Der Wanderer.
Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.
1850. — 86. '
Arthur Pendenrris
(Fortsetzung.)
Viertes Kapitel.
Mrs. Haller.
Nachdem sie in den George zurückgekehrt, setzten sich Mr. Foker und sein Gast zu einem tüchtigen Mahle, daS im Kaffeezimmer angerichtet war, und wobei Mr. Rincer daS erste Gericht hereinbrachte und sich so tief verbeugte, als ob er dem Lordlieutenant der Grafschaft aufwartete. Mr. Foker attackirte die Schildkröte und das Wildpret mit ebensoviel Geschmack, als er das Jahr vorher zu zeigen gewohnt war, 'wo er Feste von Jngwerbier und eingeschmuggelten Knackwürstchen zu veranstalten pflegte. Sen konnte nicht umhin, Respekt vor seiner Kennerzunge zu kriegen, als er den Champagner für verdammten Stachelbeerwein erklärte und mit dem einen Auge nach dem Portwein hinzwinkerte. Von dem letzteren sagte er, daß er von der rechten Sorte sey, wobei er den Kellnern bemerkte, daß er sich nimmermehr was weißmachen ließe. Alle diese Dienstleute kannte er nach ihren Taufnamen, und zeigte ein großes Interesse an ihren Familien; und als die Londoner Kutsche vorfuhr, welche in dieser Zeit noch im George anzuhalten pflegte, riß Mr. Foker das Fenster im Kaffeezimmer auf und rief die Schaffner und Kutscher ebenfalls bei ihren Taufnamen, fragte nach ihren gegenseitigen Familien und ahmte, als Jem, der Hausknecht, die Pferdedecken überwarf und die Wagen lustig abfuhren, mit großer Geschicklichkeit und täuschen- der Genauigkeit das Blasen der Hörner nach.
„Eine Flasche Xeres, eine Flasche nichtswürdigen Champagner, eine Flasche Portwein und eine Portion Kaffee, he, Pen, ich dächte, wir hätten uns nicht so ganz übel dazugehalten?" sagte Foker, und nachdem alle
> diese Delikatessen und eine ziemliche Menge Nüsse und Obst vertilgt waren, meinte er, es wäre jetzt Zeit, zu „bummeln". Pen sprang mit sehr gänzenden Augen und einem tüchlig gerötheten Gesichte auf, und sie machten sich auf den Weg nach dem Theater, wo sie ihr Eintrittsgeld an die schnarchende alte Dame zahlten, welche in dem Billeteinnahmestübchen schlummerte.
„Mrs. Dropsicum, Bingley'S Schwiegermutter, berühmt als Lady Macbeth," sagte Foker zu seinem Begleiter. Foker kannte sie ebenfalls.
Sie konnten sich so ziemlich ihre Plätze auswählen unter den Theaterlogen, welche Strotz der „allgemeinen Beifallsstürme und der galvanischen Wonneschauer," von denen Bingley auf den Theaterzetteln an den Ecken sprach, nicht besser gefüllt waren, als die meisten Theater in der Provinz. Ein zwanzig, dreißig Leute etwa saßen zerstreut auf den Bänken des Parterre's, einige wenige mehr unterhielten ein fortwährendes Trampeln und Pfeifen auf den Gallerien, und ein Dutzend andere, welche mit Freibillets hereingekommen waren, befanden sich in den Logen, wo unsere junge Herren saßen. Die Lieutenants Rodgers und Podgers und der junge Fähndrich TidmuS von den Dragonern hatten eine geschloffene Loge inne. Die Schauspieler richteten ihre Worte an sie, und diese Herren schienen mit den Schauspielern der Unterhaltung zu pflegen, wenn sie nicht im Stücke selbst zu sprechen hatten, und riefen sie beim Namen, wenn sie ihnen Bei- fall klatschten.---------
„Das ist Hicks und Miß Thackthwaite," zischelte Foker. „Hübsches Mädel, nicht wahr, Pendennis? Doch halt — Hurra — bravo! Hier ist die Fotheringay."
Das Parterre raffelte und stampfte mit seinen Regenschirmen, eine Beifallssalve wurde von der Gallerre abgefeuert, die Dragonerofsiziere und Foker klatschten wüthend in die Hände, man hätte denken können, das Haus