Der Wanderer.
Beiblatt zur Nassauischen Allgcm.
1849. — M 891.
IV. Nach Zeloten.
AlikölnischeS © t ü <f I e i n.
(Schluß.)
Ihr rennt in feuer Verderben, mahnte Ortwein, ich verlange in dieser Stunde noch von den Thurmherren, daß sie den Glarner sammt den übrigen Rädelsführern in Ketten und Bande legen.
Wenn Ihr die Rädelsführer nur könntet! höhnte Quentel.
Es gibt Mittel, dem Gaffelstein die Zunge zu rühren, versetzte der Magister.
Hennes lachte abermals. Die Gefangenen, meint er, wird der ^Eidgenoß mit Hülfe der Schüler bald genug erlösen. Wehe dann ihren Schergen!
Durch die kaum halb geöffnete Thür rief eine Stimme: Heinrich, mein Freund, komm heraus!
Nicht doch, komm Du herein, Gonsalvo, antwortete der Gerufene, und sage kecklich heraus, waS Du zu melden hast. Wir sind hier unter lauter guten Freunden.
Der Spaniol trat nicht ein, aber sein Gewerbe richtete er treulich aus. Dem Glarner war im Affen etwas widerfahren, das ihm in seinem ganzen Leben noch nicht vorgekommen; nachdem er den Altdurschen der Landsmannschaften mit etlichen schweren Trünken Bescheid gethan und darauf mit dem Lautenschläger einen „Willkomm" geleert, war er unter den Tisch gekollert, wohin übrigens Qualbert, ein Opfer seiner Hingebung, ihm vorangefallen. Auch noch Andere waren bereits niedergelegt. Bereit, ihnen zu folgen, sobald ihre Ladung vollständig, sang die Burschenjchaft mit gläsernen Augen, chweren Köpfen und steifen Gliedern über ihrer Ruhestätte das Studentenlied; Ceciderunt in profundum summus Aristoteles, Plato et Thucydides. Sie ließen
sich dabei nicht stören, und hatten eben noch den Andreas Gaffelstein ausgelacht, der um Hülfe gesendet, weil die Stadtknechte ihn ergriffen, um ihn zum Schuldthurm zu führen. Gonjalvo ging mit dem Versprechen, nach Kräften nüchtern zu bleiben und, so es der Mühe werth, wieder zu kommen.
Heinrich dankte im Herzen der schönen Gabriele, welche durch ihre goldene Spende den drohenden Aufruhr ein Zechgelag verwandelt hatte. Zu Quentel sprach er: Die Burschen mögen im Affen noch so fleißig seyn, unter drei Tagen werden' sie nicht fertig mit dem Wein, der blank und baar bezahlt ist. Von Gewaltthaten ist bis dahin keine Rede, und hernach wohl noch weniger. Ich denke, das wird Keinem von uns lieber seyn, als Euch. Das Scheitern des argen Anschlages befreit Euer Gewissen von schwerer Verantwortung, und waS zuvor geschehen, das sühne echte Reue und aufrichtige Besserung.
Mehr als zur Hälfte überwunden, antwortete Lur- HenneS: Wenn ich nur nicht hoch und theuer geschworen hätte, mein Kind keinem Anderen zu lassen, als einem gelehrten Herrn!
Der bin ich ja! rief Heinrich: ich bringe Brief und Siegel von Bologna mit als Licentiat.
Jetzt erhob der Großvater die Stimme: Gebt Euch gefangen, Meister, Ihr werdet sonst sammt Eurer schwarzen Kunst nicht fertig mit unserem kölnischen Drickes. ' Und laßt uns die Hochzeit baldigst feiern. Ich will sie in meinem Hause ausrichten, daß die Türken uns nicht dabei stören können.
Da wandte sich Hennes zu Heinrich: Es sey darum. Der lange Heinz hat mir viel Verdruß gemacht und mag sein Bündel schnüren. Geh zum Bader, laß Dich scheeren, waschen und zwagen, und komm dann als schmucker