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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur

Zeitung.

1849. ^ 290.

LV Nach Melaten.

Altkölnisches Stücklein.

(Fortsetzung.)

Die Schwarzkünstler spitzen bei diesen Worten ge­waltig die Ohren. Der Bericht klang nicht, allzuglaub­würdig. Jst's auch gewiß und wahrhaftig wahr? frag­ten sie.

Ihr dürft mir glauben, antwortete Heinz, und sprach dazu, aber unvernehmbar: daß es im Affen freien Trank gibt, genug um Euch alle toll und voll zu machen.

Auf deine Verantwortung? Auf meine Verant­wortung. Wenn wir nun hinliefen und müßten mit langer Nase wieder abfahren? Wie dann, Schweizerdegen? Dann nennt mich einen Schelmen.

Als die Gesellen und Jungen diese Versicherung er, halten, wurden sie einig, schnell von dannen zu weichen, bevor Quentel zurückkäme und sein Wort etwa ihn ge­reute. Sie hatten den Entschluß gerade noch zu rechter Zeit gefaßt. Bald kam der Meister heim, voll Unmuthes über den Lassen, der ihn am siebenundzwanzigsten Tage des Herbstmondes in den April geschickt. Sein Mißmuth wuchs, da er die Werkstätte leer fand. DasBlau­machen" war ihm am Montags-Morgen schon wider, wartig genug, geschweige den inmitten der Woche. Wo die Leute zu finden, wollte Heinz durchaus nicht wissen. Was geht's mich an! machte er: ich will einstweilen den Bogen da in die Form heben.

Thu's, versetzte der Meister und dachte dabei: Ich wollte, alle Heren holten des Glarners sauberes Ge­schreibsel !

Als ob Hexerei dazu gehört hatte! Mit einem Biß­chen Ungeschicklichkeit erfüllte der Schweizerdegen vollkom, men seines Brodherrn ungesprochenen Wunsch. Ein

Ach!", ein Fall, und was eben noch geordneter Satz gewesen, lag als wirre Masse auf den Dielen umher. Ueberrascht von diesem Zusammentreffen des eigenen Gedankens mit der fremden That, vergaß Quentel, zu schelten. Ueberdies verhieß der lange Heinz den Verlust mit eigener Arbeit am Setzkasten wettzuschlagen.

Verstehst Du denn auch zu setzen, fragte Lur-Hennes ungläubig, daß Du es wagen magst, den Ersatz durch eigenen Satz anzubieten?

Sicher und gewiß, grins'te Heinz: ich mach' Euch ganz allein ein Buch fertig von A bis Z.

Am Ende schriebö Du's 'wohl noch selber? spottete der Meister.

Nein, zum Anfang, versetzte gleichmüthrg der Gesell: das Schreiben geht dem Setzen immer vor, wie dem Schreiben der Gedanke und die Eingebung.

Dem Meister wurde ganz eigen zu Muthe , da er den langen Heinz urplötzlich so verständig reden hörte, und zwar mit einer Stimme, deren Betonung und Klang ihn anheimelte. Der Ton wie der Inhalt waren ganz verschieden von der gewohnten groben und dummen . Weise des Schweizerdegens. sQuentel's Nachdenken da- rüber^ unterbrach im Entstehen schon ein versiegelter Brief, den Lena zur Werkstätte brachte. Der Knecht des Andreas Gaffelstein habe das Schreiben an der Thür abgegeben, berichtete Lena, und dazu gesagt, Meister Hennes möge unverweilt den Inhalt drucken lassen, um nach Abrede damit zu verfahren.

Was geht mich der Gaffelstein an? brummte Hen­nes: ich habe mit dem verdorbenen Apotheker nichts zu schaffen. Solche Leute, die ihr eigenes Geschäft durch liederliche Verwaltung zu Grunde richteten, sind nicht meine Leute.

Er fügte noch Einiges hinzu, um denabgewirth- schafteten Unruhstifter" näher zu bezeichnen. Seine