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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.

1850. M 38.

NLederfächflfche Zwergfagen.

(Fortsetzung.) Zwergüberfahrt.

2.

Zu Offenste beim Kloster Wienhausen lebte ein rei, cher Bauer, der hatte ein Schiff auf der Aller. Zu dem kamen eines Tags auch kleine Leute und forderten, er solle sie über das Wasser schiffen. Zweimal führte er sie über die Aller, jedesmal nach der großen Wiese, die sie Allerau nennen. Als der Bauer zum zweiten Male übergefahren ist, sagte einer von den Leuten zu ihm: willst du nun eine Summe Geldes haben, oder .willst du nach Kopfzahl bezahlt seyn?"Ich will lieber 'ne Summe Geldes nehmen", antwortete der Bauer. Da nahm einer von den Leuten den Hut ab und setzte ihn dem Schiffer auf.Du hättest dich doch besser gestan- den, wenn du nach Kopfzahl gefordert hättest", sagte der Mann, und der Bauer, der vorher nichts gesehen hatte und dem es so leicht in seinem Schiffe vorgekommen war, als ob er nichts darin gehabt, sah die ganze Allerau von kleinen Menschen wimmeln. Das find die Zwerge ge­wesen, die weiter gezogen sind.

Von der Zeit an haben die Leute in dem Bauerhofe noch immer so viel Geld gehabt, daß sie's nicht verzehren konnten. Aber nun sind sie so Einer nach dem Andern ausgestorben, und der Hof ist verkauft.

Die Zwerge in den Schw eckhäu serb ergen.

Inden Schweckhäustrbergen, unweit Göttingen, sollen Zwerge in wunderbaren Höhlen gewohnt haben. Die Höhlen voll Gold, Silbers und EvelgesteinS sind auch noch vorhanden. Weil sich aber die Zwerge nicht mehr sehen lassen (ob sie ganz verschwunden sind, weiß man nicht), so sind auch die Höhlen nicht mehr aufzufinden.

Vor langer Zeit ist auf den Schweckhäustrbergen bei dem Herrn auf Schweckhausen ein Hirte im Dienste ge, wesen, auch ein Schäfer. Der Hirt hat eine Tochter ge­habt, der Schäfer einen Sohn, die sich sehr gut ge­wesen find. Es ist aber zu des Hirten Tochter immer ein Zwerg gekommen, ungestaltet und häßlich, der hat sie zur Frau haben wollen, hat daher immer viel schöne Sachen von Gold und Silber mitgebracht. Das Mädchen aber, der doch ihr Schäfer weit lieber war, hat sich sehr betrübt, daß der Zwerg um sie geworben hat, weil der eben so mächtig wie häßlich gewesen ist. Die Mutter hat auch nicht gewollt, daß ihre Tochter einen Zwerg heirathen sollte, und wie der Zwerg wieder eines TageS gekommen ist mit noch schöneren Sachen, hat sie ganz trotzig gesagt:Ihr braucht mir gar nicht wieder zu kommen, meine Tochter kriegt ihr doch nicht zur Frau!" Darauf hat der Zwerg ganz gelassen geantwortet:Wenn ich wieder komme und ihr wißt, wie man mich mit Na­men nennt, so will ich eben nimmer wieder kommen und auch eure Tochter nicht heirathen. Wofern ihr aber meinen Namen nicht wißt, werd' ich wiederkommen und eure Tochter mit Gewalt zur Frau nehmen." Die Hir­tenfrau hatte aber dem jungen Schäfer schon öfter gesagt, er solle gut Acht haben, woher der Zwerg käme und wo­hin er ginge. Das hatte der Schäfer auch vielmals ver, sucht, aber immer war der Zwerg zuletzt plötzlich weg gewesen. Also hütete der Schäfer an eben dem Abend, wo der Zwerg mit seinem Bescheide weggegangen war, an den Bergen seine Schafe die Sonne war schon am Untergehen, da kommt plötzlich der Zwerg wieder daher. Der Schäfer gibt genau Acht und schleicht ihm auch langsam nach. So tritt der Zwerg an einen Stein­felsen und ist auf einmal verschwunden. Nun geht aber der Schäfer ganz nahe an den Felsen, da sieht er eine purpurrothe Blume, die duftet ganz herrlich und leuchtet