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Der Wanderer.

BellctnstsschrS Beiblatt zur Nassauischen Allgcm. Zeitung

1849. M 309.

Eine erste Liebe.

Episode auS dem Leben des spanischen Minister-Präsidenten.

(Schluß.)

Dis zum Anbruch der Nacht war es noch ungefähr zwei Stunden hin, und daher brachte eine Postchaise bald unseren Helden, seinen Diener und seinen Mantel­sack nach Santander. Er kam noch ziemlich zeitig dort an, aber irgend eine Begebenheit, welche die Gasthäuser zu füllen pflegt, hatte sich diesen Tag in Santander bc# geben, und Don Ramon fuhr von Posada zu Posada, ehe er ein Nachtquartier finden konnte. Endlich fand er in einem kleinen Hotel, in der Nähe deS Hafens, zwei behagliche Zimmer, und hatte sich eben zum Abend­essen gefetzt, als ein baskischer Matrose seinen Kopf ins Zimmer steckte und fragte, ob er die Dame wäre, welche am nächsten Tage nach Bilbao fahren wollte. Ramon benachrichtigte ihn, daß er keine Dame sey, und daß er, da er gerade von daher käme, nicht wieder dahin zurück wolle, worauf sich der Seemann zurück zog, um anderswo nachzusuchen.

Es schlug Mitternacht, als Narvaez sich zu Bette begab. Gegen zwei Uhr wachte er auf und fühlte Hitze und Fieber; um sich Linderung zu verschaffen, dachte er an JneS de Lara. Dies war aber ein schlechtes Mittel, denn es ward ihm noch heißer; bald überkam ihn ein Gefühl, alS müsse er ersticken, und er glaubte einen star­ken Geruch, wie von brennendem Holze zu spüren. Sein Schlafzimmer war eine jener unseligen Gasthausschlaf­stuben , welche unmittelbar unter der Sorge und dem Schutze eines Wohnzimmers stehen, welches wie eine spanische Duenna niemanden einläßt, der nicht zu ihrer

Thür herein kommt. Don Ramon zog seinen Schlafrock an und betrat das Wohnzimmer; hier nahm der Geruch noch zu. Ein starkes Knattern und Prasseln, welches etwas beunruhigend war, ließ sich hören: er öffnete deß­halb die Stubenihür. Alles, was er sehen konnte, war ein dicker Rauch, welcher den Korridor, in dem ein röth- licher, von der Treppe herkommender Schein sichtbar ward, erfüllte. In der nächsten Minute zeigte lautes Klopfen an die Thür', Glockenziehen und das Geschrei: Feuer! Feuer! an, daß die Leute auf der Straße das Unglück gesehen hatten. Er sah, wie eS gewöhnlich bei solchen Katastrophen zu gehen pflegt, Männer und Weiber unbekleidet hervorstürzen und alle Thüren im Hause sich öffnen, als wolle man absichtlich daS Feuer zur Flamme anfachen. Das Gelärm des Schreiens und TobenS, des Jammerns und Weheklagens, das Knattern deS gefräßigen Elements und die Töne der Verzweiflung waren so arg, daß sie die Todten hätten erwecken können.

Don Ramon dachte an seinen Mantelsack und wun­derte sich über die Abwesenheit seines Dieners; da er aber an einer Masse Menschen, welche vom Feuer die Treppe hinabgetrieben wurde, sah, daß keine Zeit zu verlieren war, eilte er eine Nebentreppe hinab und war in einigen Minuten auf der Straße.

Inzwischen waren die Spritzen angekommen, eine ungeheure Menschenmenge hatte sich versammelt, die er­schreckten Bewohner deS Gasthofes stürzten heraus, mit-, ten unter ihnen bemerkte Narvaez ein junges Mädchen, welches die Hände rang und schrie: O, mein armes, armes junges Fräulein!

Wo ist sie, mein Kind? fragte der Kriegsmann.

In Nummer eilf, sagte das Mädchen; ihr Schlaf, zimmer liegt hinter dem Wohnzimmer und sie wird den Lärm gar nicht gehört haben.