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Der

Wanderer.

BcllctrischchcS Beiblatt zur Naffauischc» Allgem. Zeitung.

1849. .1- 888.

Hl. Driekes in der Fremde.

Altkölnijches Stücklein.

(Fortsetzung und Schluß.)

Wie der Handel mit des Schülers plötzlicher Flucht sich zugetragen, das hat außer mir in Salamanca schwer­lich eine Seele erfahren. Ich ersah nämlich die Gelegen­heit, den Pförtner inS Gebet zu nehmen. Ich weiß, sagte ich zu ihm, daß die Fremde im Hause gewesen ist und daß Du für Geld und gute Worte sie hereingelassen hast; doch will ich nichts verrathen, wenn Du mir ein offenes Bekenntniß ablegst! Er that nach meinem Ver­langen. Gabriele war mutterseelenallein gekommen, hatte ihr Roß draußen an den Mauerring gebunden und durch Darreichung einer Verehrung den Thürhüter zum Oeffnen bewogen. Die Sünde war seinerseits eine läßliche, Ver­rath stand nicht zu befahren, und daß die Edelfrau nichts stehlen wollte, konnte er allenfalls unbeschworen glauben. Dennoch machte der alle Mann sich allerhand seltsame und ängstliche Gedanken darüber, und wie er so im besten Nachdenken war, sah er plötzlich den Schüler Henrikus herbeirennen, das Thor öffnen, sich draußen des Pferdes bemeistern und von dannen reiten. Bevor er noch daran denken konnte, sich von seinem Erstaunen zu erholen, kam die Frau von Salazar aus dem Innern zurück. Sie hatte geröthete Augen, machte aber ein ganz freundliches Gesicht und lächelte sogar, als sie vernahm, daß der Schüler ihr Roß entritten habe. Mit der Mahnung, das strengste Stillschweigen zu beobachten, schenkte sie dem Pförtner eine ganze Hand voll Dukaten. Darauf ist sie noch etwa acht Tage lang in der Stadt geblieben, ohne jedoch mit sich reden zu lassen, so viele Mühe auch ihrer Zwei sich deßhalb gaben. Eines schönen Morgens war sic verschwunden, und ich habe seitdem nichts mehr von ihr vernommen, als eben, da ich sie vorübereilen sah.

Mich soll's Wunder nehmen, ob sie mich nicht wiedertge- kannt hat!

Oder mich? setzte der Spanier hinzu. Sie hätte wohl Grund und Urfad), meiner eingedenk zu bleiben.

Der Niederländer lachte in der That rechtflämisch" und hob dann an: Ist sie Dir doch das Trinkgeld schul­dig geblieben für den freundlichen Wink mit dem Zaun­pfahl, welchen Du zur gelegensten Zeit dem artigen Jungen gegeben, da er bezaubert zu ihren Füßen lag. Ich rede in allem Ernste. Damals wird sie Dich aller­dings an einen Ort gewünscht haben, wohin Du frei­willig niemals gingest; aber was in der Stunde der Versuchung Magdalena, die jugendliche, kränkte, das wird die alternde Dir jetzt Dank wissen. Gib Acht, sie sendet nach Dir. Ich irre wohl kaum, wenn ich in jener Alten dort ihre Iris wittre; seht nur, wie sie und mustert, als wollte sie uns durch und durch blicken, wie sie hin und her trippelt, mit sich selber uneinig, ob sie uns anreden soll!

Er winkte bei diesen Worten mit den Augen auf eine alte Frau hin, die sich langsam näherte. DaS Ant­litz der guten Alten hätte schwerlich seinen freundlichen Ausdruck behalten, wenn sie des Spottvogels schnöde Rede vernommen und verstanden. Dennoch sollte im nächsten Augenblicke die Rechnung wettgeschlagen seyn.

Heda, Mutter! rief Geert die Nahende an, wie ist's mit uns? Was muß ich Dir geben, daß Du einst über meinem Grabe betest?

Ach, junger Herr, versetzte sie, den Ernst auf den Lippen, den Schalk im Nacken, darum müßt Ihr eine Andere anreden. Meine Beine sind zu alt, um die hohe Leiter hinauf zu steigen.

Der Gesell wurde nach Verdienst ausgelacht. In­dessen sagte die alte Frau, sie suche den Lautenschläger Qualbert, von dem ihr berichtet worden, er sey Nach-