Der Wanderer.
Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.
1850. — JV» 105.
Pendennis.
(Fortsetzung.)
So kamen sie denn in der besten Laune in das Empfangszimmer von Mrs. Penvennis. Sie freute sich, sie in der Halle lachen zu hören, als sie dieselbe burch- schritten.
„Du pfiffiger Schlingel", sagte der Major, indem er seinen Arm lustig auf Pen's Schulter legte und scherzend auf die Brustlasche des Knaben klopfte, wo er fühlte, daß die Papiere deutlich genug knisterten. Der junge Mensch war voller Wonne — voll guter Laune — voll Siegesfreude — und mit Einem Worte: ein Narr.
DaS Paar stellte sich in der rosenfarbensten Stimmung am Theetische ein. Die Höflichkeit des Majors ging über alle Beschreibung. Er hatte nie solchen guten Thee getrunken, und solch Brod war nur auf dem Lande zu bekommen. Er bat Mrs. Pendennis um eines ihrer bezaubernden Liedchen. Er bewog sodann Pen, zu singen, und war ganz Wonne und Verwunderung über die schöne Stimme des Knaben, er ließ sich von seinem Neffen seine Zeichenmappe und seine Malereien holen und pries sie als in der That merkwürdige Arbeiten von einem so jungen Menschen; er machte ihm sein Kompliment über seine Aussprache des Französtschen, er schmeichelte dem einfachen Jungen so geschickt wie jemals ein Liebender seiner Geliebten, und als eS Schlafenszeit wurde, gingen Mutter und Sohn nach ihren beiderseitigen Zimmern, vollständig bezaubert von dem freundlichen Major.
Als sie diese Gemächer erreicht hatten, so beugte vermuthlich Helene ihre Kniee wie gewöhnlich, während Pen, bevor er in's Bett stieg, seine Briefe noch einmal überlas, gerade, als ob er nicht schon jedes Wort in denselben auswendig wüßte. Es waren eigentlich nur
drei dieser Dokumente, und um ihren Inhalt zu lernen, bedurfte es keiner großen Anstrengung deS Gedächtnisses.
In Brief Nr. I. empfiehlt sich Miß Fotheringay dankbar dem Mr. Pendennis und bittet ihn, in ihres Papa's Namen und ihrem eigenen, sich ihres Dankes versichert zu halten für seine außerordentlich schönen Geschenke. Sie werden sür immer sorgsam aufbewahrt werden, und Miß F. wie Kapitän C. werden nimmer den vergnügten Abend vergessen, den Sie vergangenen Donnerstag verbracht haben.
Brief Nr. II. sagt: — Lieber Herr, wir werden nächsten Donnerstag Abend an unserm bescheidenen Tische eine kleine stille Gesellschaft guter Freunde zum Thee sehen, wo ich die wunderschöne Schärpe tragen werde, welche ich, mit den sie begleitenden kostbaren Versen, ewig, ewig werthhalten will; und Papa heißt mich hinzufügen, wie glücklich er seyn wird, wenn Sie an „dem Feste des Geistes und der Seele Blüthe" bei unserm kleinen Festmahle theil- z nehmen wollen, wie dies ebenfalls zur Freude gerei- - chen wird
Ihrer treuen und dankbaren Emilie Fotheringay.
Brief Nr. III. war etwas vertraulicher und zeigte, daß die Angelegenheiten bedeutend weiter gediehen waren. „Sie waren gestern Abend unausstehlich," sagte der Brief. „Wcßhalb kamen Sie nicht an die Thür der Bühne? Papa konnte mich wegen seines Auges nicht ; nach Hause dringen. Er hatte einen Unfall und stürzte ‘ am Sonntag Abend über ein loSgeriffenes Stück Teppich i auf der Treppe. Ich sah Sie den ganzen Abend nach Miß Diggle blicken, und Sie waren so bezaubert von
- Lydia LanguiSh, daß Sie Julien kaum einen Blick gönnten. Ich hätte Bingley zermalmen können, so verdrieß.