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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Naffauischen Algem. Zeitung.

1849. .1" 274.

II. Dunkle Männer

Altkölnijches Stücklein.

(Fortsetzung)

Der Glarner fühlte sich höchlich geschmeichelt. Die Kenntniß der Tonkunst und die witzige Grobheit waren eben die zwei Dinge, auf welche er sich mehr noch ein- bildete, als auf seine Ausgabe des Horaz. Habt Dank für Eure gute Meinung, sagte er, die Liebe und An­hänglichkeit der Jugend wird als tröstender Gedanke mich in die Ferne geleiten.

In die Ferne geleiten? Wie versteht Ihr das? frag­ten voll Theilnahme die Schüler. Wollt Ihr die Agrip- pinenstadt »erlassen?

Ich werde wollen müssen, meine biederen Freunde. Schaut doch einmal zu, wohin das Zünglein der Wage sich neigt. Der Sieg in Reuchlin'schen Händen kommt allen denen theuer zu stehen, die sich am Kampf gegen die klotzköpsige Beschränktheit betheiligten. Fragt nur nach, wo sie zu finden sind, die wackeren Streiter! Zu Köln werdet Ihr sie vergeblich suchen; bis aus den armen kran­ken Câsarius, der von den milden Gaben seiner Freunde lebt. Den edlen Busch, den tüchtigen Murmelius hat die finstere Brut vertrieben. Ich aber werde ungeheißen gehen, wenn die Hochschule von Köln es zuläßt, daß die zwei Prädikanten nach Melaten hinausgeführt werden. Das Unglück würde mich niemals von der Stelle treiben, aber vor Schimpf und Schande verstehe ich nicht Stand zu halten. Wir brauchten nur ein ernstes Nein zu rufen, und den Gräueln wäre ihr Ziel gesteckt. Doch haben wir nicht den Muth, uns gegen die Ungerechtigkeit auszuleh­nen, und damit ich solcher Schmach nicht theilhaftig werde, will ich den Staub von meinen Füßen schütteln. Gott befohlen, meine hochverehrten Herren, und nehmt das treu­herzige Schweizerwort nicht übel auf.

Die Schüler steckten die Köpfe zusammen, und wie sie, betroffen von des Glarners brandstifterischer Rede, des Abschiedsgrußes vergessen, so dachten sie auch nimmer an den Aushängebogen und das Fanggeld für die Druck­fehler. Der Funke war in den Zunder gefallen.--

Loritus sprach noch, als Heinz in das Unterstübchen trat, vom Meister gerufen. Was gibt's denn draußen? fragte HenneS, haben die Schüler der Fehler so viele gleich beim ersten Anlauf aufgegabelt, daß sie über den reichen Fang jubeln?

Doch nicht, beschied der Gesell, es ist da einer ge­kommen mit rothen Wangen und weißen Haaren, ein großer und breiter Kerl, den sie den Herrn Doktor Gla- reanus heißen.

Ortwein rümpfte die Nase über den Titel wie über den Namen. Der Schweizerdegen sprach mit der unbe­fangensten Miene weiter: Den Herrn Doktor verschnupft's gewaltig, daß die Finsterlinge ein paar Schwarzröcke zu Melaten wollen henken lassen. . . .

Schon gut, unterbrach ihn Hennes unwirsch und wendete sich zu Ortwein; es ist aber die höchste Zeit, daß Ihr geht; zu St. Agatha hat's längst geläutet. Nicht wahr, Heinz?

Das Augenzwinkern des Meisters übersah der Gesell, und mit lachendem Munde gab er den Bescheid: Freilich längst, schon gestern. Aber Ihr werdet's heute wieder hören, bevor eine Viertelstunde vergeht.

Heilige Einfalt! brummte Lur- HenneS in den Bart; darüber trat der Glarner herein, wandte sich zum Buch­drucker mit derbem Handschlag und noch derberem Lachen, und dann mit lateinischem Gruß zum Magister. Die so gewöhnliche Anredevir clarisime hatte in seinem Munde eine so schneidende Betonung, daß der Dunkel­mann alle Farben, nur nicht die rosenrothe, spielte. Der Eidgenoß war ohnehin um seiner spöttischen Weise halber