebender Sohn Arthur PendenniS unterzeichnen zu können. Er war diesen Tag froh, von Chatteries von Miß Rouncy, der Vertrauten, von dem allen Saufbruder, seinem Schwie­gervater in spe und selbst von der göttlichen Emilie weg­zukommen.

Pen ritt nie nach Chatteries, wo er nicht irgend ein Geschäft dort zu haben vorgab; aber der Major fand es stets heraus, was der Junge für ein Geschäft gehabt hatte. Getreu seinem Plane, legte Major PendenniS seinem Neffen niemals eine Schwierigkeit oder ein Hin­derniß in den Weg, aber das fortwährende geheime Ge­fühl, daß das Auge deS älteren auf ihn gerichtet sey, und die Verlegenheit und Beschämung, die auf jenes unausbleibliche Geständniß folgte, welches die abendliche Unterhaltung sicherlich, und zwar in der natürlichsten und einfachsten Weise, aus ihm herauslockte, bewirkten, daß Pen weniger häufig sich aufmachte, um seine Seele zu den Füßen seiner Geliebten anSzuseufzen, als er vor seines Onkels Ankunft zu thun pflegte. Es half nichts, zu versuchen, ihn zu täuschen; eS zog weder der Vor­wand, von Smirke zu Tisch geladen zu seyn, noch der, mit Foker ein griechisches Trauerspiel lesen zu wollen. Pen sah, daß man jedesmal , wenn er von einer seiner flüchtigen Visiten heimkehrte, wußte, woher er kam, und erschien Jo stets schuldbewußt vor seiner Mutter und sei-