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Der Wanderer.

Belletriftsschcs Beiblatt zur Nassauischen Allgcm. Zeitung.

1849. JVs 887.

IV. Nach Melaten.

Altkölnische S t ü ck l e i n.

(Fortsetzung.)

Während Quentel im Feuer solcher Herzensangst die Leichtfertigkeit seiner bisherigen Handelsweise büßte und in der Furcht vor dem hereinbrechenden Unheil den Stachel bitterer Reue empfand, erfuhren viele Bürger der Stadt nicht minder arge Anfechtungen. Bekanntlich erfaßt der Drachenkönig immer die ganze Hand, so einer ihm den Finger hinstreckt. Wo ein ehrsamer Meister zu finden war, der irgendwie in schlimmer Laune oder auch nur im Uebermuthe des TrunkeS auf den Kurfürsten, auf das Regiment gemeiner Stadt, auf einen vom Rathe oder von den Gerichtsherrenin gutem platten Kölsch" geschimpft hatte, der sollte sich sofort beim Wort nehmen lassen. Die Schüler sendeten Botschaft zu den offenkun- digen wie zu den muthmaßlichen Anhängern der luther'- schen Lehre, zu denen, welche auf dem Platz vor der Kirche zu murren, auf dem Markt zu schelten, beim Wein aber Kaiser und Reich in die Tasche zu stecken pflegten. Die Aufforderung lautete, um Mitternacht mit Harnisch und Wehr sich auf dem Domhof einzufinden, wo die gesammte Partei in aller Stille zusammen kom­men würde, um dann losbrechend mit Gewalt die herr­schenden Uebel zu heilen, Freiheit und Gerechtigkeit wie­der herzustellen. Fast jeder der Abgesandten brachte frohlockend den Bescheid: sein Mann wolle sich einfinden, wenn die Gevattern auch kämen; und die Gevattern sagten ja sammt und sonders zu, zum großen Theil nicht ohne höchst bedenkliche und gefährliche Reden gegen die Gewalthaber auszustoßen. So war denn auf eine Schaar von weitaus über hundert Bürgern in Helm und Krebs zu rechnen, und darunter eine bedeutende Anzahl von

solchen, deren Wort bei Nachbarn und Freunden mehr ausrichten konnte, als etwa ein ganzes Fähnlein von Frundsberg'schen Knechten fertig gebracht hätte. Mit solcher Freudenbotschaft eilte der Lautenschläger in der mittäglichen Feierstunde seinen kölnischen DrickeS aufzu­suchen, der in breitkrämpigem Hute und schwarzem Man­tel ausgegangen war. Sie hatten einander zum Insel- markt (dem heutigen Heumarkt) bestellt, in dessen Mitte der Länge nach eine Doppelreihe von Linden und Wan­delbahn beschattete. Qualbert fand kaum Athem genug, um nach dem hastigen Lauf seine Nachrichten im Zusam­menhang aufzuzählen. Der herrliche GlareanuS setzt sich an die Spitze des Wagstückes, schloß er den eilfertigen Bericht: sein Muth, seine Einsicht werden uns zum Ziele führen. So eben steht er im Begriff, mit den Vornehm, sten der mißvergnügten Bürgerschaft die Zusammensetz­ung des neuen Rathes zu besprechen. Der Andreas Gaffelstein zeichnet die Namen auf und wird den eigenen nicht in der Feder behalten. Bis zum Ave-Läuten wird die Liste in der Quentelei seyn. Wir haben in kurzer Frist große Dinge vollführt, und mein Verdienst ist wahr­lich dabei nicht das geringste . . .

Er stockte plötzlich, da er wahrnahm, daß Heinrich gar nicht drein sah, wie einer, der willkommene Nach­richten vernimmt. Unter den zusammengezogenen Brauen schossen die Augen zürnende Bliße, und verdrießlich brummte der Herzbruder: O du Schalkskuecht und Bären­häuter, was stellst Du doch für lose Streiche an!

Wie mit kaltem Wasser übergossen, fragte der Schüler kleinlaut: Hab'ich denn nicht gethan nach deinen Worten?

Nein und tausend Mal nein! entgegnete Heinrich; du solltest mein Marcolphus seyn, der geschwätzige Häher, welcher vom hohen Wipfel die Widergänge des Wildes sieht und verräth. Ich besitze keinen schlimmeren Feind