Einzelbild herunterladen
 

und auch so blieb ein großer Theil seines SehnenS un­gestillt.

Wie er scharf und schneidend, aber immer voll Würde, sich seinen Feinden gegenüber zeigte, mit eben solcher Dankbarkeit war er seinen Freunden ergeben. Wahr­haft rührend ist eS zu lesen, mit welch herzlicher Liebe und Freude er auf eine Stimme, die seiner rührend im Vaterlande gedacht, antwortete:

Auf einen Ungenannten im Morgenblatt:

Bis zu mir aus weiter Ferne hör' ich süße Worte flüstern, Glättend jene Falten alle, welche meine Stirn verdüstern."

Er theilt dieses erhabene Gefühl der Dankbarkeit mit dem größten und edelsten seiner Zeitgenossen, Lord Byron, der es im höchsten Grade besaß.

Den entschiedenen edel männlichen Charakter Pla- ten'S finden wir in allen seinen Dichtungen. Seine Lyrik ist nicht die Goethe'S zu vergleichen: der reinen, spiegel­klaren Fluth des MeereS, bergend in geheimnißvoller Tiefe die edelsten Schütze, von lachenden Ufern umgeben, der Sonne goldne Strahlen auf der Fläche abspiegelnd; nicht die Byron's ähnlich dem von dem wildesten Sturme erregten Wogen, die den Schiffer bald zu den Wolken emportragen, bald in die tiefste Tiefe hinabreißen auch nicht die Heine'S erinnernd: an die üppig tändelnde, wollüstig plätschernde Fluth, die sich nicht zu den Ster­nen zu erheben vermag, deßhalb grollend nach unten wendet und neben den herrlichsten Perlen viel Koth und Schlamm in der Tiefe aufwühlt. (Fort. folgt.)

Minister Rother.

(Nekrolog.)

(Schluß.)

ES währte ziemlich lange, ehe er in eine höhere Stelle aufrückte. 1803 warb er Kalkulator, ging darauf zum Stadtpolizeimagistrate über und war im Jahre 1806 Kanzleiinspektor und erster erpedirender Sekretär in War­schau, als die preußische Herrschaft daselbst ihr Ende er­reichte. Er unterstützte die preußischen Bevollmächtigten bei der Auseinandersetzung dec Verhältnisse mit dem Her- zogthum Warschau und lernte Stâgemann kennen, dem fein Charakter und seine Fähigkeit daS größte Vertrauen einflößten. Die Folge davon war, daß Rother nach seinem Wiedereintritt in k. preußischen Dienst, den Ge­heimen Staatörath Stägemann als unmittelbaren Vor- gesetzten und von diesem bald Aufträge der wichtigsten Art erhielt. Rother trat als Rechnungsrath in das Ka« binet deS StaatökanzlerS Hardenberg, dem er allmonat­

liche Uebersichten des gestimmten Staatshaushaltes vor­zulegen hatte. Von diesem Zeitpunkte an daiirt seine Wirksamkeit im auSgebreitetsten Umfange. MitGneisenau und Stâgemann führte er die schwierige Aufgabe auS, unter den Augen der mißtrauischen Franzosen und in den von ihnen besetzten Festungen Magazine anzulegen und Kriegsmaterial zu sammeln. Das Geheimniß mußte dabei so streng bewahrt werden, daß selbst die Akten über den Vollzug jener Maßregel verbrannt wurden. Schon übte Rother durch sein inniges Verhältniß zu Hardenberg den bedeutendsten Einfluß auf die preu­ßische Finanzverwaltung, als das Jahr 1813 der Re­gierung des erschöpften Landes gerade in dem Punkte, in welchem sie am schwächsten war, die größten Anfor­derungen stellte, Zuerst mußte für daS Uorksche Heer, damit dieS nicht genöthigt wurde, die Verpflegung der Russen anzunehmen, unter der Hand Geld zu den Soldzahlungen geschafft werden.

Rother richtete den Auftrag aus und versicherte sich zugleich im russischen Hauptquartier genauer Nachrichten über die Absichten des Petersburger Hofs. Nach Bres­lau ^ind zu Hardenberg zurückgekehrt, war es der förm­liche Krieg gegen Napoleon, der tausend Hilfsmittel in Anspruch nahm und überall nur leere Kassen und aus- gesaugte Quellen fand. Ein Bild von den finanziellen Nothständen und Rettungen dieser Epoche zu geben, möchte unter allen Umständen schwierig sevn, besonders aber auf dem beschränkten Raume eines Zeitungsblattes. Gewiß ist, daß sich die erstaunliche Energie Rothers, daß sich seine Umsicht, Gewissenhaftigkeit und die reichen Kräfte seines Geistes, sein fester Wille und sein hoher Muth damals im glänzendsten Lichte offenbarten. Zur Bezeichnung des Zustandes diene die kleine Erzählung, deren Gewährsmann General v. d. Knesebeck selbst ist. General Knesebeck überschlug nach Scharnhorst's Abgänge zum Blücher'schen Heere den ihm anvertrauten Kriegs­vorrath und entdeckte mit Schrecken, daß nicht so viel Pulver in Breslau vorhanden war, um den Soldaten im Felde auch nur eine zweite Ladung zu schaffen. Er fuhr noch in der Nacht zu Hardenberg ward aber statt dessen an Rother gewiesen, den er mitten in der Arbeit traf und theilte ihm seine Noth und Besorgniß mit. Im benachbarten Oesterreich war Pulver in Menge vorhan­den, aber es war nur gegen Geld zu beziehen und ge, rade an Geld fehle es. Rother beruhigte den General, der ihn noch weiter nicht kannte, mit der Versicherung, eS solle Rath geschafft werden und entließ ihn mehr durch seine Person, als durch irgend welche Thatsache getröstet. DaS Heer rückte indessen vorwärts. Zwei Schlachten waren geschlagen worden und Knesebeck hatte, um den Rückzug von Bautzen möglich zu machen, einen