empfiehlt. Es ist dies der ehemalige Minister Christian Rother, geboren zu Ruppersdorf bei Strehlen im Jahre 1778 und gestorben zu Rogau in Schlesien am 7. Nov. d. I., wenige Tage vor seinem Geburtsfeste, welches auf den 14. November fiel. Der Sohn eines unbemittelten Dorfschulzen, vor dessen Sarge der schwarze Adlerorden einher getragen wird, ein Mitstreiter des Freiheitskriegs, welcher ohne ein Gewehr ergriffen zu haben, aus demselben mit dem wohlverdienten eisernen Kreuze zurückkehrte, ein Beamter, der sich ohne die Begünstigung der Geburt und ohne den Unterricht der Universität, einzig durch die Tüchtigkeit seines Wesens und durch die solide Gewandtheit der Geschâstsbehandlung auS einer niederen Schreibcrbedienstung zum Vertrauten des Fürsten Har- denberg und zur Seele des preußischen Finanzwesens empor arbeitete, noch ehe ihm auch dessen formelle Oberleitung sammt der Führung aller wichtigeren Geldanstal- s ten Preußens anvertraut wurde, eine solche Persönlichkeit;
wird immer eine interessante und sogar bewundernS- werthe Erscheinung bleiben. Der Zufall hatte für Christian Rothers Emporkommen nichts gethan, als daß er ihn in eine Zeit voll gefährlicher und ungewöhnlicher Ereignisse stellte.
Der Verstorbene aber zeigte sich ihren schwersten Aufgaben gewachsen und das war der einzige Vortheil, mit welchem er seine Laufbahn machte. Wenn Preußen sich eines wohlgeordneten Staatshaushaltes, wenn eS sich seit dem Frieden eines immer wachsenden, viel weniger auf seine natürlichen HülfSquellen als auf seine pünkt-! liche Pflichterfüllung gebauten Kredits erfreute, so ist eö i vorzugsweise dem ehemaligen Minister Rother dafür zu Dank verbunden. Die Gegenwart, so rasch zum Werke, wenn es gilt, Verdienste bei Seite zu schieben und so langsam und ungeschickt, die aufgethanen Lücken zu ersetzen, hat auch den verewigten Rother nicht eben zart und sanft, und am wenigsten so wie eö seiner Vergangenheit angemessen gewesen wäre, behandelt. Sein Nekrolog zeigt auf Thaten und auf eine lange Wirksamkeit voller Anstrengungen, aber auch voll bedeutender! Erfolge hin.
AuS seinem Leben heben wir einige Umstände hervor. Christian Rother genoß in seiner Knaben- und Jünglings- jeit nur der Bildungsmittel einer Dorfschule, deren Lehrer ihm aber Privatunterricht in der Hoffnung ertheilte, der Schule damit einen neuen Meister zu erziehen. Diese Aussicht schlug fehl. Der gewissenhafte Lehrer fand, daß sein Zögling zu heftigen Temperaments sey für das Lehrerfach, und daß ihm das nöthige musikalische Gehör fehle.
Der AuSspruch entschied: anstatt Ides verweigerten Katheders aber bestieg jRother den Ministersitz. Es ist jedoch falsch, daß er aus dem Soldatendienste in die Finanzgeschäfte übergetreten sey, vielmehr wußte er st riebet Aushebung, mit welcher er bedroht war — das Jahr seiner Geburt wird den Ausdruck „bedroht" erklären — zu entziehen, trat 1792 als Hilfsarbeiter in ein Steueramt, dann als Privatschreiber in das Bureau eines Kriegsrathes und später in gleicher Eigenschaft in die Expedition eines Generals. Im Jahre 1797 erst ward er in den wirklichen Staatsdienst als Assistent bei einer Kriegs- und Domänenkammer ausgenommen.
(Schluß folgt.)
Miszellen.
Folgende statistische Zusammenstellung der Schicksale der österreichischen Minister seit 1848 bürste nicht uninteressant seyn. Neun sind in anderen Staatsämtern (Baumgartner , Kübeck, Kolowrat, Dobblhof, Sommaruga, Fiquelmont, Cordon, Zanini, Montecucoli) , vier haben sich ins Privatleben zurückgezogen (Pillersdorf, Schwarzer, Hornbostl, Weffenberg), vier sind flüchtig (Koffuth, Szemere, Horvath, C. Bathyanyi), drei wurden wahnsinnig (Stadion, Taafe, Szechenyi), zwei sind verwiesen (Metternich, Sedlnitzky) einer ermordet (Latour), zwei hingerichtet (Csanyi durch den Strang, Ludwig Batthyanyi durch Pulver und Blei). Seit dem März 1848 sind also nicht weniger als 25 Minister abgenutzt worden.
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In diesen Tagen ist in London die den Authographenlieb- habern wohlbekannte Winston-Sammlung dramatischer Handschriften versteigert worden. Einige Briefe von Edmund Kean gingen für 8 Pf. 15 Schill, weg; ein Brief von Cinq-Mars 1 Pf. 5 Schill. ; eine kurze Bemerkung von Haydn 1 Pf. 9 Sch.; ein Brief von Moses Mendelssohn 1 Pf. 10 Schill. ; von Voltaire 1 Pf. 16 Schill.; einige Briefe von Lady Hamilton und die Kostenrechnung ihres Leichenbegängnisses (die 28 Pf. 10 Schill, betrug) für 8 Pf. 4 Schill. ; 50 Briefe von Garrick kaufte der bekannte Buchhändler Colburne für 110 Pf. St.
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.
Theater zu Wiesbaden.
Dienstag den 1. Januar. Zum Erstenmale. Der Zerrissene. Posse mit Gesang in 3 Akten von Nestroy.
Druck und Verlag der & Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.