sehen zu verheißen schien. Ich wünsche Neuigkeiten zu vernehmen, gute Einfälle und Wendungen, geistreiche Gedanken, mit Geschick gegebene Bemerkungen, behende Antworten und wohlgedrehte Spitzen. Auskunst sollt Ihr mir ertheilen über Land und Leute, vor Allem über süße Schwächen und lose Streiche vornehmer Frauen und verliebter Ritter.
Der gute Magister wußte nicht, was der Hagel- schauer dieser Worte eigentlich bedeuten sollte, wiewohl er hinlänglich begriff, daß sie nicht eben eine Einladung zum Abendessen vorstellten. Ich aber trat näher und begann ohne Umstände auf französisch zu reden, indem ich mich zum Dolmetscher antrug. Zugleich bemerkte ich, daß es zwar auf der iberischen Halbinsel nicht hergebracht sey, fremde Sünden zu beichten, wir aber dem Verlangen der Dame zu lieb uns alle Mühe geben wollten, vom Thun und Treiben der schönen Welt etwas in Erfahrung zu bringen.
Was machst du denn da? fragte mich Johannes unwirsch. Ich sagte ihm treulich wieder, was ich geredet und was Gabriele zuvor gesagt. Sie schien sich inzwischen aus eine Antwort zu besinnen. Der Magister zeigte sich nun mit meinem Einschreiten wohl zufrieden und ermahnte mich, seine Liebeserklärung Wort für Wort zu übersetzen. Er sprach noch, als Gabriele anhob: Weß- halb wollt Ihr für einen Andern thun, womit Ihr im eigenen Namen den Dank verdienen könntet? Kommt lieber einmal allein. Wollt Ihr? — Euer Wort ist mein Gebot, versetzte ich; doch was soll ich meinem Meister jetzt sagen? — Ganz recht, machte sie darauf; er muß freilich mit etwas abgespeis't werden; so verlangt denn von ihm, daß er mir Gelegenheit verschaffe, unbemerkt alle Mitglieder der hohen Schule von Salamanca auf einmal zu überschauen. — Worauf ich, um der ungeduldigen Frau zu Lieb die Sache so kurz als möglich abzumachen, in meiner Uebersetzung ihrem Begehren sofort eine bestimmte Form verlieh. Sie wünsche, sagte ich, am nächsten Sonntag in der Kirche unserer großen Schu« len dem Hochamte beizuwohnen, und erbitte sich darum den Zutritt in eine der vergitterten Schaukammern, da, wie sie erfahren, Frauen sonst die Hallen der Weisheit nicht betreten dürften. — Sie vor Allen nicht, fügte Johannes hinzu; denn sie wäre im Stande, die hohe Schule in ein Tollhaus zu verkehren. Bei ihrem Erscheinen in der Kirche wär' es aus mit aller Andacht, und wenn der Erzbischof von Toledo selber am Altar stände. Ihr Verlangen soll übrigens gestillt werden. — Die Art und Weise, in welcher ich meinen Auftrag vollzogen, erwarb mir den vollsten Beisall der schönen Fremden. Sie warf mir, in das Nasentüchlein geknüpft, einen Peso zu unb , entließ uns in Gnaden. Für das Tuch gab mir der *
Magister zwei PesoS, so daß dieser begnadete Abend mir, nach hiesiger Münze gerechnet, drei Gulden und ungefähr acht bis zehn Stüber eintrug. Viel Geld für wenig Mühe.
Wie billig, bemerkte der Niederdeutsche dazu; denn da nichts schlechter bezahlt wird, als die ehrliche Arbeit, so muß das lose Gewerbe um so einträglicher seyn.
(Fortsetzung folgt.)
Weitere Nachforschungen nach Sir John Franklin.
Auch Sir John Richardson, der vom amerikanischen Festlande aus Nachforschungen nach der verschollenen Erpedition des Sir John Franklin angestellt hat, ist jetzt nach England zurückgekehrt und ebenfalls ohne eine Spur Franklins entdeckt zu haben.
Er war im vorigen Jahre vom Mackenzie- ostwärts zum Kupferminen-Flusse vorgedrungen und hatte an verschiedenen Punkten der Küste Vorräthe von Lebensmitteln niedergelegt; er hatte längs der ganzen Küste die See im Norden, so weit das Auge reicht, eisfrei und erst bei seiner Ankunst an der Dolphin- und Unionstraße dieselbe zugefroren gefunden. Sein Gefährte, Dr. Rae , sollte mit auserwählter Mannschaft den Kupferminen-Fluß hinabfahren, auf diese Weise so weit wie möglich nordwärts vordringen und zwischen den Wolluston- und den Victoria-Inseln hindurch zu gelangen suchen. Sein Bericht ist nun noch zu erwarten, ebenso wie die Berichte der Befehlshaber der Kriegsschiffe „Herald" und „Plover" von denen das erste am 19. Mai Oahu, das zweite am 25. August Honolulu verlassen hat und welche beide den Auftrag haben, von Westen her so weit wie möglich nach Norden vorzudringen , Erkundigungen einzuziehen und Lebensmittel-Depots anzulegen. Zugleich macht man sich Hoffnung darauf, daß die amerikanischen Wallfischfänger , die in diesem Jahre in großer Anzahl die Behringsstraße und die nordwärts belegenen Gewässer besucht haben, sich durch die von der britischen Admiralität ausgelobte bedeutende Prämie veranlaßt finden werden, große Anstrengungen zu machen, um von der Franklinschen Erpedition Kunde zu erlangen, welche, nachdem die in den östlichen Gegenden der Polar-Region angestellten Nachforschungen fruchtlos geblieben sind, jetzt nur noch vom Westen her zu erwarten ist. Mit Lebensmitteln war Sir John Franklin auf vier Jahre , d. h. bis zum Juli d. I., versehen, sollten sie ihm ausgegangen seyn, ehe die Möglichkeit seiner Befreiung aus dem Eise eingetreten ist, so wird er ohne Zweifel die Schiffe