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Kaum hörte er noch den letzten Schlag der Vesper­glocke, und eS ging ihm nahe, daß er gerade in einer Kirche verenden sollte, und hier gleichsam noch ein kirch­lich Begräbniß bekäme, da hatten, wohl durch seine eigene Schwere und durch sein jämmerliches Zappeln, die ins Holz eingekeilten Hörner etwas Raum bekommen, und siehe, ehe er's selbst nur bemerkt, ließ die Umklemmung nach und der Teufel fiel mit seinem ganzen Leibe mitten durch den Thurm hinab, mit seiner Steifheit und Unbe- Höflichkeit in der Enge der Windung vielfach an die Steine aufstoßend und sich quetschend und zerschlagend. Mit großer Anstrengung raffte er sich unten auf, in allen Rippen schmerzte und stach es ihn, eS schien, seine Hörner seyen wackelichter, sein Höcker sey noch unförm­licher, und sein vorher schon hinkender Fuß war jeden­falls von diesem Tage an lahm geworden Betrübt schlich er sich davon, beschützt von dem Dunkel, und hat seitdem keine Kirche mehr besuchen wollen.

Auf der Schelde zum Rhein.

(Fortsetzung.)

So schwankend wie die Wasserbewegungen, sagte ich, ist auch die Thätigkeit des Menschen. Die Bewohner haben zwar jn ihrem sogenanntenWasserstaate" ein bewundernSwertheS Beaufsichtigungs- und Leitungssystem aller Deiche und Uferbauten entwickelt. Zwar stehen demzufolge alle diese Bauten unter einer gemeinsamen Kontrole, welche alle Arbeiten und Unternehmungen an den Ufern in Harmonie zu bringen und so einzurichten sucht, daß sie sich in die Hand arbeiten und nicht gegen­seitig schaden. Allein vollkommen läßt sich dieß doch nicht durchführen. ES gibt Gemeinden, ganze Landstriche, in welchen die Deiche in schlechtem Zustande sind, andere, wo alles auf das Vollkommenste und Solideste ausge­führt ist. Auch täuschen sich oft die gescheitesten Direk­toren desWasserstaatS." Es werden zuweilen Deich­bauten unternommen, die man für zweckmäßig hielt, die aber bei ihrer Vollendung ein anderes Resultat geben, bie in den natürlichen Ablauf der Gewässer störend ein­greifen, die vielleicht die eine Gegend schützen, dagegen einer andern den Feind auf den Hals ziehen.

In Folge aller dieser Umstände, sage ich, kommt es, daß die Gestalt der Ländertheile' und die .Linien der Wasserläufe nie bleibend stritt werden, daß daS Meer bald hier eine neue Sandbank aufbaut, bald dort eine alte Sandbarre verschwinden läßt, daß die Ströme der salzigen Ebbe und Fluth wie der süßen Landgewässer sich gleichsam in ihrem Prokrustesbette beständig hin- und

herwerfen, bald hier neue fette Landschichten aufhäufen, bald dort alte Polder bedrohen, angreifen, annagen und endlich zerstören, daß ein kleiner Graben im Laufe der Jahre allmählich zu einem mächtigen Strome anschwillt, oder ein breiter Arm völlig versandet und austrocknet, daß demnach der Mensch beständig auf seiner Hut seyn mnß, indem seine Wachsamkeit bei dem fortwährenden Schwanken bald hier bald dort mehr in Anspruch genom­men wird, daß ihm bald hier etwas zuwächst, bald dort wieder etwas entschlüpft, und daß demzufolge die Karten dieses Landes fast in jedem Jahrhundert ein völlig ver­ändertes Bild geben.

Die meisten jener Revolutionen und Umgestaltungen stellen sich freilich dem Auge des Reisenden nicht so in­teressant und malerisch dar, wie die Felsenspaltungen, Bergzerklüftungen und Thalausgrabungen in den Ge­birgsländern. Vielmehr erscheint hier dem Auge des Be­schauers alles einförmig, gleichgestaltet, und ohne diese interessanten historischen Narben, Runzeln, Monumente und Ruinen, wie wir sie z. B. in den Alpen sehen. Man sieht nur zweierlei Flächen vor sich, die eine eine be, wegte, glänzende, flüssige, die andere eine feste, grüne, grasige Fläche. Da ist nichts Majestätisches und Jmpo- nirendeS. Und lagerte sich ein ruhiger, sonniger Tag'über dem Lande, wie es bei uns heute der Fall war, so sollte man kaum glauben, daß dieser so unschuldig blickende, glatte Gras, nnv Wellenteppich, so viel Stoff zum Nachdenken zu liefern im Stande wäre, so viele Schwierigkeiten dar­böte und auf Schritt und Tritt so viele Narben und Spuren einer in Zerstörungen und neuen Geburten un­erschöpflichen Geschichte an sich trüge. Nur im Geiste gleichsam kann man das Malerische des Anblicks dieses Landes genießen. Nur wenn man einige dieser Inseln zu Fuß durchwandert und die hundert in der Ferne un­sichtbaren Kunstwerke, die versteckten Schleusten, die Dämme, die gemauerten Ufer, die Kanäle gesehen, nur wenn man einige dieser zahlreichen, breiten und engen, sich erweitern­den oder versandenden Stromarme beschisst und ihre viel­fache Verzweigung bewundert hat, und wenn man dann sich vorstellt, wie das Ganze auf viele Meilen Weite, ebenso bearbeitet wurde, nur dann dämmert allmählich im Geist ein Bild des Landes auf, daö an Interesse und Mannichfaltigkeit fast noch alles übertrifft, was die GebirgSländer dem leiblichen Auge darbieten und so zu sagen handgreiflich geben. So vieles ist hier schon unter dem Wasser versteckt, was die Phantasie gleichsam wie ein Taucher erst wieder herausbringen muß. Einige von den langen Sandbänken, welche in doppelten und drei­fachen Reihen int Westen vor der Küste von Seeland meilenweit ins Meer hinausliegen, sind sich gestaltende Inseln, die Jahrhunderte (lang unter dem Niveau des