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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.

1850. ^ 74

Arthur Pendennis.

(Fortsetzung.)

Was John Pendennis betrifft, so hatte Jedermann vor ihm, als dem Oberhaupte der Familie, die größte Ehrerbietung, und seinen Befehlen wurde gehorcht, gleich wie bei den Medern und Persern. Sein Hut war viel leicht so wohl gebürstet, wie der von irgend einem andern Manne im englischen Reiche. Seine Mahlzeiten wurden jeden Tag pünktlich zu derselben Minute angerichtet, und wehe denen, welche zu spät kamen, wie Pen, ein unor­dentlicher kleiner Schlingel, es sich zuweilen erlaubte. Alles? Beten, Briefe lesen, Besorgen der Geschäfte, Be­aufsichtigung von Stall und Garten, Hühnerhaus und Hunvehütte, Scheune und Schweinekoben hatte seine be­stimmte Stunde. Nach Tische hielt er mit dem Globe auf seinen Knieen und sein gelbseidenes Taschentuch (das ihm Major Pendennis aus Indien geschickt, und wofür ihm sein Bruder bei Erlangung des Majorcharakters unter die Arme gegriffen, so daß sie nun gute Freunde waren) über das Gesicht gedeckt, sein Mittagsschläfchen. Da sein Mittagseffen pünktlich um sechs Uhr statt­fand, und seine Abendbeschäftigung etwa halb acht be­gann, liegt cs auf der Hand, daß er sich nicht viel um die Aussicht von seinen Fenstern kümmerte oder irgend etwas von der dort ausgestreuten Poesie nnd Lieblichkeit genoß.

Mutter und Kind näherten sich selten einanver in seiner Gegenwart. So munter und lebhaft sie vorher gewesen, so eingeschüchtert und schweigsam waren sie, wenn Mr. Pendennis mit seiner Zeitung unter dem Arm ins Wohnzimmer trat. Dann während der kleine Pen, begraben in einem großen Stuhl, alle Bücher las, deren er habhaft werden konnte, ging der Squire die ihn in- teressirenden Artikel in der Gärtnerzeitung durch, oder

spielte eine Partie Piquet mit Mrs. Pendennis oder einem gelegentlich seinen Besuch abftattenden Freunde aus dem Städtchen.

Pendennis trug gewöhnltch Sorge, daß wenigstens eine von seinen großen Mahlzeiten stattsand, wenn sein Bruder, der Major, der nach der Rückkehr seines Regi­ments von Indien und Neu-Südwales seinen Abschied mit Halbsold genommen hatte, seinen zweimal des Jahrs vorkommenden Besuch zu Fairoaks abstattete.Mein Bruder, Major Pendennis, war das regelmäßige Thema von der Unterhaltung des ehemaligen Doktors. Die ganze Familie war glücklich in dem Besitze des Bruders, der ein Herr Major war. Er war das Verbindungs­glied, welches sie an die große Welt von London und an den guten Ton knüpfte. Er brachte stets die neuesten Nachrichten aus den vornehmen Kreisen mit. Er hatte fortwährend Einladungen zu LordS und hochgestellten Leuten. Er sprach von dergleichen mit soldatischer Ehr­erbietung und Würde. Er pflegte zu sagen:Mylord Bareacres war so freundlich, mich zur Fasanenjagd nach Bareacres einzuladen," ober:Mylord Sleyne hat die Gnade, meine Gegenwart zu Stillbrook für die Oster­feiertage zu wünschen" und, man kann sicher seyn, die Angelegenheiten des Majors wurden sorgfältig durch den würdigen Mr. Pendennis seinen Freunden im Lesezimmer zu Clavering oder bei den Gerichtssitzungen, oder in dem Hauptorte der Grafschaft bekannt gegeben. Ihre Kutschen pflegten von zehn Meilen in der Runde herzukommen, um Besuch bei Major Pendennis während seines Aufent­halts zu Fairoaks zu machen. Der Muf von seinem feinen Ton, als eines Mannes von der Stadt, stand fest in der ganzen Grafschaft. Man sprach davon, daß er Miß Hunkle von Lilybank, Tochter des alten Attorney Hunkle, ein Mädchen von mindestens fünfzehnhundert jährlicher Rente, heirathen werde, abermein Bruder,