Der Wanderer.
Bellctristitchcs Beiblatt zur NassamHeu Allgenu Zeitung
1849. — .1 867.
Ein Zweikampf in der Volksvertretung von Arkansas.
An den Adern der Südländer rollt daö Blut feuriger als in dem kalten und bedächtigen Nankee des Nordens; Lie heißen Sonnenstrahlen üben ihre Wirkung auch auf das Gemüth des Menschen. Wo der Nordländer sich an das Gericht wenden würbe, sucht der Mann im Süden auf eigene Faust Genugthuung. Er greift zur Pistole, zur Büchse oder zum Bowiemesser, ist aber selten Duellant im gewöhnlichen Sinne des Wortes, sondern mehr ein „Desperado," wie man sich am Missisippi ausdrückt. Der Desperado ist insgemein ein Mann , der eine achtbare Stellung im bürgerlichen Leben einnimmt, er kann ein musterhafter Gatte und guter Vater seyn, immer geht er in seinem Sinne loyal zu Werke. Aber es charak- terisirt ihn, daß er jede Beleidigung, die man ihm an# thut, oder die er sich angethan glaubt, mit Blut abwäscht, und daß er mit seinem Gegner allemal und unbedingt auf Leben und Tod kämpft. Für ihn zerfällt die Mensch, Helt in einen kampflustigen und in einen friedliebenden Theil. Der letztere ist für ihn so gut wie gar nicht da. Sekundanten braucht er nicht, auch ist ihm die Waffe gleichgültig, nur muß sie mörderisch seyn. Er würde auch mit Kanonen ober Donnerkeilen den blutigen Strauß versuchen.
Die Zahl der desperaten Männer ist in den südlichen Staaten der nordamerikanischen Union nicht gering; auch unter den Volksvertretern findet man sie häufig.
noch längere Zeit nach der Organisirung der Behörden, sich in einem nur halb geregelten Zustand befand. Es gab für die Volksvertreter im Senat und im Repräsentantenhause noch alle Hände voll zu thun, und während die Parteien der Wighs und der Demokraten um die Herrschaft stritten, war die Hitze und die Reizbarkeit der Volksvertreter auf den höchsten Grad gestiegen. Nur wenige sehr friedfertige Mitglieder ausgenommen, faßen alle übrigen bis an die Zähne bewaffnet auf ihren Plätzen, im Rocke und Scitentaschen steckten Pistolen, und auf den Schreibtischen lagen sechsläufige, scharfgeladene Revolvirpistolen. Im Repräsentantenhause selbst wurde Pulver und Blei feilgeboten.
Es war im Jahre 1836 in der Stadt Little Rock. War am Abend die Berathung der Volksvertreter beendigt, so schossen sie draußen im Freien ihre Pistolen ab. Viele Volksvertreter übten sich auch in den Pausen zwischen der Sitzung auf zehn Schritte , einen Viertel- bollar zu treffen oder gar ein schmales Band durchzuschießen. Ein Flchtenwälbchcn, dicht am Arkansasfluffe, bas nur etwa hundert Schritte vom StaatShause (b. h. dem Regierungsgebäude) lag, bildete den Schießstand. Unaufhörlich knallte es dort, und die unabhängigen Mitglieder wurden ununterbrochen daran erinnert, wie gefährlich es sey , den einen ober andern ihrer Kollegen zu „beleidigen", was so viel sagen will, als sich über ihn in einem mißfälligen Sinne zu äußern. Man nennt noch heute die Sitzung der Repräsentanten von 1736 die „schändliche" Sitzung, die Versammlung von Teufeln. Wie man während der Schreckenszeit der französischen Revolution sagte: Die Guillotine regiert, so hieß es damals in Arkansas; bas Revclvirpistol und das Bowiemesser sind die Meister; die Gewalt ruhte im Schießpulver.
Sehr heftig waren die Verhandlungen im Repräsentantenhause, als es sich um Gründung der Real-Estate-
Die nachfolgende Erzählung ist getreu und der Wahrheit gemäß; sie wirb dem Leser einen Begriff von einer Gattung von Männern geben, die ihm vielleicht bis jetzt ganz fremd war.
Am rechtenUfer des untern Missisippi liegt Arkansas, ein neuer Staat, der, wie es in solchen zu gehen pflegt,