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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.

1850. M 43.

dtiedersächfische Zwergsagen.

(Fortsetzung.)

Erstei.qung des Hübiche n steins.

Am Ende, wie's Abend wird, wird der Himmel voll Wolken und ver Wind hebt an zu sausen, und es regnet, daß kein Mensch davor bleiben kann. Da haben die Leute den alten Förster mit Gewalt weggeführt nach Hause. Wieder zu Hause, denkt der: was kann's helfen? Du bist doch ein Mal ein geschlagener Mann, und du er­weisest deinem Kinde nur eine Wohlthat, und der liebe Gott wird dir's vergeben. Da nimmt er sein bestes Ge, wehr und macht sich aus den Weg nach dem Hübichen- stein. Wie er aus Grund hinaus ist, hört auf einmal der Regen auf; nur über Grund regnet's in Strömen. Sonst ist Alles hell und der Mond scheint klar. Auf dem Wege zum Hübichenstein hebt er an zu weinen und zu beten und ist ganz hin vor Herzensangst und Betrübniß. Da ist auf ein Mal ein kleinen Männlein bei ihm, mit eisgrauem Barte, das geht an einem Tannenzweig. Das Männlein sagt: Glückauf! und fragt, ob er denn noch so spät in's Holz müßte? Der Förster erschreckt sich, hat aber nicht Lust zu sagen, wohin er will und was er vor hat. Da fragt ihn das kleine Männlein, warum er denn immer so seufze und was ihm denn fehle, daß ihm die Thränen immer über die Wangen liefen? er sollte doch nur sein Herz aufschließen, es könnte ja noch Alles gut gehen. Darüber wird der Förster zutraulich, und sagt, wenn er's noch nicht wüßte, Er wäre der Mann , dessen Sohn jetzt auf dem Hübichenstein stehen müßte. Der Satan hätte ihn verführt, daß er hinaufgestiegen sey. Und sein Sohn hätte alle Menschen um Gotteswillen gebeten, sie möchten ihn doch herunterschießen. Aber Keiner wäre so barmherzig gewesen. So wollte er'S thun. Denn das, meinte er, würde ihm doch Golt nicht

als Sünde anrechnen. Ob er denn warten sollte, daß sein leiblich Kind lebendig herunterstürzen und elendiglich seinen Geist aufgeben sollte? So käm' er doch schneller und ohne Schmerzen von der Welt. Und darauf fängt er wieder an zu jammern und sagt, er hätte das doch nicht um seinen Sohn verdient, er hätte ihn mit saurer Mühe aufgezogen und zu Kirchen und Schulen gehalten, und er wäre doch auch sonst so gottesfürchtig gewesen, und hätte kein Kind betrübt und nicht einmal das Würm­chen zertreten mögen. So wollte er doch lieber, daß er mit seiner Frau gestorben wäre, als daß er das Unglück erleben müsse, nun so zu verlassen zu seyn im Alter, und keinen Sohn zu haben, der ihm einmal die Augen zu­drückte. Das ist dem Männlein zu Herzen gegangen, aber wie der alte Förster noch spricht, ist auf einmal das Männlein verschwunden. Da steht nun der Vater die Spitze des Hübichensteins, steht unten und legt an auf seinen Sohn. Der ruft und bittet ihn, er möchte nur zuschießen; er fürchte sich nicht, wenn er nur gleich von der Welt käme. ZDer Förster denkt, er will loödrücken, da jkommen mit einmal tausend kleine Männlein aus allen Hecken und Büschen hervorgesprungen. Die machen sich an ihn und werfen mit Tannenzapfen auf ihn, und schneiden ihm Gesichter za, und schlagen ihn mit Heck­büscheln und Dornsträuchen um die Beine. Und wie er sich wehren will, wirb's immer ärger und fangen kann er Keinen; sie sind zu flink. Und mitten dazwischen steht ba$ kleine Männlein mit dem eisgrauen Barl und treibt die Andern an. Endlich steht der Förster, daß er nichts ausrichten kann, und muß umkehren nach Hause.

Wie er fort ist, da wird's auf einmal laut am Hübichenstein, und es kommen allenthalben am Gestein viel kleine Männlein herauf, alle auf eisernen Fahrten, die gehen von unten an bis oben hin, und Jeder hat ein messigenes Grubenlichl in der Hand, Einige sind jung,