Der Wanderer.
B-llctrWchrS BciUatt zur Nassauischru Allgem. Zeitung.
1849. — M 305.
Germanien.^)
Deutschland, schlummerst du noch? Siehe, was rings um dich, WaS dir selber geschah. Fühl eS, ermuntre dich,
Eh die Schärfe des Siegers
Dir mit Hohne den Scheitel blößt!
Deine Nachbarin sieh, Polen, wie mächtig einst,
Und wie stolz! o, sie kniet, Ehren und Schmuck beraubt,
Mit zerrissenem Busen
Vor drei Mächtigen, und verstummt.
Ach, es halfen ihr nicht ihre Magnaten, nicht Ihre Edeln, es half keiner der Namen ihr,
Die aus tapferer Vorzeit
Ewig glänzen am Sternenzelt.
Und nun wende den Blick! Schau die zerfallenen Trümmer, welche man sonst Burgen der Freiheit hieß,
Unzerstörbare Nester;
Ein Wurf stürzte die Sichern hin.
Weiter schaue. Du siehst, ferne im Osten steht
Dir ein Riese; du selbst lehretest ihn, sein Schwert,
Seine Keule zu schwingen;
Zorndorf erprobte sie auch an dir.
Schau gen Westen; es droht fertig in jedem Kampf, Diel gewandt und entglüht, trotzend auf Glück und Macht
Dir ein anderer Kämpfer,
Der dir schon eine Locke nahm.
*) Wir lassen hier ein Gedicht abdrucken, das wie erst heute der Feder irgend eines patriotischen Dichters entflossen ausfleht, und das doch von Niemand anders herrührt, als von Herder! (S. Herder'S sämmtliche Werke. „Zur schönen Literatur und Kunst". 15. Theil. Seite 278. Stuttgart und Tübingen, 1817. In der Ausgabe ausgewählter Werke in einem Bande von 1848, Seite 118.) Es entstund schon im Jahre 1778, also schon vor der ganzen neueren, mit dec ersten französischen Revolution beginnenden Bewegung. So lebte schon vor 70 Jahren derselbe Durst, dieselbe Sehnsucht nach politischer Einheit in den Herzen der edelsten Deutschen wie heute, und eben so lange schon wußte man mit „Osnabrücker Prachtschluffen" und „Herrenhäuser Husarenschluffen" Deutschland in seiner lächerlichen Zersplitterung zu erhalten. Anm. d. Red. d. Köln. Ztg.
Und du säumetest noch, dich zu ermannen, dich Klug zu einen? Du säumst, kleinlich zum Eigennutz, Statt des polnischen Reichstags
Dich zu ordnen, ein mächtig Volk?
Soll dein Name verwehn? Willst du zertheilet auch Knien vor Fremden? Und ist keiner der Väter dir,
Dir dein eigenes Herz nicht,
Deine Sprache nicht Alles werth?
Sprich, mit welcher? o, sprich, welcher begehrtest du
Sie zu tauschen? Dein Herz soll es des Galliers,
Des Kosaken, Kalmuken
Pulsschlag fröhnen? Ermuntre dich!
Wer sich selber nicht schützt, ist er der Freiheit werth?
Der gemaleten, die nur ihm vergönnet ward;
Ach die Pfeile des Bündels!
Einzeln bricht sie der Knabe leicht.
Höfe schützen dich nicht; ihre Magnaten fliehen,
Wenn kaum nahet der Feind, Jnful und Mitra nicht.
Wirf die lähmende D eutschheit
Weg, und sey ein Germanien!
Träum' ich, oder ich seh' welch einen Genius Niederschweben? Er knüpft, einig verknüpft er
Zwei germanische Freundes-
Hände, Preußen und Oesterreich.
Die Wallfahrt.
(Fortsetzung)
Ach, sagte Anna mit einem trüben Lächeln, das ist nichts, was ich gelitten habe; aber daö Unglück meiner armen Mutter spottet jeder Beschreibung. Nicht allein der Wohlstand, die Freude, nein, auch die Liebe und der