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Hin zu dir durch SturmrSnucht Ueber Berge, Thal und Strand Ziehst du mich mit Gottesmacht, Mein ersehntes Vaterland! Lebensland der Herrlichkeit, Meiner heißen Sehnsucht Land! Meine Stätte ist bereit, Und mein Weg ist mir bekannt." Am 22. November 1849.

n Tagebuch einer jungen Frau. ModerneZüge aus demLeben der großenWelt.

Aus dem Französischen des Alberic Second von Fr. Bouffier.

8. Dezember.

Heute um 6 Uhr ist Didier nach Marseille ab# gereist, wo wichtige Geschäfte seine Gegenwart erheischen.

Ich habe gebeten, mich die Reise mitmachen zu las­sen, habe ihn beschworen, ja, habe selbst geweint; ver­gebliche Thränen, unnütze Bitten. ..

Mein lieber Tyrann hat sich nicht erweichen lassen. Er hat die Anstrengungen einer so weiten Reise vorge, schützt, die Strenge der Jahreszeit, und hat mit einer leidenschaftlichen Beredtsamkeit meiner kostbaren Gesund­heit erwähnt, welche so große Schonung erfordere.

So hat er mich denn überredet zu Paris zu bleiben; ich habe ihn begleitet bis zur Post, und als sich der Wagen um die Ecke der Straße Jean-Jaques Rousseau gebogen hatte, kehrte ich nach Hause mit rothgeweinten Augen und schwerem Herzen zurück. . .

Didier versprach mir in 14 Tagen unfehlbar wieder­zukommen. 14 Tage, wie ist das so lang, mein Gott!

Ich, die ich Nichts verstehe von der Rechenkunst, deren mathematische Kenntnisse bis jetzt nur darin be­standen, zu wissen, daß zwei und zwei addirt nicht fünf machen, habe mich so eben mit Aufgaben beschäftigt, welche eines Astronomen würdig sind. Nachdem ich meh­rere Bogen beschwärzt hatte, kam ich zu dem entmuthi- genden Resultate:

14 Tage geben eine Summe von 360 Stunden; 360 Stunden machen 21,600 Minuten, gleich 1,296,000 Sekunden.

Wohlan, wir werden also während 1,296,000 Se­kunden getrennt leben, wir, die um seit 4 Monaten ver- heirathet, uns noch nicht einen Augenblick verließen.

O, wie sind sie böse, diese garstigen Männer!

Sobald Didier in Marseille angekommen seyn wird, wird er mir seine liebe Nachrichten senden, und wenn Etwas meinen Kummer mildern kann, so ist es der Ge­danke, daß ich bald einen Bries von ihm erhalten werde.

Er schreibt so schön, mein licbeS Männchen. Ich erin­nere mich noch, als wenn es gestern gewesen wäre, der wonnetrunkenen Rührung, in die mich jene Billette ver­setzten, die er mir vor unsrer Berheirathung heimlich zu­steckte. Ich bewahre sie fromm auf, wie eben so viele Reliquien. Welche Seele! welches Feuer! welcher Adel! welches Herz und welche Poesie! . . . .

Unter welcher Adresse werde ich Dir meine Ant­wort schicken?" fragte ich ihn.

Es ist unnütz mir zu schreiben," antwortete er,ich würde nicht mehr in Marseille seyn, wenn Dein Brief dort ankäme."

Nun wohl, ich werde Besseres thun," rief ich freudig über meine Eingebung;Tag für Tag, Stunde für Stunde werde ich ein genaues und bis ins Kleinste gehen­des Tagebuch halten über meine Handlungen, meine Worte und meine Gedanken. Du wirst eS bei Deiner Zurückkunft lesen, und es wird Dir leicht seyn, Dich zu überzeugen, daß ich nie während Deiner Abwesenheit aufgehört habe zu leben für Dich, mit Dir und in Dir."

Didier lächelte mich an und umarmte mich meiner Idee wegen, die er sinnreich und allerliebst fand.

Wie viel Uhr ift's? Acht Uhr und zehn Minuten. WaS thun bis zum Augenblicke, wo ich mich schlafen legen werde? Wenn ich wieder burchlese die Briefe meines Mannes? O ja! auf diese Art werde ich meinen Abend im Zwiegespräch mit ihm zubringen. Wenn nur Niemand mich stört. Aber wer könnte auch kommen? Meine Schwiegermutter, Madame de Serthain ist noch auf dem Lande. Uebrigenö will ich meinem Kammer­mädchen Befehle geben.

Julie, ich bin für Niemand da . . . für Niemand hörst Du wohl?"

Mein Gott! welch fürchterliches Wetter! Der Nord­wind heult in dem Rauchfange und läßt die Schilder der Nachbarschaft knarren. Armer Didier! wie wirst Du frieren! Ich erkälte mich beim bloßen Gedanken daran.

Julie, laß die Thürvorhänge nieder und lege Holz zum Feuer."

Ich greife aufs Gerathewohl in das Kästchen von Rosenholz, worin seine Briefe eingeschlossen sind. Welcher bietet sich zuerst mir dar? Laß sehen, er trägt die Nummer 19. O, ich erkenne Dich wieder an Deiner niedlichen, länglichen Form. Du wardst mir eines Abends übergeben, da ich das Lebewohl von Schubert gesungen hatte. Didier hatte sich dem Piano-Forte unter dem Vorwande genähert, die Saite umzuschlagen, aber Gott weiß, wie er seine Funktionen verrichtete. Er war stets 5 bis 6 Takte zurück. Glücklicherweise wußte ich die Begleitung auswendig . . .