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Meine Schwiegertochter!

Eine junge Frau, deren Mann abwesend ist, kann nicht zu ängstlich in der Wahl ihrer Vergnügungen seyn, indessen wäre eS ungerecht, sie aller Art von Zerstreu­ungen zu entwöhnen. Es giebt anständige Zerstreuun­gen welche selbst der böswilligsten Kritik Trotz bieten. Und eine von diesen ist eS, welche ich Ihnen hiermit anbiete. Beliebt es Ihnen, Sie mit mir zu theilen?

Ueberbringen Sie selbst die Antwort.

Ihre Sic liebende

Marquise Edmée de Serthain,"

Und schnell, schnell will ich mich nun umkleiden, zu der theuren Marquise fliegen und ihr danken wie eS sich geziemt. Grade ist [auf diesen Abend eine außerordent­liche Vorstellung der großen Oper angezeigt, und ich wette, meine Schwiegermutter hat uns eine Loge be- sorgt. Eine zarte und geistreiche Aufmerksamkeit für die ich Ihr unendlichen Dank weiß. Genau betracht gewinnt Mad. de Serthain beträchtlich, je mehr man Sie ken­nen lernt.

Denselben Tag, V« vor Mitternacht.

Es wird immer besser; gestern kehrte ich sterbend zurück, heute todt.

Auf ein anderes Mal, wenn die Marquise mir an­ständige Zerstreuungen vorschlagen wird, weiß ich, um was es sich handelt.

Ich kam um halb zwei Uhr zu Ihr.

Sind Sie nicht recht bei Sinnen, meine Schwieger­tochter ? jief sie aus, mich nur von Weitem erblickend.

Und als ich sie verwirrt und mit großen Augen be­trachtete , fuhr sie fort:

Wozu , um Himmelswillen dieser Ueberfluß an Toi­lette? und warum diese unzeitige Eleganz? Erzeigen Sie mir den Gefallen Ihre Armringe da zu lassen, die­sen dunkeln Schleier über die Rosen und ihren Hut zu werfen und sich Ihres, mit überflüssigen Spitzen garnir- ten Sammt-Paletots zu entledigen, welchen wir durch einen wärmeren Mantel, den ich Ihnen leihen will, er­setzen werden.

Ich gehorchte, wie das Lamm gehorcht, das man zum Tode führt, und Dein unglückliches Weibchen, mein lieber Didier, war in wenigen Augenblicken ganz ver- ( wandelt.

Hättest Du mich in einem solchen Aufzuge gesehen, so würdest Du sogleich auf Scheidung angetragen haben, und auch Deinen Prozeß gewonnen haben.

Allmächtiger Herr, dachte ich bei mir, welche unständige Zerstreuung ist über mein unschuldiges Haupt gehängt.

Nun, da Sie nun schicklich angezogen sind, be­

merkte die Marquise, wollen wir gehen. Wenn wir nur nicht zu spät ankommen und noch Platz finden.

Diese Worte hörend, gab ich meine Hoffnung auf die außerordentliche Vorstellung der großen Oper auf aber doch jener Raum, wenigstens einer musikalischen Matinee bei Herz oder in dem Saale der Venus-Plai# sirs beizuwohnen.

Zuerst überzeugte ich mich, daß wir nicht den Weg des Konservatoirs einschlugen , und gleich darnach lie­ßen wir die Straße de la Victoire hinter uns. Wir fuhren in der Richtung der Vorstadt Saint-Honoré.

Auf der Höhe der Kirche von Saint-Philippe du Roiile hielt der Wagen an. Die Marquise stieg heraus; ich folgte ihr, und wir traten in den Tempel, in dem unS zwei Stühle reservirt waren.

In diesem Momente sah ich nach meiner Uhr; sie zeigte zwei. (Fortsetzung folgt.)

Spanische Liebeshändel.

(Nach: The Cities and Wilds of Andalucia. By R. D. Marray.)

Für den Reisenden, der dem neuern Alltagsleben entrinnen will, gibt eS im zivilisirten Europa kaum eine Zuflucht als Spanien, und auch in diesem Lande der zähen Nationalität und der Abneigung gegen Verände­rungen ist er in Aufsuchung dessen, was noch ächt und altnational ist, nicht mehr ganz unbeschränkt. In der Hauptstadt und noch mehr in den geschäftsvollsten Städ­ten des Nordens und am Mittelmeer sind die ursprüng­lichen Sitten der Gesellschaft in neuerer Zeit schon durch französische Nachahmung zersetzt, namentlich unter den so­genannten obern Klassen. Das Eindringen französischer Ansichten ist am vollständigsten in der Literatur; was Spanien jetzt auf der Bühne, in Zeitungen oder in der schönen Literatur am Meisten bewundert, daS ist mit kaum einer Ausnahme den neuesten französischen Mustern mit gleicher Genauigkeit nachgeschnitten, wie die Röcke und Bärte der ganzen fashionablen Jugend von Castilien bis zu den Pyrenäen. Im Süden aber haben das alte Leben und die Sitten des Bodens, die anderswo nur in den unteren Ständen und auf dem Lande ihre Herrschaft be­haupteten, ihr Uebergewicht behalten. Von einem solchen Lande kann auch ein oberflächlicher eiliger Reisender, um wie vielmehr ein Mann, wie R. Murray, der jahrelang im Lande sich aufhielt, manche interessante Schilderung mit nach Hause bringen. Aus dieser Reise heben wir nachstehende Stelle über San Lucar aus, einen Ort, der jetzt selten von Reisenden besucht wird, und wo die alten Scenen der comed as de capa y espada noch