Der Wanderer.
Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.
' 1850. — M 82.
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Arthur Pendennis.
(Fortsetzung.)
ES war um diese Periode seines Daseyns, daß Pen in dem Poetenwinkel deS Tageblatts von Clavering mit einigen Versen hervortrat, mit welchen er vollständig zu- frieden war. Sein waren die mit „NEP“ unterzeichneten und „An eine Thräne" gerichteten Verse, sein die Ge, dichte „Aus den Jahrestag der Schlacht bei Waterloo," „An Madame Caradori, als sie bei den Assisen-MeetingS sang," u. s. w. Meisterwerke, welche Mrs. Pendennis ohne Zweifel alle mit seinen ersten Schuhen, den ihm zum ersten Male abgeschnittenen Haaren, seinem Trink- flâschchen, und andern interessanten Reliquien seiner Kin- derjahre bis auf den heutigen Tag aufbewahrt. Er pflegte auf Rebekka über die benachbarten Dumpling-Wiesen oder in die nahe Landstadt, die wir mit Erlaubniß des Lesers Chatteries nennen werden, zu jagen, übersprudelnd von eignen Gedichten fund voll von einem seiner Meinung nach völlig byronschen Anhauch.
Dieses jungen Bürschchens Herz war so feurig und seine Einbildungskraft so lebhaft, daß es nicht zu erwarten steht, er werde der Leidenschaft, auf welche wir an, spielen, und von welcher Sie, meine liebenswürdigen Leserinnen, richtig errathen haben, daß es die Liebe ist, lange entgangen seyn.
Ja, Pen begann die Nothwendigkeit einer ersten Liebe zu fühlen — daS nothwendige Bedürfniß einer ihn ganz in Anspruch nehmenden Leidenschaft; eines Gegenstandes, auf welchen er all jene hin- und herwogenden Phantasie- bilder häufen konnte, die ihm so süßes Leiden schufen; einer jungen Dame, auf die er wirklich Verse machen, die er an der Stelle jener körperlosen Janthen und Zu- leikaS, denen er bisher die Ergüsse seiner übersprudeln
den Muse geweiht, als sein Götterbild aufstellen und anbeten konnte.
Smirke und er wurden bei ihren Zusammenkünften nimmer müde, das Kapitel von der Liebe durchzusprechen. Der gewissenlose Erzieher unterhielt ihn, anstatt ihm Vorlesungen über Algebra und Griechisch zu ertheilen, mit empfindsamen Reden; denn Smirke war ebenfalls verliebt. Wer konnte dafür, wenn er täglich mit solch einem weiblichen Wesen zusammentraf! Smirke war bis zur Tollheit (sofern nämlich solch eine milde Flamme, wie Mr. Smirkes Empfindung, Tollheit genannt werden .darf) in MrS. Pendennis verliebt. Diese treffliche Dame, welche im untern Stocke saß und die kleine Laura Pianoforte spielen lehrte, oder Flanellröckchen für die Armen in der Gegend zuschnitt, oder sich anderweit auf dem ruhigen Gange ihres bescheidenen und fleckenlosen Christenlebens geschäftig erwies, ließ sich wenig davon träumen, was für Stürme sich oben im Studierzimmer in zwei Busen zusammenzogen — in PenS Busen, der in seiner Reitjacke, die Ellbogen auf den grünen Studirtisch gestützt, mit den Händen in seinem braunen gelockten Haare wüh, lend, den Homer unter der Nase, dasaß — und in des würdigen Mr. Smirke Busen, mit dem er las.
Smirke schien immer auf dem Punkte zu stehen, gegen Pen das Geheimniß seines BusenS zu enthüllen; ja er gestand demselben sogar, daß er eine — eine Liebe habe, eine glühend angebetete Liebe, über welche Pendennis sehr gern das Nähere erfahren hätte und sagte: „Heraus damit, alter Knabe, ist sie hübsch? hat sie blaue Augen oder schwarze?" Aber Doktor Portmans Amtsgehülfe holte es tief, schlug die Augen nach der Decke empor und bat Pen mit schwacher Stimme, den Gegenstand der Unterhaltung zu ändern.
Armer Smirke! Er lud Pen ein, bei ihm in seiner Wohnung über Madame Fribsby'S, der Stickerin, Stube