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Der Wanderer.

BellctristiicheS Beiblatt zur Naffamschm Allqcm. Zeitung.

1849. .1" 873

II. Dunkle Männer

Altkölnijches Stücklein.

(Fortsetzung)

Der Gesell im Vorhause, auf welchen der Magister hinwies, sah in der That nicht wie ehrsamer Leute Kind aus so verwildert trug er Haar und Bart, so ver- wahrlost das Gewand.

Die Gesellen sind freilich selten, besonders die Schwei­zerdegen, gab Hennes zur Antwort. Ein starker, flinker Bursche geht lieber unter Reiter und Knechte, als in die dumpsige Werkftâtte. Darum war ich von Herzen froh, als der Heinz sich bei mir meldete. Er ist lang von Beinen, doch kurz von Verstand und täppischen WesenS, dabei aber bärenstark. Den Preßbengel dreht er Euch, daß es eine helle Freude ist. Rüstig packt er an; ein Druck und der Bogen liegt da, so scharf und sauber ge, druckt, daß Ihr gleich hineinbeißen möchtet. Laßt mir den langen Heinz in Ehren, Herr Magister. Der druckt Euch frischweg alle Stund' seine zwanzig Blätter und pfeift erst noch ein Schelmenstückchen dazu.

Der Gepriesene trat indessen vor die Hauspforte, um einen einseitig bedruckten Bogen an die Wand zu placken. Die Vorübergehenden sollten ihn aufmerksam durchlesen, und wer einen Fehler nachweisen konnte, einen Albus zum Trinkgeld erhalten. Das war die letzte Probe deS Satzes bevor er unter die Presse kam. Obschon nun der aufmerksame und geübte Ortwein nicht leicht einen Fehler zu übersehen pflegte, so führte dennoch die Hoff­nung, den Albus zu ergattern, immer eine Anzahl von Schülern vor des Druckers Thür. Auch diesmal fehlten sie nicht. Lungernd oder hungernd stand ihrer ein halbes Dutzend auf der Gaffe, verkommene Gestalten in faden­scheinigen schwarzen Mäntelchen, doch rasch, lustig, keck in Geberde, Blick und Wort. Dem Gesellen der schwar­zen Kunst fehlte nichts, als Mantel und Hut, um zu

der Genossenschaft zu passen, welcher im Walde draußen gewiß ein Jeder gern auSgewichen wäre. Sie empfin­gen den Heraustretenden mit lautem Gelächter und plumpen Scherzen.

Gegrüßet seyst du! rief Einer aus: gegrüßet wie ein Eselein, welches den Heiligen trägt. Orientis partibus adventavit asinus *).

Ein Zweiter fügte hinzu: Bist du nicht der Rabe in der Wüste, welcher dem Propheten das Brod im Schna­bel bringt?

Ein Dritter: So gebe der heilige Cyprianus, daß dieses Brod nicht wiederum Traum und Schaum sey.

Heinz machte zu den Scherzen ein blitzdummes Ge­sicht. Da klopfte ihm Einer mit breiter Tatze auf die Schulter und schrie ihn an: Bruderherz kennst du mich, deinen Qualbert, denn nicht mehr?

Ich bin kein Bruderherz, antwortete der Drucker gleichmüthigen Tones, ich bin ein Schweizerdegen.

Der Schüler ließ von ihm ab und sagte, zu seinen Genossen sich wendend: Bis auf die Dummheit ist die Aehnlichkeit täuschend. Zu Salamanca habe ich einen gewissen Henricus gekannt, der mein Bruderherz war und diesem Einfaltspinsel glich, wie ein Waffertropfen dem andern; doch war mein Henricus ein gewiegter Bursch.

Lachend antworteten die Mitschüler : Sie werden eben eine Mutter haben, die sie aber ungleich erben ließ. Darum ist der eine zu Salamanca ein Schüler, der an­dere zu Köln ein armer Tropf. Der eine lebt vom Mutterwitz, der andere von des Vaters Blödsinn. Wer aber vermag zu sagen, welcher von beiden am besten fährt? Stuhilia vectigal **).

*)Aus dem Morgenlande kam ein Esel." (Anfang deS bekannten Liedes, das beim Eselsfest gesungen wurde).

**)Die Dummheit ist ein« Rente".